Ortsbürgermeister

„KaWe“ geht von Bord

Von Rolf-Peter Kahl
Rückzug: Karl Werner Jüngst wird nicht mehr zur Wahl zum Ortsbürgermeister antreten.
Rolf Kahl/FNP

Die Mitteilung war zwar kein offizieller Tagesordnungspunkt in der jüngsten Gemeinderatsitzung der Aargemeinde, aber sie sorgte nach der Sitzung für den meisten Gesprächsstoff. Bürgermeister Karl Werner Jüngst hatte den Rat informiert, dass er bei den Kommunalwahlen im kommenden Jahr nicht mehr für das Bürgermeisteramt zur Verfügung stehen wird. „KaWe“ – kein echter Niederneisener nennt ihn Karl Werner – nimmt nach 30 Jahren seinen Hut.

Nach drei Jahrzehnten zieht sich der 65-jährige, gebürtige Niederneisener CDU-Politiker aus der aktiven Arbeit als Bürgermeister seiner Heimatgemeinde zurück. Bei Jüngst darf man das oft bemühte Bild des Kapitäns, der von Bord geht, getrost anwenden: Er ist „sturmerprobt“ nach den Jahrzehnten als Kommunalpolitiker. Er kennt das harte Geschäft politischer Streitbarkeit ebenso wie das repräsentative, verbindende als Vertreter seiner Gemeinde, seiner Bürger. „Mir lag beides“, sagt Jüngst, der „schon mit ein wenig Wehmut“ Rathaus und Ratssaal verlässt. Mit 21 Jahren stieg der seit wenigen Wochen im Ruhestand befindliche Diplomfinanzwirt 1974 als Vorsitzender der „Jungen Union Aar“ in die Kommunalpolitik ein. „Meine Initialzündung für politische Arbeit war seinerzeit das aufkommende Thema der Umgehung von Niederneisen.“ Bereits die Wahlen 1979 hatten zum Ergebnis, dass Jüngst – interessanterweise als 1 B-Kandidat auf der Liste der FWG – Mitglied des Gemeinderates wurde. Es folgte 1984 mit den Stimmen der FWG sowie des neu gegründeten CDU-Ortsvereins die Wahl zum 2. Beigeordneten. Und auch bei der Wahl zum Bürgermeister im Jahre 1989 (sie war keine Ur-Wahl) konnte „KaWe“ auf die Stimmen der FWG- und CDU-Fraktion zählen.

In allen Vereinen

Auf zwei Sachen ist er beim Rückblick auf seine Amtszeit ganz besonders stolz: „Das wir eine neue Grundschule im Ort etablieren konnten, sowie eine hervorragend funktionierende Kindertagesstätte geschaffen haben. Zwei Einrichtungen für die Zukunft.“. Und Jüngst war es immer wichtig, „den Ort zusammenzuhalten“. Vereine und Nachbarn zusammenzuführen war eine seiner vornehmsten Aufgaben (er war und ist Mitglied in allen elf Ortsvereinen und gilt als Initiator von vierteljährigen Vereinstreffen. „Wenn die Vereine und die Bürger untereinander gut können, ist dies ein absolutes Pfund – das ist die Stärke des sogenannten ländlichen Raumes.“ Der ehemalige Torwart der ersten Mannschaft (er machte im Alter von 50 Jahren sein letztes Spiel für die TUS) bedauert es, dass es in seiner Amtszeit nicht gelungen ist, auch für die Zukunft die Grundversorgung im Ort sicherzustellen. „Leider haben wir nur noch einen Bäcker, zwei Gaststätten und einen Friseur in Niederneisen“. Für die Zukunft wünscht er sich, dass die Umgehungsplanung weitergeführt wird und dass die Standards in der Grundschule und der KiTa gehalten, eventuell noch verbessert werden können.

Vollkommen aus der politischen Arbeit zieht sich Jüngst dann doch nicht zurück. Falls die Wähler es so wollen, wird er seine Posten im Verbandsgemeinderat (seit 34 Jahren), im Kreistag (seit 33 Jahren, seit 2014 Kreisbeigeordneter) und als Vorsitzender des neu gegründeten CDU-Gemeindeverbandes Aar-Einrich (seit wenigen Tagen, vorher seit 1987 Vorsitzender des Gemeindeverbandes Aar) weiter bekleiden wollen.

Rolf-Peter Kahl