Hotel im Rathausbau

Limburger Hotelbetreiber haben Angst vor den Plänen der Stadt

Von Stefan Dickmann
Die Hotelbetreiber Silke Brethouwer (Hotel Zur Eisenbahn), Stefan Martin (Hotel Martin), Nicole Menne (Vienna House Easy) und Niklas Held (Pension Tafelspitz) wehren sich mit vier weiteren Hotelbetreibern gegen eine mögliche Ansiedlung eines Hotels im Rathausanbau an der „Pusteblume“.
Stefan Dickmann/FNP

Als die Stadthalle im Januar 2017 ihr 40-jähriges Bestehen feierte, wurde Geschäftsführer Guido Lindeken gefragt, was er sich zum Geburtstag der Kohlmaier-Halle wünsche. Seine Antwort lautete: „Ein Hotel, ein Hotel, ein Hotel!“ Er verspricht sich dadurch bessere Vermarktungsmöglichkeiten. Diesen Wunsch formulierte er auch vor Kurzem in der Sondersitzung des Ausschusses, als über die Pläne der Verwaltungsspitze beraten wurde, die städtische Verwaltung auf der Dietkircher Höhe in den Mundipharma-Büros anzusiedeln, was die Stadtverordneten auch so beschlossen haben.

Der nach dem Umzug der Verwaltung leerstehende Rathausanbau an der Pusteblume sei zum Beispiel für ein Hotel geeignet, sagte Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) und erklärte, es gebe bereits einen ernsthaften Interessenten. 70 bis 80 Zimmer, direkt angebunden an die Stadthalle, das wäre großartig, frohlockte Lindeken.

Schließungen drohen

Stefan Martin kann den Stadthallen-Chef einerseits gut verstehen. Andererseits ist Martin nicht für die Josef-Kohlmaier-Halle verantwortlich, sondern kümmert sich um sein Hotel Martin. Aus seiner und der Perspektive fast aller Hotel-Betreiber in der Innenstadt erweitert ein weiteres Hotel nicht die Möglichkeiten, im Gegenteil: „Wir als Limburger Hoteliers und teilweise sehr alteingesessene Unternehmen sprechen uns dagegen aus“, heißt es in einem von sieben Betreibern von Hotels und einer Pension in der Innenstadt unterzeichneten offenen Brief an den Bürgermeister, den Ersten Stadtrat, den Stadtverordnetenvorsteher und die Fraktionsvorsitzenden. „Die Auslastung der Hotels in Limburg lässt einen zusätzlichen Mitbewerber in dieser Größenordnung nicht mehr zu, ohne Schließungen nach sich zu ziehen“, heißt es in dem Schreiben.

Darauf geantwortet hat nach Martins Angaben bislang nur die FDP-Fraktionsvorsitzende Marion Schardt-Sauer, die einen Gesprächstermin vereinbarte. Die CDU-Fraktion werde ebenfalls mit den Hoteliers reden, kündigt CDU-Fraktionschef Dr. Christopher Dietz an. Auch Bürgermeister Hahn gibt sich gesprächsbereit: Die Unterzeichner des Briefs könnten jederzeit mit seiner Sekretärin einen Termin vereinbaren.

Stadtverordnete entscheiden

Aber Hahn macht auch deutlich, dass er sich ein Hotel an der „Pusteblume“ sehr gut vorstellen kann. Schließlich sei er auch Aufsichtsratsvorsitzender der Stadthallen GmbH, und Geschäftsführer Lindeken wünsche sich schon sehr lange ein Hotel in der Nähe der Stadthalle. Das letzte Wort in dieser Angelegenheit hätten allerdings die Stadtverordneten. Außerdem müsse zuvor der Altbau saniert werden, damit dort dauerhaft das neue Bürgerbüro angesiedelt werden könne, das sich derzeit noch im Foyer des Rathausanbaus befindet. Falls es eine Mehrheit für eine Hotel-Ansiedlung gebe, alternativ sei eine Nutzung mit Wohnungen oder Büros möglich, sei eine Ausschreibung geplant, kündigt Hahn an. Schon jetzt gebe es einen ernsthaften Interessenten für ein Hotel.

Die Stadt schätzt, mit dem Verkauf des Ende der 1960er-Jahre gebauten Rathausanbaus eine Million Euro erlösen zu können. Vor der Ausschreibung soll jedoch ein Gutachter den Wert des Gebäudes genau taxieren. Dass die mögliche Ansiedlung eines Hotels noch etwas länger dauern kann, beruhigt die besorgten Hoteliers keineswegs. „Der Kuchen für alle wird nicht größer, wenn ein großes Hotel dazu kommt“, sagt Stefan Martin. Das sei vielleicht noch für Hotels mit einer Auslastung von 65 bis 75 Prozent zu stemmen. Sein Hotel komme auf eine Auslastung „im mittleren 50 Prozent-Bereich“. Ein weiteres Hotel in der Innenstadt würde nicht nur ihm „richtig wehtun“, weil es zu einer geringeren Auslastung aller Hotels führen werde. Nur an 15 bis 20 Tagen im Jahr seien alle Hotels in der Innenstadt ausgebucht. Schon jetzt sei es so, dass es im Winter kaum Übernachtungen gebe, sagt Hotelier Martin. Besonders schlimm seien die Monate Januar und Februar. Vor allem im Sommer werde das Geld erwirtschaftet, das im Winter fehle.

Den offenen Brief unterzeichnet haben die Hotels Martin (26 Zimmer), Zimmermann (18 Zimmer), „Zur Eisenbahn“ (18 Zimmer), „Vienna House Easy“ (99 Zimmer), „Frankfurter Hof“ (14 Zimmer), „Montana“ (52 Zimmer), Dom-Hotel (42 Zimmer) und die Pension „Tafelspitz“ (neun Zimmer).

Aber auch das Hotel „Nassauer Hof“ teilt die im Brief genannten Bedenken: Inhaber Eike Mielitz, der das Hotel mit seinem Bruder 2016 übernommen hat, in dem beide zuvor schon als Angestellte gearbeitet hatten, kämpft mit den gleichen Problemen. Ein weiteres Hotel wäre eine Belastung für alle anderen Hotel-Betreiber.

Stefan Dickmann