11.11.2017 03:30 | Petra Hackert

Tempo 30 oder Gewschwindigkeitskontrollen?: So will die Politik nächtliche Raser in Bad Camberg ausbremsen

Bad Camberg Tagsüber quält sich der Verkehr über die B 8 in Bad Camberg. Nachts ist das ganz anders. Wenn die Ampeln zwischen der Lahnstraße und dem Ortsteil Erbach abgeschaltet sind, werden sogar Geschwindigkeitsrekorde aufgestellt. Was tun? In der Stadtverordnetenversammlung ist man sich über die Wahl der Mittel uneinig.

Breit, ausgebaut, und nachts ist die Ampel ausgeschaltet: Auf der B8 zwischen Bad Camberger Lahnstraße und m Ortseingang Erbach rasen nachts die Autofahrer.
Breit, ausgebaut, und nachts ist die Ampel ausgeschaltet: Auf der B8 zwischen Bad Camberger Lahnstraße und m Ortseingang Erbach rasen nachts die Autofahrer. Bild: Petra Hackert

„In der Diagnose sind wir uns einig, nur in der Wahl der Mittel . . .“ So kommentierte der CDU-Stadtverordnete Daniel Rühl einen Antrag der SPD im Stadtparlament, auf der B 8 zwischen der Einmündung Lahnstraße in der Kernstadt und dem Ortseingang von Erbach von 22 bis 5 Uhr ein Tempo-Limit von 30 Stundenkilometern einzuführen. Die Stadt kann dies nicht anordnen, deshalb hatte der Magistrat beauftragt werden sollen, sich bei den Straßenverkehrsbehörden dafür einzusetzen, dieses Tempo-Limit zu erhalten. Diesen Antrag hat die SPD nun verändert: Stattdessen soll der Bauausschuss einen Beschlussvorschlag erarbeiten, wie das Problem beseitigt werden kann.

Ignoranz auf Rennstrecke

Das Problem sind nämlich nicht Geschwindigkeiten um die 50 Stundenkilometer, sondern weit darüber. „Immer häufiger erlebt man dort Autofahrer, die diese zum Teil sehr gerade und gut ausgebaute Strecke nutzen, um Geschwindigkeitsrekorde aufzustellen“, hat Simon Steioff beobachtet. Der SPD-Stadtverordnete ergänzte: „Besonders dann, wenn nachts durch wenig Verkehr und die abgeschaltete Ampel am Rewe-Markt quasi freie Bahn herrscht.“ Hier sei es Aufgabe der Stadt, gegenzusteuern und für Sicherheit zu sorgen.

„Wir haben ein Vollzugsdefizit“, stellte Daniel Rühl dazu fest. „Wir schaffen es nicht, dass die Regeln, wie sie an dieser Stelle gelten, eingehalten werden.“ Deshalb ergebe es wenig Sinn, Tempo 30 anzuordnen, „wenn wir es noch nicht einmal schaffen, Tempo 50 einzuhalten“. Sein Vorschlag: Der Magistrat solle Gespräche mit den zuständigen Stellen, darunter auch die Polizei in Limburg, führen, um verstärkte mobile Überwachung an dieser Stelle zu bekommen. Zu prüfen sei auch, ob ein stationärer Blitzer möglich ist. Dies seien vernünftige erste Schritte. Rühl: „Wenn das nicht fruchtet, können wir uns immer noch über Tempo 30 unterhalten.“

Fußgänger in Zeitnot

Die Raserei ist das eine, die Fußgänger das andere. Ebenfalls auf Antrag der SPD hat das Parlament den Magistrat einstimmig beauftragt, sich bei den zuständigen Behörden dafür einzusetzen, die Ampelschaltung im Bereich Limburger Straße/Rewe/Ärztehaus zu verändern. Sinnvoll sei eine Verlängerung der Räumphase an der Fußgängerampel, erläuterte Fraktionsvorsitzender Michael Traut. „Für Fußgänger mit Hilfsmittel oder Rollstuhlfahrer, ältere oder mobilitätseingeschränkte Menschen wird es sehr knapp, wenn sie kurz vor dem Umspringen von Grün auf Rot noch versuchen, die B 8 zu überqueren“, hat Traut beobachtet und sogar nachgerechnet, wie viel Zeit ihnen bleibt.

Etliche Bürgersteige in der Kernstadt und den Stadtteilen sind nicht im besten Zustand. „Einer Kurstadt unwürdig“, urteilte Holger Reich (Grüne). Daher forderten die Grünen einen Bericht des Magistrats über Zustand und Planungen, der im Bauausschuss vorgestellt werden soll. Dies hat die Stadtverordnetenversammlung einstimmig befürwortet.

Nur unproblematische Anregungen und Einwände sind zum Bebauungsplan „Kindertagesstätte Erbach“ eingegangen, der nötig ist, um die Kita wie geplant zu errichten. Daher hat die Stadtverordnetenversammlung einstimmig beschlossen, das Verfahren – eben wie geplant – fortzuführen. Vorgesehen ist, den viergruppigen Kindergarten auf dem Erweiterungsgelände des Friedhofs in Erbach zu bauen – gemeinsam mit der katholischen Kirche, die Träger der Kita ist. Die Kosten von rund 3,377 Millionen Euro teilen sich Stadt und Kirche zur Hälfte.

Stephan Herber bleibt Schiedsmann für den Bezirk Bad Camberg, Helmut Thuy sein Stellvertreter. Dies hat die Stadtverordnetenversammlung einstimmig beschlossen. Die Amtszeit der beiden läuft im November aus, beide hatten sich zu einer Wiederwahl bereit erklärt.

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