Kreisjugendtheater

Eine theatrale Wanderung auf den Spuren Goethes

Von Kristiane Huber
Matthias Seider (links) läuft als Goethe leichtfüßig die Mauern entlang des Mainturms entlang.
Hans Nietner/FNP

Goethe läuft leichtfüßig auf der Mauer am Flörsheimer Mainturm entlang und rezitiert ein Rezept für Sardellensalat. Oh, da gibt es einen Hänger im Text. Kein Problem. Denn noch sind es die Proben für das Stationentheater „Dichtung und Wahrheit. . ?!“, das als „theatrale Wanderung“ auf den Spuren Goethes in Flörsheim angekündigt wird. Vier Aufführungen werden am kommenden Wochenende an sechs Orten dargeboten – von der Ausgangsstation Mainturm aus laufen die Zuschauer rund drei Kilometer mit der Schauspieltruppe mit bis zur Endstation Heimatmuseum (siehe Info). Mit diesem Theater-Beitrag wird der Main-Taunus-Kreis bei der „Goethe-Festwoche der Stadt Frankfurt und des Kulturfonds Frankfurt/RheinMain“ repräsentiert. Das Projekt des neuen Kreisjugendtheaters, das im Jahr 2017 mit einer ersten Inszenierung startete, kommt damit auf eine große, regionale Bühne.

Der Initiator des Kreisjugendtheaters ist Gerd Müller-Droste, der vor seiner Pensionierung als Theaterlehrer der Schwalbacher Albert-Einstein-Schule schon seine Meriten verdiente. Auch bei dieser szenischer Inszenierung unter freiem Himmel ist er Dramaturg, Regisseur und ein bisschen Schauspieler. „Goethes Oma mütterlicherseits stammt definitiv von der wohlhabenden Flörsheimer Familie Lindheimer ab. Das Heimatmuseum war der Familien-Gutshof. Darum spinnen wir an sechs Stationen in Flörsheim einen Kokon aus Dichtung und Wahrheit aus Goethes jungen Jahren“, sagt Müller-Droste.

Der 18-jährige Mathias Seider spielt Goethe mit Charme und Souveränität. „Ich kenne Gerd Müller-Droste schon aus der Schule. Die Arbeit mit dem neuen Team des Kreisjugendtheaters ist richtig toll“, sagt er. Beruflich zieht es den Nachwuchs-Akteur nicht zum Theater, studieren will er Biowissenschaften. Zu Goethe passt das, denn der war ein Universalgenie und hat sich auch mit Naturwissenschaften beschäftigt. Was Goethe umtrieb, spiegelt auch diese Inszenierung wider. Er war nicht nur ein begnadeter Dramatiker und Denker, sondern auch ein Genussmensch, der zudem eine Freundschaft zu Friedrich Schiller pflegte. Mit Schiller, der von Nikita Cernonomazo gespielt wird, wurde am Sonntag am Weinausschank nahe dem Mainufer geprobt. „Ein bisschen lauter“, flüstert Co-Regisseurin Liora Hilb Schiller zu. Auch, dass die Frankfurter Grüne Soße eigentlich aus Flörsheim kommt, wird bei dieser Szene gemunkelt, möglicherweise direkt aus der Küche von Goethes Flörsheimer Oma. Es wird nicht nur szenisch agiert, sondern auch gesungen und mit Instrumenten live musiziert bei dieser Inszenierung und auch Puppenspieler sind mit von der Partie. Mit Do Deckinger, der musikalischen Leiterin, und Gabriele Wormsbächer, der Goethe-Oma, unterstützen Erwachsene die acht zentral spielenden jugendlichen Akteure. Auch Goethes literarische Figur Gretchen aus dem Faust kommt vor und wird von Daria Schirmer dargestellt. Ein Mitspieler ist Maisan Khairy, der noch den Asylbewerberstatus hat und kleine RolIen übernimmt. Im Hintergrund wirken noch mehr Menschen mit, das ist klar.

Asja Jarzina vom Kreis organisiert das Ganze, sie hatte auch die Idee, bei der Goethe-Festwoche mitzuwirken. Müller-Droste lobt den Ersten Kreisbeigeordneten Wolfgang Kollmeier: „Ohne seine Unterstützung gäbe es das Kreisjugendtheater nicht“, sagt er. Ein Budget von 20 000 Euro steht für das Ereignis zur Verfügung, das Land Hessen gibt über den „Kulturkoffer“ Geld dazu. Das „Drehbuch“ für das Szenentheater basiert auf Goethes autobiografischen Schriften: Dichtung und Wahrheit eben. Das musste aber in theatertaugliche Form gebracht werden, „was ein Eigengewächs des Regieteams und der Spieler ist“, sagt Müller-Droste.

Kristiane Huber