11.11.2017 03:30 | Sascha Kröner

Begleitpferd „Samurai“: Hannoveraner-Wallach ist der Star bei den St. Martins-Umzügen

Weilbach Er ist freundlich und gelassen: Deshalb ist Heidi Ehrhardts Wallach „Samurai“ prädestiniert, den Heiligen Martin auf dem Pferderücken durch den Ort zu begleiten.

Von wegen kriegerisch: Hannoveraner-Wallach „Samurai“ ist ein ganz Lieber. Er schmust nicht nur gern mit seiner Besitzerin Heidi Ehrhardt, sondern bleibt absolut gelassen, wenn es beim Laternenumzug mal lauter zugeht.
Von wegen kriegerisch: Hannoveraner-Wallach „Samurai“ ist ein ganz Lieber. Er schmust nicht nur gern mit seiner Besitzerin Heidi Ehrhardt, sondern bleibt absolut gelassen, wenn es beim Laternenumzug mal lauter zugeht.

Woran denken Sie, wenn Sie den Begriff Samurai hören? Sicherlich nicht an Ruhe, Frieden und Gelassenheit. Höchstwahrscheinlich gehen Ihnen eher Bilder von klirrenden Schwertern und kriegerischen Auseinandersetzungen durch den Kopf. Im Flörsheimer Stadtteil Weilbach lebt allerdings ein äußerst friedlicher Samurai. Er ist zehn Jahre alt, freundlich zu Kindern und steht im Stall von Heidi Ehrhardt. Das Pferd mit dem ungewöhnlichen Namen begleitet Jahr für Jahr die Laternenzüge zu Sankt Martin. Vom Krieger des feudalen Japans fehlt hier jede Spur.

Ironie des Schicksals

Die Idee, den Vierbeiner „Samurai“ zu nennen, sei aus ihrer Familie gekommen, erzählt Heidi Ehrhardt. Dass sich das Reitpferd der Rasse Hannoveraner dann später zum genauen Gegenteil entwickelte, kann als Ironie des Schicksals verbucht werden. Das Tier habe einen besonders ruhigen und friedlichen Charakter, erklärt Heidi Ehrhardt. Außerdem sei es wenig schreckhaft – zumindest diese Eigenschaft teilt es wohl mit so manchem feudalen Krieger. Heidi Ehrhardt hat ihren „Samurai“ selbst gezüchtet und kennt das Pferd seit seiner Geburt. Vor zwei Jahren habe sie den Hannoveraner zum ersten Mal auf einen Martinsumzug mitgenommen, erzählt die 41-Jährige, die seit 25 Jahren als Sankt Martin im Sattel sitzt. Für viele Kinder ist das Tier eine mindestens genauso große Attraktion: „Einige bekommen beim Anblick des Pferdes ganz leuchtende Augen“, berichtet Heidi Ehrhardt.

Gleich drei Mal hintereinander darf „Samurai“ seine Gelassenheit beweisen: Am Donnerstag begann der diesjährige Einsatz mit dem Weilbacher Laternenzug. Heute geht es für Reiterin und Ross nach Hattersheim, morgen nach Flörsheim. Nicht jedes Pferd sei für diese Rolle geeignet, erklärt Heidi Ehrhardt. Als Beispiel nennt sie die Stute aus der Nachbarbox, die während Samurais Foto-Shooting neugierig ihren Kopf in den Durchgang streckt. Die Stallnachbarin sei ein ganz anderer Typ – „viel nervöser“, sagt die Weilbacherin. „Samurai“ schenkt dem Blitzlicht des Pressefotografen derweil überhaupt keine Beachtung. Laut Heidi Ehrhardt können weder leuchtende Laternen noch Musikkapellen und Gesang den Hannoveraner aus der Ruhe bringen. Eine solche Entspanntheit lasse sich nicht gezielt züchten. „Das ist ein großer Glücksgriff“, erklärt die 41-Jährige, die sich gut mit den Reittieren auskennt. Heidi Erhardt besitzt noch drei weitere Pferde. Insgesamt leben auf ihrem Hof, den sie als Pferdepension betreibt, 70 Tiere.

Ganz natürlich

Während der Martinsumzüge sorgt ein Begleiter dafür, dass die Kinder Abstand zum Pferd halten. Weitere Vorkehrungen muss Heidi Ehrhardt nicht treffen. Die Situation werde weder im Vorfeld geübt, noch gebe sie dem Tier ein Beruhigungsmittel. Wenn ein Pferd von Natur aus Angst habe, könne man sie ihm durch Training nicht so einfach nehmen. Außerdem lasse sich die komplexe Situation eines Laternenzuges auf dem Hof schlecht nachstellen, erläutert die Reiterin. Ein Beruhigungsmittel wäre bei einem aufgeregten Tier eine mögliche Option, räumt sie ein. Dies sei aber nicht Sinn und Zweck einer Teilnahme beim Martinsumzug. Deshalb ist Heidi Ehrhardt auch froh, dass Samurai ganz freiwillig mitspielt.

„Das ist überhaupt nicht künstlich und absolut stressfrei“, betont die Weilbacherin. Der einzige Anreiz für Samurai sind einige zusätzliche Leckereien: „Zwischendurch und nach dem Umzug gibt es ein paar Möhrchen extra, damit er weiß, dass er seine Sache gut gemacht hat“, verrät Heidi Ehrhardt.

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