02.11.2017 03:30 | Dominik Rinkart

Halloween-Nacht: Jugendliche attackieren Polizisten: Erneut wird Schwalbach Schauplatz von Krawall

Schwalbach Die Halloween-Nacht hat in Schwalbach im Main-Taunus-Kreis Spuren hinterlassen. Erneut kam es dort zu Randale und Gewalt gegen die Polizei. Diese will weiter hart durchgreifen und arbeitet gemeinsam mit Stadt und Sozialarbeitern in einem Arbeitskreis. Letzterer sieht manch ein Vorgehen der Polizei jedoch skeptisch.

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Sieben Strafanzeigen gegen Unbekannt und elf Personen, die in Gewahrsam genommen wurden: Das ist die Bilanz der Halloween-Nacht in Schwalbach im Main-Taunus-Kreis. Eine Gruppe von rund 20 jungen Erwachsenen hatte in der Nacht zum Mittwoch Mülltonnen angezündet und das herbeieilende Großaufgebot der Polizei mit Feuerwerkskörpern und Steinen beworfen. Mehre Dutzend Beamte waren im Einsatz.

Gegen 20.15 Uhr wurde die Gruppe in der Nähe einer Schule beobachtet, später begann sie mit ihrem Vandalismus und setzte auch Baustellenmaterial in Brand. Um die Randale zu stoppen alarmierte die Polizei auch Beamte aus Frankfurt, Wiesbaden und von der Bereitschaftspolizei. Die Randalierer warfen Scheiben ein und beschädigten Streifenwagen. Verletzt wurde bei den Zwischenfällen niemand.

Die Personen in Gewahrsam sind zwischen 15 und 24 Jahre alt. Ihnen konnten erstmal keine Straftaten nachgewiesen werden. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln.

Rund 60 Straftaten

Seit Monaten kommt es in Schwalbach immer wieder zu Randale und Vandalismus, vorrangig am Markplatz. Angefangen habe alles im Nachbarort, auf den Weintagen in Bad Soden im Mai 2016, sagt Polizeisprecher Markus Hoffmann. Seitdem zählt die Polizei in der Gegend rund 60 Straftaten, die auf das Konto von drei Gruppen mit je 20 bis 30 Personen gingen. Schon einmal waren Polizisten mit Steinen und Flaschen beworfen worden. Ein Polizist wurde dabei am Kopf verletzt.

„Die Bürger sind verärgert und verunsichert“, berichtet Schwalbachs Bürgermeisterin Christiane Augsburger (SPD). „Gerade ältere Bürger fordern inzwischen mehr Polizeipräsenz, da habe ich auch Verständnis.“ Auch die Polizei verspricht, weiterhin mit allen gebotenen Mitteln gegen die Randalierer vorzugehen.

Seit August überwacht eine Videokamera das Geschehen am Marktplatz. Bereits seit Juli dieses Jahres kontrollieren die Beamten regelmäßig Jugendliche und Heranwachsende in Schwalbach. Wie der städtische Sozialarbeiter Dennis Günther berichtet, entfaltet das eine Wirkung: „Wenn eine Streife aus sechs bis acht Polizisten besteht, dann sieht das schon beängstigend aus.“

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Günther kennt die Sorgen der Jugendlichen. Zu der Randale sagt er: „Es gibt Einzelpersonen, die gerade am Eskalieren sind und die wir nicht mehr erreichen.“ Das Bild einer Kleinstadt, in der Randalierer in großer Zahl zerstörend umherziehen, weist er zurück: „Hier gibt es ganz typische jugendspezifische Straftaten, wie überall auch.“ Lediglich die Gewalt gegen Polizeibeamte, wie sie nun erneut auftrat, hebt er hervor: „Das hat eine andere Qualität.“

„Frust bei Jugendlichen“

Polizei, Stadt und Sozialarbeit wollen das Problem gemeinsam lösen und treffen sich bereits in einem Arbeitskreis. Doch was die Polizeipräsenz anbelangt, dazu sind die drei nicht immer einer Meinung. „Diese Kontrollen verursachen viel Frust bei den Jugendlichen“, erklärt Sozialarbeiter Günther. Für ihn sei es inzwischen ein Ziel seiner Präventionsarbeit, bei der Jugend für Verständnis für die Arbeit der Polizisten zu werben: „Wir erklären den Jugendlichen, dass sie freundlich bleiben sollen, aber viele haben noch keine Bewältigungsstrategie für ihren Frust.“

Bei seiner Arbeit hört Günther die Geschichten der Jugendlichen, wie sie etwa gerade ein Eis essen wollen und im nächsten Moment mit ausgestreckten Gliedmaßen an einer Wand stehen und kontrolliert werden. Zwar kann er die Arbeit der Polizei nachvollziehbar, sagt aber: „Wir von der Jugendarbeit hätten uns das anders gewünscht.“

Die Polizei setzt weiter auf Kontrollen – in welchem Ausmaß, das will sie der „Lage angepasst“ entscheiden. „Aber wir überlassen das Stadtbild ganz sicher nicht den Störern“, betont Polizeisprecher Hoffmann. Bürgermeisterin Augsburger versucht zu beruhigen: „Bisher gab es keine Angriffe auf Bürger.“

Von der Straße holen

Seit Anfang vergangener Woche bietet Sozialarbeiter Günther Jugendlichen einen offenen Treff an. Ihm gehe es darum, dass sich Mädchen und Jungen austauschen – und beschäftigt sind. Das eigentliche Problem in Schwalbach sind für ihn einige Rädelsführer. „Wir müssen die anderen Jungs von der Straße holen, damit sie nicht zu Mitläufern werden“, erläutert Günther und mahnt zur Besonnenheit: „Die Situation hat sich hochgeschaukelt, und jetzt müssen wir alle dafür sorgen, dass sie sich wieder entspannt.“

Die strafrechtliche Aufarbeitung der Krawallnacht wird andauern. So erstattete die Polizei zunächst Anzeigen gegen Unbekannt. „Auch bei einer Gruppe geht es darum, jede einzelne Straftat gründlich nachzuweisen. Das gestaltet sich manchmal schwierig“, sagt die Bürgermeisterin.

Kommentare

  • Sozialarbeiter
    geschrieben von Robatzek (22 Beiträge) am

    Wer überwacht die Sozialarbeiter ? Wenn ein Sozialarbeiter die Fehler bei der Polizei sucht , muss er seine Einstellung zum Rechtstaat überdenken . Solche Leute müssen sofort entlassen werden . Dieses Verhalten muß auch nicht von unseren Steuergeldern bezahlt werden

  • Die oder die?
    geschrieben von thbode (9 Beiträge) am

    Max und Moritz wurden seit Jahrzehnten immer braver und softer.
    Daher will man als Bürger/Leser wissen welchen Hintergrund diese Gruppen haben. Aber das ist wohl vergebliche Hoffnung da die offizielle Haltung ist dass nichts mit nichts zu tun hat. Es gibt nur Einzellfälle...

  • Frust?
    geschrieben von Täuschmann (31 Beiträge) am

    "Wir erklären den Jugendlichen, dass sie freundlich bleiben sollen, aber viele haben noch keine Bewältigungsstrategie für ihren Frust.“

    Wenn Menschen ihre Kreativität in Richtung Gewalt und Zerstörung richten, von denen sie genau wissen, das dies zumindest strafbar ist, dann haben die versagt, die sich "Sozialarbeiter" nennen.

  • "Bisher keine Bürger angegriffen"
    geschrieben von Tool (1 Beiträge) am

    na vielen Dank auch.. da haben wir ja nochmal Glück gehabt.. Was scheinbar vergessen wird.. die Beschädigungen, die von diesem Pack angerichtet werden - wer zahlt denn deren Reparatur? Doch entweder die Versicherung des betroffenen Geschäftes (falls vorhanden), aber noch viel öfter wir.. die Bürger!
    Die Verursacher haben scheinbar keine Ahnung, was es bedeutet für Geld und Güter arbeiten gehen zu müssen.

  • Asozialarbeiter
    geschrieben von Xela77 (142 Beiträge) am

    „Wenn eine Streife aus sechs bis acht Polizisten besteht, dann sieht das schon beängstigend aus.“ (Sozial'arbeiter' Günther)

    Mir scheint, Herr Günther ist eher Teil des Problems als der Lösung, wenn ich Aussagen dieser Art lese. Hier werden (eingewanderte) Täter zu Opfern gemacht. Diese 'Jugendlichen' verstehen nur eine Sprache: die der Gewalt. Schlagstock, Elektroschocker, Gummigeschosse und Tränengas sollten zu ganz normalen Einsatzmitteln werden, wenn wir nicht Verhältnisse wie in Frankreich bekommen wollen.



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