Prozess

Jugendlicher fährt auf Polizist los, der dann schießt

Von Matthias Gerhart
Symbolbild
David Ebener/Archiv/FNP

Vielleicht hätte der junge Mann einfach ein wenig leiser und unauffälliger sein müssen, als er um kurz nach ein Uhr noch Freunde mit dem Auto an die S-Bahn-Station in Bad Soden brachte. So aber ließ man seiner (alkoholbedingt) guten und aufgekratzten Stimmung freien Lauf. Was natürlich auch einer zufällig in der Nähe stehenden Polizeistreife auffallen musste.

Kurzerhand entschlossen sich die Beamten zu einer Kontrolle. Doch als der Fahrer nach seinen Papieren gefragt wurde, gab der plötzlich Vollgas, kam aus dem Stand auf mindestens 38 Stundenkilometer und fuhr mit diesem Tempo direkt auf einen wenige Meter weiter stehenden Polizisten los.

Dieser rettete sich mit dem in Protokollen und Vernehmungen oft zitierten „Sprung zur Seite“.

Die Schrecksekunde war für den Beamten jedoch rasch vorbei. Er zog die Dienstwaffe aus dem Halfter und schoss in Richtung der Reifen des flüchtenden Fahrzeugs, traf jedoch nur die Radkappe.

Der jugendliche Fahrer gab nun mächtig Gas, beschleunigte auf bis zu 100 Stundenkilometern, durchfuhr Einbahnstraßen und rammte ein geparktes Fahrzeug. Hinter ihm folgte das Polizeifahrzeug. In der Nähe der Bahnstation Sulzbach-Nord war zunächst einmal die Fahrt zu Ende. Der Übeltäter flüchtete noch ein Stück zu Fuß, konnte jedoch von den Beamten eingeholt werden.

Gestern bemühte sich der Mann vor dem Frankfurter Jugendgericht mit Erfolg, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Zwischen 0,6 und 1,0 Promille hatte man bei ihm bei der Alkoholmessung festgestellt, dazu kam noch Cannabis.

Höhere Strafe gefordert

Für den Staatsanwalt war dies alles ein bisschen viel. Er beantragte eine Jugendstrafe von sechs Monaten zuzüglich der üblichen Bewährungsauflagen und eine langjährige Führerscheinsperre. Besonders die Gefährdung des Polizisten sowie die mögliche Gefahr für zufällig des Weges kommende Passanten stießen dem Anklagevertreter sauer auf.

Führerschein gesperrrt

Doch die Jugendrichterin am Frankfurter Amtsgericht bestand auf einer milden Linie. Es gab lediglich eine Verwarnung und eine Geldauflage von 500 Euro. 50 Arbeitsstunden und acht Monate Führerscheinsperre flossen ebenfalls mit ins Urteil ein.

Berufung wird es von Seiten der Staatsanwaltschaft wohl nicht geben, denn bis zu einem möglichen zweiten Prozess vergehen wiederum mehrere Monate. Die würden am Ende dem Angeklagten wohl zugute gerechnet werden.

Matthias Gerhart