09.11.2017 03:30 | Christine Sieberhagen

In Wohnung gefunden: Polizei stellt neun Welpen aus illegalem Handel sicher

Neuenhain Die Polizei ist illegalen Welpenhändlern auf die Spur gekommen. Neun Jungtiere fanden die Fahnderin der Wohnung eines 37-Jährigen. Die Welpen waren in schlechtem Zustand. Sie wurden in ein Tierheim gebracht. Der Beschuldigte wurde laufen gelassen.

Die Betrüger setzen auf den Niedlichkeitsfaktor: Diese Malteser-Welpen wurden bei einem früheren Fall in Bad Soden sichergestellt.
Die Betrüger setzen auf den Niedlichkeitsfaktor: Diese Malteser-Welpen wurden bei einem früheren Fall in Bad Soden sichergestellt.

Weißes Wuschelfell und ein herzerweichender Blick aus schwarzen Kulleraugen: Welcher Hundefreund wird beim Anblick der putzigen Malteser-Welpen nicht schwach? Genau dies ist die Masche, mit der skrupellose Händler ahnungslose Tierfreunde betrügen – unendliches Tierleid inbegriffen. Was sich meist an den Grenzen zu Osteuropa abspielt, ist nun im Main-Taunus-Kreis angekommen: Im Rahmen eines umfangreichen Ermittlungsverfahrens wegen Betrugs und Verstößen gegen das Tierschutzgesetz hat die Kriminalpolizei im Main-Taunus-Kreis, gemeinsam mit der Leiterin des Veterinäramts und einer Tiergesundheitsaufseherin, am 26. Oktober insgesamt neun Welpen sichergestellt.

„Nach dem Erlass eines Durchsuchungsbeschlusses des Amtsgerichts Frankfurt wurde die Maßnahme in der Wohnung des 37-jährigen Beschuldigten durchgeführt“, schildert Polizeisprecher Johannes Neumann.

Schlechter Zustand

Im Garten des Hauses an der Hauptstraße fanden die Fahnder schließlich sieben Chihuahua-Welpen und zwei kleine Malteser. Die wenige Wochen jungen Tiere waren in schlechtem Gesundheitszustand. „Der bezieht sich häufig nicht allein auf den physischen, sondern auch auf den psychischen und sozialen Zustand der Tiere“, weiß die Bad Sodener Tierärztin Dr. Ariane Volpert. „Die Welpen werden viel zu früh von ihrer Mutter getrennt, in dunkle Kisten gepfercht und tagelang ohne richtige Nahrung oder Wasser durch halb Europa transportiert“, fasst sie den Leidensweg der Welpen kurz zusammen.

Slowakische Tierpässe

Bereits seit Längerem ermittelt die Polizei gegen den Beschuldigten: Deshalb besteht gegen ihn sowie einen weiteren Mittäter im Alter von 47 Jahren der Verdacht, dass sie die Hunde illegal eingeführt haben, um sie hier weiterzuverkaufen. Bei der Durchsuchung der Wohnung wurden neben den Hunden auch neun slowakische Tierpässe aufgefunden, die ebenfalls sichergestellt wurden. Beide Beschuldigte machten zu den Vorwürfen keine Angaben. Sie wurden nach dem Einsatz auf freien Fuß gesetzt.

Die neun Welpen hatten Glück: Sie wurden in ein Tierheim gebracht und dort inzwischen tierärztlich versorgt. „Die Kleinen sind mittlerweile alle wieder wohlauf“, berichtet Polizeisprecher Johannes Neumann. Nicht jedes Tier aus illegalem Handel indes überlebt die Strapazen: „Diese Welpen werden oft nicht oder unzureichend ernährt, die nötigen Impfungen fehlen. Sie leiden häufig an Magen-Darm-Erkrankungen mit blutigem Durchfall, der tödlich sein kann.“

Auch später leiden diese Hunde unter den Folgen der qualvollen Zucht: „Die Bedingungen, unter denen die Tiere gehalten werden, sind oft unbeschreiblich. Häufig sind es dunkle, fensterlose und verdreckte Verliese, in denen Keime leichtes Spiel haben“, sagt die Veterinärin. Hinzu kommt, dass die Kleinen viel zu früh von der Mutter getrennt werden. Transport, Ortswechsel und fehlende Bezugspersonen richten irreparable Schäden an. „Das Leben dieser Tiere ist bis zum Lebensende die Hölle“, warnt die Tierärztin, die selber bereits solche Hunde behandelt hat: „Es ist sehr schwierig für uns Tierärzte, den Nachweis zu erbringen, dass sie aus illegaler Haltung stammen. Deshalb kann ich nur eindringlich davor warnen, einen Billigwelpen zu kaufen.“

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