11.11.2017 03:30 | Manfred Becht

Abriss oder Sanierung?: Rathaus in Vockenhausen: Die Zeichen stehen auf Neubau

Vockenhausen Es ist marode und architektonisch auch nicht gerade ein Juwel. Seit langem wird darüber diskutiert, ein neues Rathaus zu bauen. Ein jetzt vorgelegtes Gutachten liefert eine Entscheidungshilfe.

Auch von außen schon kein Schmuckstück: Das Rathaus I an der Hauptstraße könnte abgerissen und neu gebaut werden.
Auch von außen schon kein Schmuckstück: Das Rathaus I an der Hauptstraße könnte abgerissen und neu gebaut werden. Bild: Knapp

Ob noch in der laufenden Wahlperiode gebaut werden kann, in diesem Punkt möchte sich Bürgermeister Alexander Simon nicht festlegen. Gewählt wird erst 2021 wieder, aber bis alles diskutiert und entschieden ist, schließlich vorbereitet und geplant wird, das kann schon eine Weile dauern. Und man baut ja auch nicht alle Tage ein neues Rathaus. Fest steht für den Verwaltungschef aber: „Wir nehmen jetzt Fahrt auf.“

Noch in diesem Monat werden die politischen Gremien über das Thema diskutieren – und die wollen vor allem handfeste Fakten als Entscheidungsgrundlage. Damit kann Simon neuerdings dienen. Aus einem jetzt vorgelegten Gutachten geht hervor, dass die Stadt 1,8 Millionen Euro für eine Sanierung des Rathauses in Vockenhausen ausgeben müsste. Um die Büros aus dem Rathaus II von der Rossertstraße nach Vockenhausen zu verlegen, wäre eine Erweiterung notwendig. Diese würde zusätzlich 2,15 Millionen Euro kosten.

Grundstück gesucht

Zusammen sind das 3,95 Millionen Euro. Der Bau eines neuen Rathauses in Vockenhausen aber wäre kaum teurer, würde 4,1 Millionen Euro kosten. Dass man sich für einen so geringen Aufpreis für den Neubau entscheidet, liegt auf der Hand, zumal das bestehende Rathaus städtebaulich kein Glanzstück ist. Dazu kommt, dass bei der Sanierung eines Altbaus fast immer irgendwelche Kosten dazukommen, die nicht vorhersehbar waren.

So stellen sich die Planer einen ersten Entwurf für das neue Eppsteiner Rathaus in der Ortsmitte Vockenhausen vor. Entwurf: Stadt
So stellen sich die Planer einen ersten Entwurf für das neue Eppsteiner Rathaus in der Ortsmitte Vockenhausen vor. Entwurf: Stadt

Eine Sanierung des Altbaus ohne Erweiterung – bei Beibehaltung des Rathauses II – ist offensichtlich keine Option, zu viele Reibungsverluste bringt die Aufteilung der Verwaltung in zwei Gebäude. Ein anderer Standort für ein Rathaus ist dagegen schon eine Option, wenn sich nämlich ein geeignetes Grundstück fände. Ein solches wäre am Herrngarten zwar vorhanden, aber die Eigentümer sind nicht verkaufsbereit. Sollte sich das ändern, kommt auch dieser Standort wieder ins Gespräch.

Angesichts einer langen Liste von Mängeln, die das Rathaus aufweist, scheinen Sanierungskosten von 1,8 Millionen Euro eher noch niedrig kalkuliert. Letztlich ist die gesamte Haustechnik einschließlich der Heizung überaltert und muss ausgetauscht werden. Tragende Bauteile haben Rost angesetzt, oft weil die Betonabdeckung fehlt.

Fußböden kaputt

Es gibt Feuchtigkeitsschäden an vielen Gebäudeteilen, die Wärmedämmung reicht nicht aus, die meisten Fenster müssten ausgetauscht werden, die Brandschutzvorkehrungen sind ebenso unzureichend wie die sanitären Anlagen, die Fußböden sind kaputt, die Küchenbereiche zu klein, es fehlt ein Aufzug und überhaupt ist das ganze Haus nicht barrierefrei. Komplett ist diese Aufzählung nicht.

Nach den Vorstellungen der Gutachter könnte ein Rathausneubau auf dem Parkplatz vor dem heutigen Rathaus entstehen. Das hätte den Vorteil, dass es keine Zwischenlösung geben muss, sondern dass der Altbau stehen bleiben kann, bis das neue Haus bezugsfertig ist. Davor, in Richtung der Straße Am Bündelberg, wäre noch Platz genug für Parkplätze. Wegen eines unterirdischen Regenrückhaltebeckens darf dort ohnehin nicht gebaut werden. Außerdem bestehen die Vereine darauf, dass ein Platz für die Kerb und andere Veranstaltungen frei bleibt.

Ist der Altbau abgerissen, ist dort Platz für neue Projekte. Barrierefreier Wohnraum und Einzelhandelsflächen könnten dort beispielsweise entstehen. Insgesamt soll es in der Ortsmitte auch Vereinsräume geben. Geht es nach dem Magistrat, bekommt er von der Stadtverordnetenversammlung den Auftrag, eine Machbarkeitsstudie ausarbeiten zu lassen. Von deren Ergebnissen hängt das weitere Verfahren ab.

„Wir wollen ein klassisches Rathaus bauen“, betont Bürgermeister Simon. Ein Gebäudekomplex mit verschiedenen anderen Nutzungen, in dem sich die Stadt mit dem Rathaus einmietet, ist für den Bürgermeister keine Option. Auch ein für sich alleine stehenden Rathaus solle, wenn es nach ihm geht, die Stadt selbst bauen. Der Verkauf der Flächen, auf dem das Rathaus derzeit steht, könnte einen Beitrag zur Finanzierung leisten. Das ist übrigens auch ein Argument gegen die Sanierung und Erweiterung des bestehenden Gebäudes – dies könnte nicht aufgestockt, sondern nur in die Breite erweitert werden. Dann aber bleibt nicht mehr viel übrig, das noch verkauft werden könnte.

Man kann gespannt sein, wie die Politik das Thema diskutiert. Nach den großen Investitionen in den Bahnhofsbereich sind Stimmen laut geworden, nach denen sich Eppstein ähnliche Kraftanstrengungen so schnell nicht noch einmal leisten kann. Ein wenig hat sich die finanzielle Lage der Stadt ja entspannt.

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