09.11.2017 03:30 | Juliane Schneider

Prozess: Weitere Zeugen sagen zum Unfalltod von Silke Thielsch aus

Frankfurt / Kriftel Nachdem gestern vor dem Landgericht noch weitere Zeugen zum tragischen Unfalltod der Kriftelerin Silke Thielsch befragt wurde, kommt heute der Sachverständige zu Wort.

Nach dem Tod von Silke Thielsch legten Freunde und Angehörige Fotos, Kerzen und Blumen an die Unfallstelle in der Kapellenstraße in Kriftel.
Nach dem Tod von Silke Thielsch legten Freunde und Angehörige Fotos, Kerzen und Blumen an die Unfallstelle in der Kapellenstraße in Kriftel. Bild: Knapp

Im Prozess um den schlimmen Unfalltod der Kriftelerin Silke Thielsch sind gestern weitere Zeugen vernommen worden. „Sie sollen mir nur sagen, was Sie selbst gesehen haben, nicht was Sie von anderen gehört oder in der Presse gelesen haben“, macht der Richter jedem eindringlich deutlich. Student Julius (22) hatte in der Septembernacht vor zwei Jahren mit Freunden vor der Konrad-Adenauer-Schule gestanden. Eigentlich habe man zum Hoffest gehen wollen. „Aber das Gelände war zu voll, der Sicherheitsdienst hat mich nicht mehr reingelassen“, erzählt er. Auf das tragische Geschehen im Kreisel, etwa 40 Meter entfernt, sei er durch Schreie aufmerksam geworden.

Schemenhaft habe er eine Person auf dem Auto gesehen, dann Scheinwerfer, die sich gehoben und gesenkt hatten, später habe er leise Schleifgeräusche vernommen. Seinem Freund, der eine schaukelnde Bewegung der rechten Heckklappe gesehen haben will, war auf dem Nachhauseweg eine Schleifspur „schimmernder Flöckchen“ auf der Fahrbahn ins Auge gefallen. Am Ende des Kreisels habe der Mercedes beschleunigt, die Reifen seien dabei leicht durchgedreht. Der Sachverständige, der heute sein Gutachten vortragen wird, hakt nach: Kennen Sie das Geräusch, wenn Reifen durchdrehen? „Ja, aus dem Fernsehen.“ Er solle es genauer beschreiben. Eine Art „Schleifquietschen“ sei das gewesen.

Auf der Motorhaube

„Jetzt kommt alles wieder hoch“, sagt Zeugin Nummer Drei auf die Nachfragen vom Vorsitzenden Richter, der das erste Fragerecht hat, vor seinen Beisitzern, den beiden Schöffen, Staatsanwaltschaft und Nebenklage. Dann erst sind Verteidiger und Sachverständige an der Reihe. Der 49-jährigen Zeugin und Festbesucherin aus Reichelsheim hat sich vor allem das Bild der Frau auf der Motorhaube eingebrannt, ihr Angstschrei und später die verzweifelte Suche nach ihr. „Wir haben geweint.“ Auch das kurze Hoppeln des Wagens auf der Fahrt durch den Kreisel erinnert sie noch, nachdem die Frau urplötzlich vom Auto verschwunden war. Er habe vor vielen Jahren mal ein größeres Tier überfahren, versucht ihr Mann das Geräusch zu umschreiben. „So war das, nur viel schwächer.“

Vergleiche, die schwer zu ertragen sind, aber unabdingbar für das Gutachten und die Beurteilung, wie viel der angeklagte Fahrer hatte mitbekommen können. „Ich habe Stopp, Stopp geschrien“, erzählt der 68-jährige Zeuge weiter. Dann sei er dem Auto hinterhergelaufen, habe ihn nach 400 Metern entdeckt. „Sie sind ein Mörder“, habe er dem jungen Mann gesagt, der mit gesenktem Blick und sichtlich geschockt still neben seinem Auto gestanden habe, unter dem – auch das hat er kurz gesehen – die überfahrene Kriftelerin feststeckte.

Erst später erfahren

Der fünfte Zeuge an diesem Tag, ein 25-jähriger Manager im Einzelhandel, hat eine ihm merkwürdig erscheinende Situation erblickt, mit dem wohl das schreckliche Geschehen seinen Anfang nahm: Auf dem Zebrastreifen vor dem Kreisel hatten eine Frau und ein Mann gestanden, erinnert er sich. „Die Frau mehr zur Straße hin.“ Einen Meter davor habe ein silbernes Auto gewartet. Was er sich dabei gedacht habe?, fragt ihn der Richter. „Die Situation hat in dem Moment keinen Sinn gemacht“, sagt der 25-Jährige. Er sei dann zu seinem Wagen gegangen. Von der Tragödie habe er erst später erfahren und sich – wie die anderen Zeugen – nach dem allgemeinen Aufruf bei der Polizei gemeldet.

Nicht alle Aussagen sind gut zu verwerten, entweder zu belanglos oder sogar falsch erinnert. Dass Zeugenaussagen gerade bei Unfällen störungsanfällig sind, sei bekannt, sagt der Richter. Dennoch spielen auch kleine Beobachtungen fürs Gesamtbild eine Rolle. Auch der Sachverständige hat aufmerksam zugehört und sich immer wieder Notizen gemacht. Er wird heute zu Wort kommen, genau wie die Gerichtsmedizinerin. Dann wird es eine längere Verhandlungspause geben. Die Verteidiger haben Schwierigkeiten, noch freie Termine zu finden.

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