09.11.2017 03:30 | Frank Weiner

Ausstellung: Zinnfiguren und Postkarten: Privatsammler zeigen Schmuckstücke im Museum

Kelkheim Wie kommt jemand auf die Idee, eine komplette Armee en miniature zusammenzutragen oder 1800 alte Postkarten zu sammeln? Marianne Baumann und Hans Grimm haben dies getan und verraten, wie ihre ungewöhnlichen Sammlungen zustande gekommen sind.

Komplette Regimenter im Miniaturformat hat Hans Grimm im Lauf der Jahrzehnte zusammengetragen. Bilder >
Komplette Regimenter im Miniaturformat hat Hans Grimm im Lauf der Jahrzehnte zusammengetragen. Bild: Knapp

„Kuriositäten und Kostbarkeiten aus Kelkheimer Privatsammlungen“: Unter diesem Titel zeigen sieben Leihgeber derzeit ihre Schätze im Museum. Von den Fossilienfunden des Klaus Dieter Weiß bis zur Holzkunst von Peter Enders, von Peter Rosenthals Spieldosen über Evi Scheibers Puppenstuben bis zur fernöstlichen Sammlung von Jutta Schulze-Eckardt reicht die Bandbreite. Komplettiert wird das von Marianne Baumann und Hans Grimm. Um einen Eindruck von ihren Leidenschaften zu bekommen, hat das Kreisblatt die Postkartensammlerin und den Besitzer Tausender Zinnfiguren in ihren eigenen, kleinen „Museen“ besucht.

Erste Station: Marianne Baumann in Münster. Sie habe „schon immer Bilder geliebt“, sagt die 76-Jährige. Eigentlich mag sie ja nicht so gern in der Öffentlichkeit stehen. Doch nach und nach bringt Marianne Baumann immer mehr Schönheiten zum Vorschein. Ihre Karten aus Kelkheim, Münster und Hornau stellt sie im Museum aus, doch zu Hause lagern noch genug Raritäten. Zum Beispiel Grußkarten von Kirchweihfesten der Region, vom Hochheimer Markt oder ein buntes Exemplar von 1898 aus Frankfurt mit der Aufschrift „Die elektrische Bahn kommt“. Aus den „Bergdörfern“ Ruppertshain und Eppenhain hat sie viele Karten gesammelt – sie zeigen die Ärzte der ehemaligen Heilstätte, arbeitende Zwerge mit der Unterschrift „Gruß aus der Lungenschmiede“ oder das früher mal existierende Schwimmbad in Eppenhain. Ihre ältesten Karten von 1896 stammen eben aus Ruppertshain und aus Münster.

Szenenwechsel – wir bleiben aber in Münster. Hier hat Hans Grimm seine Zinnfiguren in zwei großen Museumsvitrinen ausgestellt. Beeindruckend, wie hinter Glas Hunderte Soldaten der kaiserlichen Armee um 1875 oder der Reichswehr zwischen 1920 und 1933 in Reih und Glied drapiert sind. Tausende Figuren habe er wohl, sagt der 81-Jährige. Ausgestellt hat er Paradeformationen, die kämpfenden Truppen lagern in Schachteln. Dass er zumindest Freunden und Bekannten seine Schätze mit Liebhaberwert zeigen kann, liege an seiner Frau Christa. Sie habe ihm das vorgeschlagen. Begonnen hat seine Leidenschaft schon in Zeiten des Zweiten Weltkriegs, die stark von Uniformen bestimmt wurde (Hornauer Soldaten auf Urlaub, Flaksoldaten in Münster) und es für die Buben Militärspielzeug gab.

Feldpostbriefe

Auch Marianne Baumann hat Erinnerungen an die eigene Kindheit und Heimat gesammelt. Unter anderem unzählige Postkarten aus dem Sudetenland, von wo sie 1946 nach Kelkheim flüchtete. Feldpostbriefe, Lebensmittelkarten, Bilder aus der Kaiserzeit, aber auch von Adolf Hitler füllen einen ganzen Ordner. „Das ist Geschichte, es gehört dazu“, sagt Marianne Baumann, die außerdem allerlei Kuriositäten gesammelt hat: Zum Beispiel sind manche Adressen eher umschrieben, da steht dann „An dem Haus, wo die Laterne brennt“ oder „Drei Stockwerk hoch im Keller“. Bis 1905 blieb die Rückseite einer Postkarte stets der Anschrift vorbehalten, die Grüße wurden vorne verewigt. Fast schon kunstvoll wirken dagegen die vielen Poesiealben, die Marianne Baumann ebenfalls sammelt – zum Teil aufwendig beklebt, zum Teil durch Papier gestickt. Auch ein Album über 60 Jahre Schuljahrgänge in Münster, eines über den „Handel und Wandel“ im Ort, der teilweise zwölf Lebensmittelläden ausweist, und eine Mappe über die Veränderungen in Kelkheim hat die gelernte Einzelhandelskauffrau angefertigt. Woher sie allein die über 1800 Ansichtskarten bekommen hat? Meist von Postkartenbörsen in der Region, sie ist dafür schon nach Stuttgart, Köln oder München gefahren. Ihre Sammlung ist für Stadtarchivar Dietrich Kleipa von hohem Wert, mit dem sie gerne zusammenarbeitet.

Flachkörper-Männchen

Geschichte gesammelt und erforscht – das hat auch der gebürtige Hornauer Hans Grimm mit seiner Sammlung. So sind einige Zinnfiguren eng mit der Familienhistorie verbunden. Sein Großvater Adam Löw hat im „Husarenregiment König Humbert von Italien“ zur Zeit des Kaiserreiches gedient und war von 1884 bis 1887 als Rekrut in Bockenheim stationiert. Dem Enkel wurde davon viel erzählt, und er stellt eben jene Soldatenfiguren jetzt im Museum gemeinsam mit fünf größeren Husaren aus. Nicht weniger beeindruckend wirken die kleinen Flachkörper-Männchen in der heimischen Vitrine – zwar in Normgrößen, aber mit schicken Details wie bunten Flaggen, Musikinstrumenten, einer Paradetribüne oder Gulaschkanone. Gegenüber stehen Regimente aus Vollkörpern mit einer speziellen Geschichte: Bei einem Urlaub in den USA hat Grimm, der bei einem Wirtschaftsprüfer lernte, später in der Werbewirtschaft und beim Fernsehen Karriere machte, diese zufällig in einer „Soldier-Factory“ entdeckt und dort gerne deutsche Erinnerungen an die Kaiserliche Armee eingekauft.

( wein)

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