09.11.2017 03:30 |

Essen in Rüsselsheim: Eine Diavolo bei 380 Grad: Pizza-Profi über die Schulter geschaut

Rüsselsheim Um Pizzen auszuliefern, braucht es nur einen Führerschein. Um Pizzen zu backen, jede Menge Können. Das Echo hat einem Pizza-Profi über die Schulter geschaut.

Ali in seinem Element: Der 21-Jährige ist Pizzabäcker, hilft aber auch beim Ausliefern aus. Bilder >
Ali in seinem Element: Der 21-Jährige ist Pizzabäcker, hilft aber auch beim Ausliefern aus.

Dunkelheit. Ali kneift die Augen zusammen und verlangsamt den Wagen. Im Vorbeifahren sucht er die Gebäude nach Hausnummern ab. „33, hier ist es.“ Er parkt den Opel und holt eine Thermobox aus dem Kofferraum. Der Kunde im Haßlocher Norden wartet schon hungrig am Gartentor.

Ali öffnet die Box, Dampf tänzelt im Schein der Straßenlaterne empor. Der Geruch lässt keine Fragen offen: Pizza! Eine Salami und eine Diavolo (mit Peperoniwurst, Zwiebeln, Paprika und Peperoni) wurden bestellt. „Das macht 14,50 Euro, bitte“, sagt Ali. Er spricht fast akzentfrei Deutsch, obwohl er erst seit sieben Jahren hier ist.

Das Geld wandert in das Kellner-Portemonnaie mit den vielen Fächern, die Pizzen gehen an den Kunden. Kofferraum zugeklappt und ab zurück in Richtung Pizzeria. „Eigentlich bin ich Pizzabäcker. Aber heute muss ich als Fahrer aushelfen“, sagt der Pizza-Profi. Er ist ausgebildete Fachkraft für Umzugsservice. Aber das reichte ihm nicht. So kam er über einen Bekannten zur Pizzeria „I love Pizza“, direkt am Opel-Werkstor 20 gelegen. Das Kochen macht ihm mehr Spaß, erzählt er auf der Grabenstraße.

Der 21-Jährige rast nicht wie manch andere Lieferfahrer. Die Tachonadel klebt an der 50er-Marke. An einer Ampel, die auf Orange gesprungen ist, hält er an. Und: „Das Navi brauche ich nur außerhalb von Rüsselsheim.“ In der Pizzeria angekommen, wartet direkt Arbeit: Opel-Mitarbeiter haben bestellt. Sechs Pizzen sollen in ein paar Minuten an ein anderes Werkstor geliefert werden.

Zuerst wird der selbst gemachte Teig mit einer Maschine platt gedrückt. Dann kommt er in eine pfannenähnliche Form. Tomatensoße drauf („Das Geheimnis sind die Kräuter!“), echter Mozzarella und – wichtig! – erst dann der Belag. Die Opelaner mögen es abwechslungsreich: Sechs verschiedene Pizzen bereitet Ali zu. Die kommen bei 380 Grad in den Ofen. Nach fünf Minuten sind die kreisrunden Leckereien fertig. Die Lieferung übernimmt ein Kollege, denn Ali wird gebraucht: Die nächste Bestellung kommt rein – klassisch, per Telefon.

„Bei uns kann man inzwischen aber auch per App und per WhatsApp bestellen“, erklärt Ali und zeigt das eigens dafür angeschaffte Smartphone. Das Prinzip ist einfach: Ein Kunde schickt seinen Wunsch per Klick ab, der Auftrag landet mit einem lauten Piep auf dem Handy. Ali muss lediglich antworten, wann das Essen da ist. Und dann kann es losgehen.

Drei weitere Leute arbeiten heute mit in der Pizzeria. Ein Nudel-Koch aus Kalabrien, ein weiterer Fahrer – ein Flüchtling, der in seiner Heimat ein Physikstudium abgeschlossen hat – und Alis Chef, der den Ofen im Auge behält, wenn Ali unterwegs ist. Und das ist in 20 Minuten wieder der Fall, denn das Telefon klingelt erneut.

Schnell schiebt Ali die nächsten Pizzen in den Ofen. Er sagt: „Wir machen kein Ei in den Teig, weil auch Veganer bestellen.“ Für Moslems, die halal – also nach islamischem Glauben erlaubt – essen, wird mit einem eigenen Messer geschnitten. Während Ali erzählt, wirft er immer wieder einen prüfenden Blick in den Ofen, damit ja nichts anbrennt. Dann: Ein zufriedenes Nicken des Pizza-Profis – fertig! Ali zieht seine Jacke an, gleich geht es wieder raus in die Dunkelheit.

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