Bibelwochenende

Jesus wurde im Schwarzbach getauft

Von RAINER BEUTEL
Die Taufe Jesu wird von Flynn Stratmann und Till Becker nachgespielt.
RBEUTEL PRM/FNP

Johannes, der Täufer und Jesus haben es am Jordan vorgemacht. Die Jungen Flynn und Till stellten die bedeutungsvolle Taufe Jesu szenisch nach. Und fast 40 Kinder folgten ihnen in den Schwarzbach.

„Warten wir mal ab“, sagte Pfarrerin Stefanie Bischof etwa 20 Minuten vor der Zeremonie. Sie konnte nicht voraussehen, wie die Mädchen und Jungen reagieren würden, die von Freitag bis Sonntag bei der evangelischen Kirchengemeinde ein Bibelwochenende verbrachten.

Viel Ausstrahlungskraft

Würden sie in den Schwarzbach gehen? Versprüht die nachgestellte Szene von Jesu Taufe so viel Energie und Ausstrahlungskraft, dass alltägliche Hemmungen keine Rolle mehr spielen? Tatsächlich zeigte sich selbst im 21. Jahrhundert, dass Kinder unkompliziert sind und sich nicht um erwachsene Regeln scheren, wenn es etwa heißt „Das macht man nicht“ oder „Geh’ da nicht hin, da ist es schmutzig“. Jedenfalls dann nicht, wenn es ein besonderes Vorbild gibt.

Johannes und Jesus sind Vorbilder. Am Samstag waren es Flynn Stratmann und Till Becker, die die Szene imitierten. Wobei Till seinen Kopf nicht wirklich in den Bach hielt und, wie es die Bibel für den Jordan überliefert, tief untertaucht, um ein neues Lebens zu beginnen und das Alte abzuwaschen. Ein bisschen aber wurde er von Flynn mit Flusswasser beträufelt.

Zelte zum Übernachten

Wenig später schritten fast alle Teilnehmer am Bibelwochenende barfuß und mit hochgekrempelten Hosen ins etwa 15 Zentimeter tiefe Wasser. Pfarrerin Bischof hatte an die Kleinen selbst gebastelte Schwamm-Boote verteilt, die sie mit ihrem Namen beschriftet hatten. Mit den Booten spielten die Kinder ungezwungen im Schwarzbach.

Die christlichen Pfadfinder hatten für die Kinder auf dem Pfarrgelände Zelte zum Übernachten aufgebaut, zwei weitere Zelte lieh die Jugendfeuerwehr aus. Von der Pfarrerin und Müttern, die beim Bibelwochenende mitwirkten, erfuhr der Nachwuchs, was für die Taufe wichtig ist, was Jesu Taufe bedeutet und warum es für sie diesen oder jenen Taufspruch gibt. Viel Zeit wurde spielerisch Zeit verbracht, etwa beim Basteln der kleinen Boote oder beim Stockschnitzen fürs Lagerfeuer.

Am Sonntag lud die Kirchengemeinde zum Gottesdienst mit Tauferinnerung ein. Eltern waren gebeten worden, die Kerzen ihrer Taufe mitzubringen. Zu sehen gab es das neue Tauftuch, in das künftig Kinder bei der Taufe gebettet werden, während es von Erwachsenen gehalten wird.

„Sie werden geborgen und geschützt“, erklärte Bischof die Symbolik. Genäht wurde das Tauftuch von Julia Paillet, die mit Marei Stratmann und Carolin Walter als Betreuerin beim Bibelwochenende mitwirkte.

Federn in die Luft

Wie schnell die Wirklichkeit Kinder einholt, war während der gespielten Taufszene zu erleben. Als Flynn alias Johannes, der Täufer, zur Überraschung der meisten Federn in die Luft schmiss, um die Taube als Gleichnis des heiligen Geistes darzustellen, rief ein Kind: „Das ist Umweltverschmutzung.“ Die andere reagierten aber nicht darauf. Vielmehr ließen sie sich von der Symbolik anstecken.

RAINER BEUTEL