Betreuung

Magistrat will Arbeitsbedingungen für Erzieherinnen verbessern

Von Angelika Ohliger
Damit die Seifenblasen nicht platzen: Der Magistrat nimmt die Forderungen – am Donnerstagabend den Stadtverordneten vorgetragen – der Erzieherinnen ernst.
FNP

Es geht nicht nur ums Geld. „Wir wollen den Erzieherinnen einen ganzen Strauß binden“, sagt Bürgermeister Dennis Grieser (Grüne), als zuständiger Dezernent verantwortlich für die Kitas. In einer siebenseitigen Vorlage des Magistrats gehört dazu aber auch das Geld. Demnach sollen die Erzieherinnen künftig in die Entgeltgruppe S 10 des öffentlichen Dienstes statt bisher in S 8 b eingruppiert werden.

Das seien bei einer Erzieherin im mittleren Alter zwar nur 24 Euro im Monat, doch die Anerkennung und Wertschätzung wiege höher als die tatsächliche finanzielle Verbesserung, glaubt Petra Neumüller, Grundsatzreferentin in Griesers Dezernat.

Sollte die Höhergruppierung aus tarifrechtlichen Gründen nicht möglich sein, sieht die Vorlage eine monatlich Zulage von 100 Euro pro Monat vor, die allerdings widerrufbar wäre. „Wir greifen da ein, wo die Tarifparteien versagen“, sagt der Bürgermeister.

Weil eben für die Attraktivität des Berufsstands nach Ansicht Griesers Geld nicht die einzige Rolle spielt, weist er auf weitere geplante Veränderungen hin. Zum Schutz der Gesundheit werden Zug um Zug in den Kitas Möbel angeschafft, die den Erwachsenen zugute kommen. Dann müssen die Erzieherinnen nicht mehr auf kleinen Stühlchen sitzen, sondern die Kinder bekommen entsprechende Hochstühle.

244 städtische Stellen für Erzieherinnen gibt es derzeit in Rüsselsheim, 13,5 sind im Moment nicht besetzt. Grieser rechnet fest damit, dass diese Zahl im Verlauf des Kindergartenjahres deutlich steigen wird. Außerdem wird zusätzliches Personal für neue Einrichtungen wie die künftige Krippe „Am Weinfass“ benötigt.

Job-Ticket möglich

Um das Einzugsgebiet zu vergrößern, wird an die Wiedereinführung des Job-Tickets gedacht. Rüsselsheim sei von Mainz aus zum Beispiel gut erreichbar, doch eine der ersten Fragen im Bewerbergespräch sei häufig die, wer den Weg zur Arbeit bezahlt, berichtet Neumüller. Außerdem soll die Werbung für die Stadt Rüsselsheim als Arbeitgeber verstärkt werden, und Erzieherinnen, die eine Kollegin werben, sollen mit einer Prämie belohnt werden.

Manche Regelungen, die Rüsselsheim bereits umgesetzt hat, seien zudem noch nicht hinreichend bekannt, berichtet Neumüller. Dazu gehört die Tatsache, dass in Rüsselsheim Erzieherinnen gleichberechtigt eingruppiert werden, die von freien oder kirchlichen Trägern in eine städtische Einrichtung wechseln.

Kleinere Gruppen

Die Kosten für die Veränderungen sind berechnet worden: Die Gewährung einer Zulage kostet laut Vorlage rund 390 000 Euro im Jahr, die neue Möblierung rund 250 000 Euro, die auf vier Jahre verteilt werden sollen. Für die Personalwerbung sind 30 000 Euro einkalkuliert, für die Anwerbeprämie 25 000 Euro. Andere Vorschläge sind kostenneutral umzusetzen wie die Aufstockung der Stellen für Integrationskräfte, die von anderen Kostenträgern bezahlt würden, und die Aufstockung der Stellen, mit denen es möglich ist, Personal unbefristet zu ersetzen, das länger wegen Krankheit oder Elternzeit ausfällt.

Auf die zusätzlichen Kosten angesprochen antwortet Grieser, in der Vergangenheit sei viel im Haushalt eingeplantes Geld nicht ausgegeben worden, weil die Stellen für Erzieherinnen nicht besetzt waren. 2016 seien das zum Beispiel 780 000 Euro gewesen.

Zu den Veränderungen gehört ein weiterer wesentlicher Punkt: eine neue Satzung für die städtischen Kitas. Die bisher geltende stamme aus einer Zeit, in der die Stadt gerade einmal sechs U-3-Betreuungsplätze anzubieten hatte, sagt Grieser.

In der neuen Satzung, die auch mit Vertretern von Eltern und Fraktionen entwickelt worden sei, wird unter anderem die Reduzierung der Gruppengröße von 25 auf 20 Kinder festgeschrieben. Auch die Personalbemessung wird neu geordnet. So sollen auch die Arbeit der Vor- und Nachbereitung berücksichtigt und acht neue Stellen geschaffen werden.

„Die Vorlage ist super“, stellt Corinna Arndt, Vorsitzende des Kita-Stadtelternbeirats, fest. „Anders bekommen wir kein Fachpersonal.“

Grieser gibt die Vorlagen, mit denen „an allen Schrauben ein bisschen gedreht“ werde, jetzt in den politischen Entscheidungsprozess. Er hofft, dass sie eine große Zustimmung erfahren. Er wolle auf jeden Fall ein aufgeräumtes Haus hinterlassen, sagte er mit Blick auf seine vorerst ablaufende Amtszeit.

Angelika Ohliger