Diskussion

Welche Rechte haben Kinder?

Von DANIELA HAMANN
Harald Walther hat das Forum initiiert. Er selbst spricht zum Thema Kindeswohl und Landesverfassung.
FNP

Ob das Recht auf gesundes Essen, das Recht „Stopp“ zu sagen oder das Recht, den freien Willen zu äußern: Schon im Kleinkindalter stehen den jüngsten Bewohnern der Erde eine große Anzahl an Ansprüchen zu. Damit diese Rechte auch von Staaten anerkannt werden, haben die Vereinten Nationen (UN) sie 1989 in ihrer Kinderrechtskonvention niedergeschrieben. Diese Konvention wurde 1992 auch von Deutschland ratifiziert. Bei den Landtagswahlen am 28. Oktober steht für die Bürger auch zur Wahl, ob Kinderrechte in die hessische Verfassung aufgenommen werden sollen.

Bei der dritten Veranstaltung von „Forum Amtsgericht Rüsselsheim“, einer erfolgreichen Dialogreihe, die vom Direktor des Amtsgerichts, Harald Walther, mit dem Hintergrund, Justiz für Laien greifbarer zu machen, initiiert wurde, geht es im Rathaus deshalb am Mittwochnachmittag genau um das Thema Kinder- und Jugendrechte.

Katharina Gerarts, Professorin für Kindheitspädagogik an der Evangelischen Hochschule Darmstadt und Beauftragte der Landesregierung für Kinder- und Jugendrechte, beschreibt anschaulich, dass nun auch die hessische Landesregierung den Auftrag erhalten habe, Kinder- und Jugendrechte in ihrer Verfassung zu verankern. „Ziel ist es, dass die Regierung in der nächsten Legislaturperiode an bestimmten Eckpunkten tätig wird“, so Gerarts.

Befragungen in Hessen

Die hessische Charta sei in Anlehnung an die UN-Kinderrechtskonvention entstanden. Darüber hinaus seien jedoch viele individuelle Punkte mit eingeflossen. Das Fundament dazu seien Befragungen in ganz Hessen gewesen. „Wir haben intensive Gespräche mit Kindern und Jugendlichen der verschiedenen Altersgruppen geführt“, berichtet Gerarts. „Wir haben mit Kindern unter sechs Jahren, mit Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren, mit Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren und mit erwachsenen Fachexperten gesprochen.“ In wenigen Monaten sei daraus die Charta entstanden. Die Empfehlungen beschäftigten sich mit Themen, wie: Kinderrechte gesetzlich verankern und institutionalisieren, Kinderrechte bekanntmachen, Mitbestimmung fördern, Kinderarmut bekämpfen, Medienkompetenz vermitteln, Diskriminierung in der Schule oder Familiensinn stärken. Katharina Gerarts zitiert ein befragtes Kind, das selbst von Kinderarmut betroffen ist. Die Kleine sagte: „Kinderarmut kickt Dich aus der Gesellschaft raus.“ Auch zum Thema Inklusion habe sich ein körperlich behindertes Kind geäußert: „Ich bin doch nicht dumm, nur weil ich nicht laufen kann.“

Die Hessische Ministerin der Justiz, Staatsministerin Eva Kühne-Hörmann, schildert zudem ihre Situation bei der Geburt ihres ersten Kindes und der Wahrnehmung ihrer Aufgaben als Abgeordnete des hessischen Landtages. Hier wurde deutlich, dass auch die Stellung von Müttern gestärkt werden muss und damit auch mittelbar Kinderrechte geschützt werden.

Seelische Gesundheit

Zum Thema Kindeswohl sprechen im Verlauf des Nachmittags auch Harald Walther, Christoph Auffermann vom Jugendamt der Stadt Rüsselsheim und der Psychiater und Oberarzt der Vitos-Klinik Riedstadt, Daniel Sammet.

In der Schlussrunde der Podiumsdiskussion hebt Kühne-Hörmann noch einmal das Engagement des hessischen Justizministeriums zum Thema Kinderpornografie hervor und macht deutlich, dass hier dringendes Handeln zum Schutz der seelischen Gesundheit und des Lebens von Kindern geboten ist.

Kinderrechte seien ein Thema, das auch in Rüsselsheim sehr wichtig ist, bemerkt Bürgermeister Dennis Grieser. Um die Kinder für ihre eigenen Rechte zu sensibilisieren, gebe an den Schulen der Stadt zahlreiche Aktionen. Der Kinderschutzbund und Wildwasser veranstalteten Präventionsprogramme. „Wenige Themen haben so viel emotionales Potenzial wie das Thema Kindeswohl“, stellt Grieser fest. dan/red

DANIELA HAMANN