09.11.2017 03:00 |

Als in Petterweil Frauen verbrannt wurden

Karben Hexen tauchen auf unterschiedliche Weise in unserem Leben auf, in Märchen wie „Hänsel und Gretel“, in Goethes berühmten Werk „Faust“ oder am vergangenen Sonntag im geschichtlichen Kontext in einem Vortag zu „Hexen und Aberglaube in Karben und dem Wetteraukreis“ im Heimatmuseum. Zum Thema referierten Hansi Rehbein-Langner, Monika Heinz und Rainer Züsch.

Kennen sich mit Hexen aus (von links): Hansi Rehbein-Langner, Rainer Züsch, Monika Heinz.
Kennen sich mit Hexen aus (von links): Hansi Rehbein-Langner, Rainer Züsch, Monika Heinz.

„Der Aberglaube entstand aus der Angst und dem Unwissen über naturwissenschaftliche und medizinische Abläufe. Im Mittelalter war noch wenig erforscht, vieles beruhte auf Halbwissen und Phantasie “, erzählt Hansi Rehbein-Langner, ehrenamtliche Mitarbeiterin im Museumsteam. Ursprünglich wurde der Ausdruck „Aberglaube“ aus einem abwertenden, ja sogar falschen Glauben hergeleitet. Später habe man den Begriff mit illusionären Praktiken wie dem Wahrsagen und Zauberbräuchen in Verbindung gebracht.

„Das Thema bietet sich gerade jetzt zur dunklen Jahreszeit an“, sagt sie. Früher hätte es in den Dörfern viele sogenannte „ungute“ Orte gegeben. Über den Friedhof sei man nachts nur gegangen, wenn man vorher drei Vaterunser gebetet habe. Durch den Aberglauben, so Rehbein-Langner, sei auch der Glaube an die Existenz von Hexen entstanden. Verdächtigt wurden Frauen, die sich mit Kräuterheilkunde auskannten oder als Hebamme tätig waren.

Viele Hinrichtungen

Das Unwissen über ihr Tun schürte Angst: Die katholische Kirche hat diese Furcht aufgegriffen und die Hexenverfolgungen und Inquisition eingeführt – ursprünglich um gegen Glaubensleugner vorzugehen. „Auch in Petterweil hat es zu Beginn des 17. Jahrhundert viele Hexenprozesse und Hinrichtungen gegeben“, ergänzt Monika Heinz, ebenfalls Mitarbeiterin im Museumsteam.

Vor 200 Jahren habe man daher von Petterweil als dem „Dorf der Zauberei“ gesprochen. In der Petterweiler Chronik sei zu lesen, dass zwischen 1656 und 1659 mehrere Einwohner der Hexerei beschuldigt und hingerichtet worden seien. Die Zahl der Beschuldigten habe circa ein Zehntel der Petterweiler Bevölkerung ausgemacht. Damals, erzählt Monika Heinz, habe es in der Grafschaft Büdingen nur zwei zugelassene Ärzte gegeben, viele Frauen hätte daher unterstützend als Heilerinnen geholfen, da ein akuter Ärztemangel bestand. Im Jahr 1635 litten alleine in Büdingen 336 Personen an der Pest, die sich zu dieser Zeit in ganz Europa ausbreitete. In der Zeit von 1532 bis 1700 seien parallel dazu 667 Personen als Hexen im Umkreis von Büdingen angeklagt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden.

Wetterauer Mundart

Ergänzend zu den Vorträgen las Rainer Züsch die Gedichte „Der Schatzgräber“, „Führe uns nicht in Versuchung“ und „Ein Hexenspuk“ in Wetterauer Mundart von Peter Geibel vor. Alle humoristischen Texte befassten sich mit Hexen und Aberglaube.

Rund 50 Gäste waren zu dem einstündigen Vortrag in das historische Degenfeld’scher Schloss gekommen. Für dieses Jahr war es der letzte Vortrag. Geöffnet ist es dennoch jeden ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr.

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