Mütter und Väter beschweren sich

Eltern fordern: Preise für Kleinkind-Betreuung runter

Von Petra Ihm-Fahle
Blick in eine städtische Kita in Nidderau: Sieben Millionen Euro bringt die Stadt pro Jahr für die Betreuungseinrichtungen auf.
Petra Ihm-Fahle/FNP

„Für manche Eltern sind die Kita-Gebühren wirklich eine sehr große Belastung“, betont Mutter Nicole Denter. Insbesondere für Familien mit Kindern unter drei und zwei Jahren sei es schwer: Denn hier greift das neue Gesetz zur Gebührenbefreiung nicht. Nun hören Denter und knapp 30 Mütter und Väter zu, als Vorsitzender Rembert Huneke (SPD) die Sitzung des städtischen Jugend- und Sozial-Ausschusses eröffnet.

In einem Antrag hinterfragt zunächst die CDU die Gebühren-Kalkulation der Stadt. Vier Fragen stellt Corina Zeller, beispielsweise: Den Eltern würden ab August zusätzlich zu den direkten Kita-Gebühren interne Leistungen der Stadtverwaltung berechnet. Gemeint sind damit etwa Kosten für die Verwaltung. „Es handelt sich dabei um 1,4 Millionen Euro, die in der Vergangenheit nicht berechnet wurden“, sagt Zeller. Dies sei nicht nachvollziehbar.

Nachbarn billiger

Laut Diplom-Ingenieur Peter Heyder, dessen Firma Heyder und Partner die Kostenberechnung entworfen hatte, hat die Stadt die internen Leistungen auch früher schon einbezogen – und zwar mit 1,5 Millionen Euro in 2017. Und wie Andrea Bassermann (städtische Fachbereichsleiterin Finanzen) erklärt, entsprächen die 1,4 Millionen Euro dem Ist-Ergebnis aus dem Vorjahr.

Ein Vater fragt, wieso Nachbarkommunen niedrigere Gebühren anböten, beispielsweise Karben und Bad Vilbel. Wie Ausschuss-Vorsitzender Huneke unterstreicht, biete Nidderau hohe Qualitätsstandards an. Und Erster Stadtrat Rainer Vogel (Grüne) erklärt, dass Nidderau aufgrund anderer Strukturen, Zuweisungen und Größe nicht mit diesen Kommunen zu vergleichen sei.

Ein anderer Gesprächspunkt ist die schrittweise Erhöhung der Gebühren um zehn Prozent pro anno. Dies geschieht seit einigen Jahren – so lange, bis der Elternanteil von 20 Prozent an den Gesamtkosten erreicht ist: 2018 wäre dies mit der geplanten Kalkulation denn auch gegeben. Die Mutter eines Kleinkindes beschwert sich: „Ich verstehe nicht, warum ich ab August 24 Prozent mehr für meinen Sohn zahlen muss.“ Doch da die Stadt die Zehn-Prozent-Anpassung ein Jahr lang ausgelassen hat und dies nachträglich anpasst, ist es zu solchen Extremfällen gekommen: einer Steigerung von 402 auf 498 Euro für einen Vollzeitplatz in der U2-Betreuung.

Wird querfinanziert?

Die Eltern mutmaßen einerseits, dass die Kommune Kleinkind-Betreuung verteuert habe, um die Gebührenfreistellung für die Kinder über drei Jahren zu finanzieren. Und dass aus dem gleichen Grund auch die Randstunden der Ü3-Betreuung teurer geworden seien. „Ich habe früher für die Randstunde 18 Euro gezahlt, jetzt 30 Euro“, sagt eine Mama. Die Verantwortlichen widersprechen: Eine Stunde im Ü3-Bereich koste pro Monat 30,60 Euro: Dies entspreche nach wie vor dem Elternanteil von 20 Prozent an den Gesamtkosten.

Das Land erlaube seit dem neuen Gesetz, alle Stunden unabhängig von der Uhrzeit mit dem gleichen Betrag abzurechnen. Dies geschehe, um Nachteile auszugleichen. Denn die Zuweisung des Landes von 136,50 Euro ist geringer als das, was die Eltern früher pro Sechs-Stunden-Platz bezahlt haben. Erster Stadtrat Vogel betont, dass ein Zehn-Stunden-Platz im Ü3-Bereich nur noch 122,40 Euro koste: Das sei sehr günstig.

Am Ende bewegt sich der Ausschuss inhaltlich etwas auf die Eltern zu (siehe Info-Box). Nicht genug allerdings nach Ansicht des Stadtelternbeirats, der Rederecht im Stadtparlament wünscht.

Petra Ihm-Fahle