09.11.2017 03:30 | Thomas Kopp

Parlament erzwingt Verlängerung: Entscheidung über Sportzentrum im Quellenpark fällt erst im Dezember

Bad Vilbel Der Bau eines Multifunktions-Sportzentrums im Bad Vilbeler Quellenpark dreht eine Extra-Runde im Parlament. Die Stadtverordneten haben das Thema auf ihre nächste Sitzung am 19. Dezember verschoben. Denn man hat wohl doch mehr Zeit als gedacht, um die entsprechenden Anträge auf Förderungen abzusenden.

Der Vorzeigesport der Fun-Baller ist Badminton in der Ersten Bundesliga, hier mit Annika Horbach (links) und Yap Rui Chen bei einem Spiel im Oktober. Im neuen Multifunktionszentrum sollen hingegen Yoga, Reha-Sport, Aerobic und andere Angebote mit wenig Platzbedarf stattfinden.
Der Vorzeigesport der Fun-Baller ist Badminton in der Ersten Bundesliga, hier mit Annika Horbach (links) und Yap Rui Chen bei einem Spiel im Oktober. Im neuen Multifunktionszentrum sollen hingegen Yoga, Reha-Sport, Aerobic und andere Angebote mit wenig Platzbedarf stattfinden.

Im Vorfeld der Stadtparlaments-Sitzung am Dienstag hatte jeder eine ausgiebige Diskussion erwartet. Nämlich zu dem Punkt, ob der SV Fun-Ball Dortelweil ein Multifunktions-Sportzentrum im neuen Stadtteil Quellenpark mit Hilfe eines städtischen Kredits, der Überlassung eines Grundstücks in Erbbaupacht und weiterer Förderungen errichten darf (wir berichteten). Doch nach einem offenen Brief des TV Bad Vilbel reduzierte sich die Sitzungsdauer auf nur 36 Minuten. Scheinbar konnten viele Mandatsträger nachvollziehen, dass sich der TV in dieser Sache benachteiligt sieht.

So ist es Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU), der das Wort ergreift und eine Verschiebung des Beschlusses auf die Sitzung am 19. Dezember vorschlägt. „Der TV Bad Vilbel hat um Vertagung und ein Gespräch gebeten.“ Da Stöhr und der Magistrat den Bad Vilbeler Vereinen sehr offen gegenüberstünden, werde Stöhr dieser Bitte gerne nachkommen.

Denn wie Stöhr verkündete, reiche die Zeit für diese Extra-Runde wohl aus. So könne man einen entsprechenden Antrag auf Förderung durch das Land Hessen und auch des Landessportbundes noch nach der nächsten Sitzung im Dezember ausreichen. „Aufgrund neuer Sachverhalte erscheint dies sinnvoll“, sagt Stöhr dazu.

„Großer Leistungsträger“

Doch Stöhr bittet auch darum, das Engagement der ehrenamtlich Tätigen in den verschiedenen Vereinen zu respektieren und nicht herabzusetzen. Gemünzt ist diese Aussage auf die Vermutung des TV-Vorsitzenden Wolfgang Schmidt, der von „Insider-Wissen“ von Klaus Rotter sprach. Rotter ist nicht nur zweiter Vorsitzender des SV Fun-Ball, sondern auch technischer Leiter bei den Stadtwerken Bad Vilbel und dabei auch federführend für Sporthallen-Planungen verantwortlich. Wenn sich Fachleute mit ihrem Wissen für Vereine einbrächten, könne das laut Stöhr nur förderlich sein, Kritik dafür sei nicht angebracht.

Klaus Minkel, CDU-Stadtrat und Werksleiter der Stadtwerke, stellte sich deswegen auch schützend vor seinen Mitarbeiter Rotter. Der sei „ein großer Leistungsträger“, habe die „unbegründete und unsportliche Verleumdung wegen angeblichen Insiderwissens nicht verdient“. So habe sich Rotter mit „all seiner Arbeitskraft und seinem Wissen“ für den Bau der zweiten Dreifeld-Sporthalle in der Kernstadt eingesetzt, die vor allem dem TV zugute komme.

Bereits vor der Sitzung zeichnete sich ab, dass es zur Vertagung kommen könnte. Denn nach dem offenen Brief des TV-Vorstandes gab es bereits Reaktionen seitens der Politik. So plädierte noch am Montagnachmittag Raimo Biere von den Freien Wählern für eine Vertagung („Turnverein fühlt sich übergangen“, FNP vom 7. November).

Biere führte dabei unter anderem an, dass der TV Bad Vilbel keine Kenntnis vom Projekt und auch einer bereits eingeplanten Förderung von 630 000 Euro durch den Verein zur Sport- und Kulturförderung (Spendenverein) hatte. Nach Recherchen dieser Zeitung handelt es sich dabei um die größte Einzelförderung eines Projekts in der Geschichte des Spendenvereins, an dem die Stadtwerke maßgeblich beteiligt sind.

Neben dem städtischen Kredit über knapp eine Million Euro und der Förderung des Spendenvereins sowie dem Eigenkapital des SV Fun-Ball bildet eine Förderung des Landes Hessen über 220 000 Euro eine weitere wichtige Säule der Kalkulation für den Bau des Sportzentrums. Dazu hieß es zunächst seitens der Stadt, dass man hier eine Frist bis zum 15. November nutzen müsse, ansonsten sei ein Jahr verloren.

Das aber ist so wohl nicht richtig. Denn laut Auskunft des Hessischen Ministeriums des Inneren und für Sport gibt es keine offizielle Frist, Förderanträge sollten aber bis Anfang Oktober vorliegen. Dann nämlich muss der jeweilige Landkreis ein Projekt melden, das er in diesem Jahr für förderungswürdig hält.

Ein Verein hatte sich für ein Projekt angemeldet, nun aber zurückgezogen. Da aber das Ministerium einen Prüfungszeitraum von mindestens zwei Monaten vor Bewilligung einkalkuliert, wird das Geld für 2017 wohl ohnehin verfallen. Denn einen Kunstrasenplatz zu prüfen, sei vielleicht noch relativ einfach, ein Multifunktionszentrum hingegen nicht.

Geld fließt 2018

Und so kann eine Förderung nur für das Jahr 2018 erfolgen. Derzeit ist nicht abzusehen, dass für das kommende Jahr ein Projekt im Raum stehe, der beim Sportkreis Wetterau zur Förderung angemeldet wird.

Dies bestätigt der Sportkreis-Vorsitzende Jörg K. Wulf. „Das Projekt einer eigenen Halle der SU Nieder-Florstadt neben der in der Freiherr-vom-Stein-Straße befindlichen Sporthalle wurde auf der jüngsten Mitgliederversammlung mehrheitlich abgelehnt.“ Deswegen sei der Weg für das Projekt im Quellenpark frei. Dabei sei es zweitrangig, ob sich nur ein Verein oder mehrere für eine Förderung dieses Projekts anmelden. „Grundsätzlich unterstützen wir alles, was Sportmöglichkeiten für die Allgemeinheit zur Verfügung stellt“, sagt Wulf und bemerkt, dass dies unter der Regie von mehreren Vereinen noch besser wäre. Eine Einstellung, die das Ministerium teilt.

Am Dienstag hatte der Sportbeirat, ein gemeinsames Gremium des Sportkreises und der Kreispolitik, über die Prioritätenliste für das kommende Jahr abgestimmt. Und dabei den Bau im Quellenpark an Position eins gesetzt. „Es wird somit definitiv von uns für das kommende Jahr als Förderprojekt vorgeschlagen“, erläutert Wulf.

Trotzdem soll es bei einem Gespräch zwischen Stadt, Vereinen und Ministerium am 24. November bleiben. Stadtsprecher Yannick Schwander: „Das Gespräch mit den Vereinen ist eventuell für übernächste Woche vorgesehen.“ Denn auch wenn eine Vertagung nun relativ problemlos erscheint, soll dem Ministerium bereits vor Bewilligung des Projekts durch das Stadtparlament eine Art Absichtserklärung vorliegen.

Kommentare

  • Von Insidern und Trittbrettfahrern
    geschrieben von Arabin (6 Beiträge) am

    Eine miserable Verwaltungsvorlage, die mehr Fragen aufwirft als Informationen liefert, versuchter Druck auf Parlamentarier mit angeblich verstreichenden Antragsfristen für Zuschüsse und Diskreditierung von anderen Vereinen als Trittbrettfahrer. Das sind die Zutaten um das Klima zu vergiften. Mit diesem anscheinenden handstreichartigen Verfahren hätte sich Fun Ball keinen Gefallen getan. Jetzt also zurück auf Los und Hausaufgaben richtig machen.

  • So was nennt man
    geschrieben von BeatDaddy (49 Beiträge) am

    "Mit den großen pinkeln gehen". Mann, die haben Pläne, wie in einer 500.000 Einwohner-Metropole, größenwahnsinnig bis zum umfallen..



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