08.11.2017 03:00 |

Künstlertreff: Inspiriert von Licht und Farben

Karben Vom Ambiente der Schildeburg waren Dorte Sukavi und Alfred Wolski sofort begeistert. Jetzt sollen von dort aus bald Workshops zu Licht- und Klangreisen führen.

Aus dem Ende des 19. Jahrhunderts erbauten Gebäude an der Hauptstraße in Klein-Karben soll schon bald ein Künstlertreff werden.
Aus dem Ende des 19. Jahrhunderts erbauten Gebäude an der Hauptstraße in Klein-Karben soll schon bald ein Künstlertreff werden.

Das Binding-Schild an der Schildeburg erinnert noch heute an die ehemalige Gaststätte im Ortskern Klein-Karbens. Sie beherbergte neben dem Restaurant auch eine eigene Metzgerei und Kelterei und war jahrelang ein beliebter Treffpunkt. Seit über zehn Jahren ist sie geschlossen. Jetzt wollen Dorte Sukavi und Alfred Wolski das Gebäude renovieren und als Künstlertreff nutzen.

Eine Aufnahme der Gaststätte „Schildeburg“, als sie noch „Zur schönen Aussicht“ hieß an einem „Marktmontag“ in den 1920er-Jahren.
Eine Aufnahme der Gaststätte „Schildeburg“, als sie noch „Zur schönen Aussicht“ hieß an einem „Marktmontag“ in den 1920er-Jahren.

Vor rund zwei Jahren hat das Künstlerpaar begonnen, das Gebäude instand zu setzen und dort seine Werkstätten und Ateliers einzurichten. Und so wurde die ehemalige Schlachterei kurzerhand zur Glaswerkstatt umfunktioniert und die Räucheröfen und Kühlhäuser dienen jetzt als Glas- und Metalllager.

Das alles dauerte seine Zeit, erinnert sich Alfred Wolski an die Anfangsphase zurück. „Als wir eingezogen sind, war das komplette Inventar der Vorbesitzerin noch da. Es sah aus, als wäre die Wirtin nur mal kurz rausgegangen“, erzählt er. Unzählige Lastwagenladungen an Sperrmüll haben sie entsorgen müssen.

Doch trotz der vielen Hinterlassenschaften, waren sie vom Ambiente begeistert. „Das ist für uns ein Stück lebendige Geschichte. Von Alt-Karbener Bürgern haben wir viele spannende Dinge gehört, die hier passiert sind“, erzählt der Lichtpoet. Über den ortsansässigen Geschichtsverein haben sie außerdem erfahren, dass in der Gaststätte, die Ende des 19. Jahrhunderts erbaut wurde, schon immer viel gefeiert wurde.

Einige Leihgaben aus dem Senckenbergmuseum hat Dorte Sukavi, hier mit Alfred Wolski, als Inspirationsquelle mitgebracht. Fotos/Repro: Ida Katnic
Einige Leihgaben aus dem Senckenbergmuseum hat Dorte Sukavi, hier mit Alfred Wolski, als Inspirationsquelle mitgebracht. Fotos/Repro: Ida Katnic

Bierschild als Erinnerung

Aufgrund dieser bewegten Vergangenheit, sagt Wolski, möchte man das Bierschild als Erinnerung vorerst hängen lassen. Der 69-Jährige stammt ursprünglich aus Berlin und hat vor dem Umzug nach Karben rund 30 Jahre in Nierstein am Rhein gelebt.

„Bevor ich hierhergezogen bin, kannte ich Karben überhaupt nicht“, gibt der Künstler zu. Ein Schicksalsschlag hat den studierten Werkstoffwissenschaftler damals in die Wetterau verschlagen. Als seine Frau und Tochter gestorben sind, wollte Alfred Wolski woanders neu anfangen. Zu dieser Zeit lernte er auch seine heutige Gefährtin Dorte Sukavi kennen. Die beiden verband sofort ihre gemeinsame Leidenschaft für die Kunst und die Musik, denn auch Dorte Sukavi war ihr ganzes Leben lang künstlerisch tätig.

Die gebürtige Dänin ist Anfang der 1980er-Jahre nach Berlin gekommen, wo sie Geologie und Paläontologie studiert hat. 2001 ist sie dann nach Hessen gezogen und arbeitet seitdem als Polar- und Meeresforscherin und außerdem als Kuratorin am Forschungsinstitut und Naturkundemuseum Senckenberg. Im Zuge ihrer Forschungsarbeit hat sie unter anderem etliche Reisen in die Arktis und in die Antarktis unternommen.

„Die Faszination der Unterwasserwelt, die ich dort erlebt habe, spiegelt sich in meinen Kunstwerken wider“, erzählt sie. Lichter und Farben der Natur seien schon immer ihre Inspirationsquelle gewesen. Sie schafft gern Bilder und Plastiken aus Kristallen und Filter-interferenzgläsern, die durch ihre optischen Eigenschaften den Räumen eine besondere Atmosphäre verleihen. „Damit entstehen Lichträume in allen Farben der Natur“, sagt die 59-Jährige. Kunst und Wissenschaft würden sich ergänzen. Und so hätten sie und ihr Lebensgefährte einige ihrer Ausstellungen bewusst „Kunst küsst Wissenschaft“ genannt.

Fast ein Liebesdialog

Für sie und ihren Partner Wolski sei die Kunst dafür da, Dinge, die man nicht mit Worten ausdrücken kann, zu visualisieren und erlebbar zu machen. Anlässlich des Hessentages in Langenselbold 2009, hat Wolski einen Kristallengel aus 700 einzelnen Glasplatten und 1500 Befestigungsringen gestaltet. Durch den Einfall von Licht bringt er ein besonderes Farbenspektrum hervor. Zuletzt hat das Künstlerpaar unter anderem Lichtinstallationen für „Berlin leuchtet“ und die „Luminale“ in Frankfurt entworfen.

In der Schildeburg möchten sie Workshops zu Licht und Klangreisen anbieten, allerdings nicht als festgelegtes Programm, sondern an den Wünschen und Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet, die zu ihnen kommen.

Neben der Kunst spielen beide Instrumente, die sie zum Teil von ihren Reisen, unter anderem aus Afrika und Südamerika mitgebracht haben. „Wenn wir gemeinsam spielen, hören wir aufeinander. Es ist fast so wie ein Liebesdialog“, sagt Wolski.

Als nächstes treten sie auf der Messe „Bewegen und Berühren“ vom 10. bis 12. November im „Haus der Begegnung“ in Königstein auf. Mehr Informationen zum Künstlertreff gibt es auf www.sukavi.de.

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