Rund um den Apfel

Jubiläums-Kelterfest entführt Besucher in die schmackhafte Natur

Von Christine Fauerbach
Ciderman Jürgen Pfeiffer von „Pomolo“ mit dem Jubiläums-Secco „25 Jahre Kelterfest Karben“:
Christine Fauerbach/FNP

Der aromatische Duft ist unverkennbar: Äpfel satt gab es beim Jubiläumskelterfest auf dem Gelände des Jugendkulturzentrums (Jukuz) in Karben. Das Fest geht auf eine Initiative von Ulrike Loos, die über drei Jahrzehnte im Vorstand des BUND-Ortsverbandes Zeichen im Natur- und Umweltschutz setzte, zurück. Gemeinsam mit der Stadt Karben sollte das Fest die Bürger für die Bedeutung, den Erhalt und die Pflege der Streuobstwiesen als wichtigen Lebensraum für Tiere, Pflanzen und Menschen sensibilisieren.

„Wir sind drei Jahre später als Mitveranstalter des Kelterfestes dazugekommen“, sagt der langjährige Nabu-Vorsitzende Jürgen Becker. Zur Freude aller Partner wie der IG Streuobst Karben, den Partnern der ersten Stunde, den Kelterern Wolfgang Lazar und Jürgen Pfeiffer von „Pomolo“, die einen Jubiläums-Secco „25 Jahre Karbener Kelterfest“ aus heimischen Apfelsorten kreierten, war das Wetter für ein Fest im Freien perfekt.

Probieren, Genießen, Kaufen und sich informieren, konnten die Besucher sich auch an den Ständen der Imker Martin Döbler und Stephan Erb, dem Vollwertkost-Stammtisch oder dem Eine-Welt-Laden. „Das Kelterfest wurde im Laufe der Jahre immer größer und wir konnten die Menschen für die Rettung und die Bedeutung der Streuobstwiesen sensibilisieren“, freut sich Regina König-Amann. Gemeinsam mit anderen Aktiven aus der örtlichen Nabu-Gruppe hat sie am Tag zuvor drei Stunden lang Äpfel auf den Streuobstwiesen aufgesammelt und zur Kelterei Rapps gebracht.

20 Sorten probieren

„Gefehlt haben bei der Aktion junge Familien“, bedauert sie. „Wir brauchen dieses Fest, um Kontakt zur Bevölkerung zu bekommen. Auf unseren vier Streuobstwiesen stehen 500 Bäume, davon 80 verschiedene Apfelsorten, sowie Birnen, Zwetschgen, Quitten, Kirschen, Mirabellen, Mispel und Speierling“, informiert Eckhard Neitzel, stellvertretender Vorsitzender der IG Streuobst Karben. 20 Sorten konnten die Besucher am IG-Stand sehen und kosten. So wie die Rendelerin Kathrin Kretschmer, die den Winterbananenapfel und Roten Astrachan probierte. „Kannte ich nicht, sind sehr lecker“, lobt sie.

Zwölf Stunden lang kochten und rührten die fünf IG-Mitglieder Hans Kroll, Anke und Volker Behrens, Patricia Weber und Uwe Müller sowie Peter Hofmann vom BUND im Kupferkessel Pflaumenmus, um echtes Latwerge, in Gläser abfüllen zu können.

Süßen aus Äpfeln von seinen Streuobstwiesen schenkte Uwe Müller von der IG Streuobst aus. Er präsentierte neben verschiedenen Apfelsorten auch drei Speierling- und zwei Mispelsorten. „Zum Essen eignen sich Sorten wie Berlepsch und Ingrid-Marie, zum Keltern Roter und Weißer Trierer und Bohnapfel“, informiert er Besucher. Die hörten neugierig zu, kosteten die Obst-Produkte in flüssiger und fester Form. Der Nachwuchs füllte am Nabu-Stand eifrig Quizbogen aus und bestaunte Vogel-Eier und präparierte Schleiereulen „Der Bestand nimmt ab, warum ist nicht erkennbar“, sagt Jürgen Becker.

Musikalischer Rahmen

Der Renner war wie immer das Drehen der Kurbel der historischen Handkelter von Jürgen Pfeiffer und Wolfgang Lazar, um aus frischen Äpfeln Süßen zu pressen. Louis (4) aus Frankfurt fischte Äpfel mit dem Mund aus dem Bottich, womit er eine Premiere beim Kelterfest schaffte. Penelope (7) aus Karben fand das Nabu-Quiz bei dem sie mit Hilfe von Postkarten 28 Tierarten bestimmte, am besten. Ilse Roth aus Obertshausen findet das Kelterfest schön und wichtig.

Musikalisch umrahmt wurde das Fest von Musikern Bläserquintetts der Musikschule, der Gruppe „Querbänx“ und von Martin der Geiger. „25 Jahre Kelterfest sind ein schöner Erfolg“, bilanziert BUND-Vorsitzende Birgit Scharnagel. Sie bedauert wie alle anderen Vereine und Anbieter sowie Gäste die unnötige Konkurrenz durch die Karbener Gewerbeschau beim Jubiläumsfest, das sonst besser besucht ist. Sorgen bereitet ihr der Altersdurchschnitt in der Ortsgruppe. „Die Aktiven sind meist Senioren, das Durchschnittsalter im Vorstand liegt bei 50 Jahren.“

Christine Fauerbach