09.11.2017 03:30 |

Prozess beginnt: Mann soll 40-Jährigen mit Beil in dessen Haus getötet haben

Ilbenstadt Keine 24 Stunden dauerte es, bis die Kriminalpolizei im vergangenen April den Raubmord an einem 40-jährigen Ilbenstädter aufklärte. Nun beginnt der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter. Zu klären ist dann, was den 20-Jährigen aus Weilrod zu seiner tödlichen Beil-Attacke getrieben hat.

Ein Bekannter entdeckte die Leiche des Mannes in dessen Haus in Ilbenstadt. Archivfoto: Klaus Nissen
Ein Bekannter entdeckte die Leiche des Mannes in dessen Haus in Ilbenstadt. Archivfoto: Klaus Nissen

Was sonst in Tatort-Krimis fingiert wird, ist einem Bekannten des Opfers tatsächlich passiert: An einem Freitagnachmittag im April klingelte er vergeblich an der Haustür des 40-jährigen Ilbenstädters. Deshalb spähte er durchs Fenster – und entdeckte die Leiche seines Bekannten hinter der Terrassentür auf dem Boden (wir berichteten).

Die Beamten der Wetterauer Kriminalpolizei arbeiteten in der folgenden Nacht durch. Und schon am nächsten Morgen konnten sie einen Fahndungserfolg melden. Ein 20-Jähriger aus Weilrod im Hochtaunuskreis wurde als mutmaßlicher Mörder festgenommen. Am morgigen Freitag um 14 Uhr beginnt vor dem Landgericht Gießen der Prozess gegen ihn. Vorab wurden zwölf Verhandlungstage festgesetzt, sagt Thomas Hauburger von der Staatsanwaltschaft. Das lässt darauf schließen, dass der Angeklagte nicht alles rückhaltlos gestanden hat und deshalb eine gründliche Beweisaufnahme nötig ist. Das 40-jährige Opfer war am 7. April daheim mit einem Beil angegriffen und getötet worden, berichtete einen Tag später der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Geld und Handy gestohlen

Der Mörder nahm seinem Opfer Geld und ein Handy ab und floh. Kurz danach entdeckte der Bekannte des Opfers die Leiche. Am Samstagmorgen, dem 8. April, nahm ein Spezialkommando der Polizei schließlich den 20-Jährigen aus Weilrod fest. Das vermeintliche Tatwerkzeug und Bargeld in sechsstelliger Höhe konnten bei ihm sichergestellt werden. Der junge Mann saß gerade im rheinland-pfälzischen Wallmerod in einem Taxi, als ihn die Polizei in Gewahrsam nahm.

Der mutmaßliche Täter schwieg nach seiner Festnahme. Er wurde dem Haftrichter vorgeführt und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Der Prozess könnte Klarheit bringen, ob der Angeklagte und das Opfer sich kannten, ob das bei der Festnahme sichergestellte Geld dem Getöteten gehörte – und ob die Tat genau geplant war oder eher eine Art Unfall: Ein Einbrecher wird vom Wohnungs-Inhaber ertappt, es kommt zum tödlichen Kampf. Diesen Hergang vermuteten Nachbarn beim Bekanntwerden der Bluttat. Denn die noch neuen, relativ großen Wohnhäuser am Ortsrand von Ilbenstadt wirkten auf Einbrecher anziehend. Im Haus des Opfers und bei Nachbarn habe es im Jahr zuvor Einbrüche gegeben, sagte im April ein Anwohner. Das Opfer habe sein Haus danach stark abgesichert.

„Sympathischer Typ“

Das alleinstehende Mordopfer sei ein hilfsbereiter und „sehr sympathischer Typ“ gewesen, erzählt ein Nachbar. Allerdings habe man sich nicht sehr gut gekannt. Der Mann soll früher bei der Bundeswehr gewesen sein und dort Infostände bei Veranstaltungen betreut haben. Zuletzt sei er selbstständig gewesen – im Internet bezeichnete ihn eine große Beratungsgesellschaft als Vermögensberater.

Nur wenige Parallelstraßen entfernt gab es ein Jahr vor der Tat bereits einen anderen Mord. Dort hatte ein 61-jähriger Bad Vilbeler seinen pflegebedürftigen Vater und den 58-jährigen Bruder im Zusammenhang mit Erb-Streitigkeiten getötet (wir berichteten). Der Vater erstickte oder verbrannte in dem vorsätzlich angezündeten Wohnhaus. Die Leiche des Bruders entdeckte man erst Tage später im Kofferraum eines am Ilbenstädter Kloster abgestellten Autos. Der Bad Vilbeler wurde schließlich Ende Juni 2017 zu lebenslanger Haft verurteilt. Ende Juli beantragte sein Anwalt vor dem Bundesgerichtshof Revision gegen das Urteil.

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