Debatte um Landfraß

Parlament gib grünes Licht für Planung von Theaterwerkstatt für Burgfestspiele

Von Thomas Kopp
Seit Jahren nutzen die Schauspieler der Burgfestspiele eine alte Reithalle in Dortelweil. Bald soll es einen zentralen Anlaufpunkt geben.
FNP

„Landfraß“ ist ein Wort, das nicht nur in Bad Vilbel die Runde macht. Vor allem rund um den Bau des Logistik-Zentrums von Rewe in Wölfersheim taucht der Begriff regelmäßig in der Debatte auf. Doch auch in Bad Vilbel scheint das Wort eine immer größere Bedeutung zu bekommen.

Die Stadt Bad Vilbel will in der Nachbarschaft des städtischen Baubetriebshofes eine Werkstatt für die Burgfestspiele bauen (wir berichteten). Benötigt werden dafür rund 3000 Quadratmeter. Doch für die Bebauung eingeplant wird ein Areal von 14 000 Quadratmetern. Ein Fakt, an dem sich die Grünen bereits im Bauausschuss in der vergangenen Woche gestört hatten.

Sie hatten deswegen das Ergebnis einer städtischen Prüfung verlangt, das sich mit Alternativgrundstücken beschäftigt hat. Das aber hatten die Grünen bis zur Sitzung des Stadtparlaments am Dienstag nicht erhalten. Andere Fraktionen schon. Immerhin dieser Punkt konnte zügig geklärt werden. In einer zehnminütigen Sitzungsunterbrechung konnten sich die Grünen mit dem Papier vertraut machen.

Ackerland schonen

Doch Kritik hat Parteichef Clemens Breest auch danach noch: „Wir sehen Flächen im Massenheimer Gewerbegebiet, die verfügbar sind.“ Die seien zwar schon anderen Interessenten in Aussicht gestellt worden. Als stichhaltig bezeichnet Breest dieses Vorgehen allerdings nicht. Denn es sei auch schon bei anderen Flächen vorgekommen, dass der Verkauf dann gescheitert sei. Und auch die Fläche südlich des Dortelweiler Platzes sieht Breest weiterhin als geeignet an, zumal dort eine Probebühne in einem früheren Reitstall untergebracht ist. „Wir begrüßen die Werkstätten, aber es gibt andere Flächen, wertvolles Ackerland kann geschont werden“, ist er überzeugt.

Der grüne Fraktionschef Jens Matthias verdeutlicht das Vorhaben anhand eines Blattes Papier. Die benötigten 3000 Quadratmeter nehmen darauf rund ein Fünftel der Fläche ein. „Die Stadt weiß selber nicht, was auf den restlichen 80 Prozent passiert“, sagt er. Breest hatte zuvor davon gesprochen, dass sich hier die Stadtwerke „verschämt ausdehnen. Stattdessen sollte man auf dem Baubetriebshof erst einmal aufräumen, dann gebe es auch weitere freie Flächen.

Hier widerspricht Erster Stadtrat Sebastian Wysocki (CDU): Nicht die Stadtwerke sollen von der Fläche profitieren, sondern der Baubetriebshof und das Gartenamt. „Bei einer wachsenden Stadt wie Bad Vilbel brauchen wir irgendwann mehr Müllfahrzeuge und auch ein größeres Grünamt. Das kann den Grünen ja nicht ungelegen sein“, sagt er. „Wir gehen so sparsam wie möglich mit den Flächen um.“ Trotzdem müsse man nicht nutzbare Grünstreifen und Zuwegungen mit in die Planungen einbeziehen. „Und die Mitarbeiter des Baubetriebshofes zum Aufräumen aufzufordern, ist ihnen gegenüber ein Hohn“, nimmt er die Bediensteten in Schutz.

Deutlicher wird Liegenschafts-Stadtrat und Stadtwerke-Betriebsleiter Klaus Minkel (CDU). Schon aus Tradition stellten sich die Grünen gegen Neubauten. „Das wird nie ohne Flächenfraß vonstatten gehen, solange es Menschen auf der Erde gibt.“

SPD schluckt Kröte

Die Grünen plädierten für bauliche Verdichtung in der Innenstadt, „wenn wir aber ein Hotel im Kurpark errichten, ist es ihnen auch nicht recht.“ In der Innenstadt seien an größeren Flächen nur noch der Kurpark, der Burgpark und der Festplatz vorhanden. „Höchstens noch das alte Rathaus, das Grundstück dort hat aber einen Millionenwert.“ Deswegen sei es betriebswirtschaftlicher Unsinn, dort die Theaterwerkstätten zu errichten. Gleiches gelte für die Fläche am Dortelweiler Platz mit rund 23 500 Quadratmetern Fläche. „Ich mache ein großes Grundstück doch nicht durch eine Bebauung mit 3000 Quadratmetern klein“, hält Minkel den Grünen vor.

SPD-Fraktionschef Christian Kühl hat ebenfalls einige Bauchschmerzen: „Die Zentralisierung ergibt Sinn, trotzdem haben wir wegen der Flächen lange überlegt. Wir werden die Kröte der versiegelten Flächen schlucken und sehen ohnehin weiteren Ausbau in Richtung Kloppenheim. Doch die Werkstätten werden optisch kein Quell der Freude sein und gehören deswegen auch nicht in die Innenstadt. Deswegen stimmen wir zu.“ So passiert der Aufstellungsbeschluss am Ende nur bei Gegenstimmen der Grünen das Parlament.

Thomas Kopp