07.11.2017 03:30 |

Kreisbrandinspektor Lars Henrich blickt zurück: Seit 500 Tagen in Alarmbereitschaft

Friedberg Seit fast 500 Tagen ist Lars Henrich Kreisbrandinspektor des Wetteraukreises. Im Interview blickt der Feuerwehrmann auf diese Zeit zurück, erzählt, wie oft er nachts aus dem Bett geklingelt wird und verrät, wie auch in Zukunft die Einsatzbereitschaft der Wetterauer Feuerwehren garantiert werden kann.

Der bisher größte Einsatz für den Kreisbrandinspektor. Der Brand einer Lagerhalle in Büdingen Anfang Dezember 2016. Bilder >
Der bisher größte Einsatz für den Kreisbrandinspektor. Der Brand einer Lagerhalle in Büdingen Anfang Dezember 2016.

Herr Henrich, Sie sind seit fast 500 Tagen Kreisbrandinspektor des Wetteraukreises und damit Vorgesetzter von 140 Feuerwehren. Wie sieht Ihr bisheriges Resümee als Kreisbrandinspektor aus?

LARS HENRICH: Es war eine spannende Erfahrung. Ich bin zwar nicht unvorbereitet in diese Funktion gekommen. Ich war zehn Jahre Stadtbrandinspektor in Ortenberg und seit 2009 Kreisbrandmeister in der Wetterau und hatte so schon einen guten Einblick in den Aufgabenbereich. Das Ausmaß der Verwaltungstätigkeit hat mich dann doch etwas überrascht.

Wie oft werden Sie nachts aus dem Bett geholt?

HENRICH: Mindestens ein- bis zweimal die Woche. Seit Jahresbeginn wurden wir vonseiten des Brandschutzaufsichtsdienstes 86 Mal alarmiert, wo wir aufgrund der Einsatzlage mit alarmiert wurden.

Lars Henrich
Lars Henrich

Was würden Sie als Erfolge Ihrer Arbeit rechnen?

HENRICH: Zum einen, dass ich die Ausbildung zum gehobenen feuerwehrtechnischen Dienst parallel zu meinem Dienst absolviere. Zum anderen die Zusammenlegung des abwehrenden und des vorbeugenden Brandschutzes hier in der Kreisverwaltung.

Was bleibt zu tun?

HENRICH: Arbeit gibt es noch genügend. Aktuell arbeiten wir mit mehreren Kommunen – Butzbach, Nidda, Gedern und kreisübergreifend mit dem Landkreis Gießen – zusammen in der interkommunalen Beschaffung, etwa bei Drehleiterfahrzeugen. Ich würde das gerne noch weiter vorantreiben. Das würde Kostenersparnisse für alle beteiligten Kommunen bringen. Nach Abschluss meiner Ausbildung im nächsten Jahr würde ich gerne noch einmal eine einheitliche Beschaffung der Schutzkleidung für die Einsatzkräfte anstoßen.

Das Thema „Einsatzbereitschaft“ ist ja immer ein Problem. Gibt es da Überlegungen, mehrere Feuerwehren zusammenzulegen?

HENRICH: Das kann man pauschal nicht sagen. Das muss vor Ort geprüft werden. Das hängt von den Strukturen und von der geografischen Lage der Kommune ab. Die Kommunen müssen in der Aufstellung der Bedarfs- und Entwicklungspläne der Feuerwehren die Zehn-Minuten-Hilfsfrist und die Anforderungen der Einsatzkräfte in jedem Ausrückebereich berücksichtigen. Wenn in Kommunen mehrere Ortsteile eng zusammenhängen und dort auch ein Neubau geplant ist, sollte man es zumindest prüfen.

Vor ein, zwei Jahren waren Migranten in der Feuerwehr ein großes Thema. Hat sich da in der Wetterau etwas Neues ergeben?

HENRICH: Ich war gerade dieser Tage beim Kreiszeltlager der Jugendfeuerwehren und konnte dabei erfreulicherweise feststellen, dass es eine ganze Reihe von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in den Jugendfeuerwehren gibt. Diese Form der Integration funktioniert sehr gut, aber wir erreichen die Migranten ausschließlich über die Jugendlichen. Quereinstiege von Erwachsenen haben wir so gut wie keine. Ich hoffe aber, dass wir über die Jugendlichen auch die Eltern für die Feuerwehren gewinnen können.

Das Thema „Tageseinsatzbereitschaft“ ist ein immer wieder aufkommendes Thema. Wie kann die Sicherheit auch in Zukunft gewährleistet werden?

HENRICH: Wir haben die Situation erkannt, dass durch viele Berufspendler die Tagesalarmbereitschaft allein durch eine Kommune nicht gewährleistet werden kann. Im Rahmen der Alarmplanerstellung alarmieren wir dann mehrere Feuerwehren. Wir können nicht sagen, wie die personelle Entwicklung weitergeht. Zurzeit haben wir wieder mehr Menschen, die sich für das Ehrenamt in der Feuerwehr interessieren.

Die werden dann natürlich häufiger zum Einsatz gerufen, was wiederum bei deren Arbeitgebern nicht nur Freude hervorruft?

HENRICH: Ja, genau deshalb ist es auch wichtig, dass hier auch positive Anreize für die Arbeitgeber geschaffen werden. In der Diskussion ist eine steuerliche Entlastung für diejenigen Arbeitgeber, die Feuerwehrleute für ihren Einsatz freistellen.

Für Sie persönlich, was war der größte Einsatz in Ihrer bisherigen Amtszeit?

HENRICH: Das war das Großfeuer in Büdingen, in der Orleshäuser Straße. Da hat eine Lagerhalle genau gegenüber der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung gebrannt. Zum Glück kam niemand ernsthaft zu Schaden. red

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