11.11.2017 03:30 |

Mordprozess: Tödliche Tomahawk-Hiebe in den Nacken

Niddatal Fünf bis acht Minuten dauerte am 7. April der Todeskampf des getöteten 40-jährigen Ilbenstädters. Er wurde in seiner Wohnung mit einem indianischen Beil erschlagen. Gestern begann der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter.

Die Verteidiger Friederike Vilmar und Hans-Jürgen Kost-Stenger neben dem Angeklagten. Er soll das Opfer aus Ilbenstadt hinterrücks mit einem Tomahawk erschlagen haben.
Die Verteidiger Friederike Vilmar und Hans-Jürgen Kost-Stenger neben dem Angeklagten. Er soll das Opfer aus Ilbenstadt hinterrücks mit einem Tomahawk erschlagen haben.

Heimtücke und Habgier wirft der Staatsanwalt dem jetzt 21-jährigen Angeklagten vor. Der junge Mann im dunklen Kapuzenpulli folgte der Mordanklage gestern Nachmittag ohne sichtbare Regung. Zur Bluttat im Ilbenstädter Haus des Opfers werde er nichts sagen, kündigten die beiden Verteidiger zu Beginn an. Gestern wurde nur die Anklage verlesen, sie nannte Details der Tat.

Das Opfer und der Täter kannten sich schon seit Jahren, sagte Staatsanwalt Hahn, dabei lebten sie in unterschiedlichen Milieus. Das Opfer (40), ledig, verdiente als Vermögensberater gut, lebte im eigenen Haus an der Gronauer Straße im Ilbenstädter Neubaugebiet. Die Einliegerwohnung hatte er an einen Freund vermietet.

Es ging um 100 000 Euro

Der mutmaßliche Täter, damals 20, war arbeitslos, lebte bei seiner Mutter in Weilrod im Taunus. Seine Freundin war schwanger, er wollte sie heiraten und ein Auto, das etwas hermacht – einen Camaro. Er brauchte also Geld. Mit dem Opfer habe der spätere Täter einen Bargeldtausch verabredet, so der Staatsanwalt. Große Geldscheine, die der junge Weilroder angeblich hatte, sollten im Hause des Ilbenstädters in Hunderter- und Zweihunderter-Noten getauscht werden. Das Opfer habe sich 100 000 Euro von Anleger-Konten seiner Kunden aufs eigene Konto bei der Sparkasse Oberhessen überwiesen und das Geld dann in Bar abgehoben. Der Bank erzählte er, das Geld sei für einen Autokauf vorgesehen.

Am 7. April mittags trafen sich Opfer und mutmaßlicher Täter. Der Angeklagte kreuzte nicht mit seinem Dodge-Truck bei dem Opfer auf, sondern im Golf seiner Mutter. Beim Geschäft wollte der 40-jährige Geschäftsmann anfangs seinen Mieter als „Zeugen“ dabei haben, er wurde aber auf Druck des Angeklagten weggeschickt. Später sah ein Nachbar die beiden Männer auf der Terrasse des Hauses. Als der Mieter ungeduldig wurde und nachschaute, lag das Opfer in einer Blutlache hinter der Terrassentür.

Der Beschuldigte habe den Mord seit Tagen geplant, so der Staatsanwalt. Er wollte sicher sein, dass viel Geld im Haus ist. Gleichzeitig googelte er Begriffe wie „Genickbruch – was passiert da?“, „Schlag in den Nacken – Folgen“ und „Elektroschocker – wie viel Volt sind tödlich?“ Zum Treffen nahm er laut Anklage ein 800 Gramm schweres indianisches Beil mit. Er versteckte es unter seiner Kleidung und schlug damit zu, als das Opfer am Esszimmertisch vor dem Laptop saß. Mit Hieben in Nacken und Hals streckte er ihn zu Boden, durchtrennte Arterien und die Halswirbelsäule bis ins Mark. Der Ilbenstädter sei binnen fünf bis acht Minuten an seinem Blut erstickt,.

Viele Spuren hinterlassen

Der Täter schnappte sich die 100 000 Euro, den Laptop und das Mobiltelefon des Opfers und fuhr davon. Doch weil er so viele Spuren hinterlassen hatte, kam ihm die Polizei schnell auf die Schliche; am nächsten Morgen nahm sie ihn in einem Taxi fest. Geld und Tatwaffe stellte man sicher. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Vor einem Monat sei er Vater geworden, sagte seine Verteidigerin.

Das Gericht wird in etwa zwölf Verhandlungstagen nach Antworten auf die vielen noch offenen Fragen dieses Mordes suchen. Und entscheiden, ob der im April 20-jährige Angeklagte als Heranwachsender eingestuft werden muss. Dann drohen ihm maximal 15 Jahre Haft. Ansonsten muss er laut Staatsanwalt Thomas Hauburger mit Lebenslang rechnen. Der Prozess wird am 17. November ab 14 Uhr am Gießener Landgericht fortgesetzt.

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