12.11.2017 17:32 | Von Christian Fahrenbach, dpa

20 Jahre „König der Löwen” am Broadway

New York Das Musical mit den Songs von Elton John ist die erfolgreichste Bühnenshow aller Zeiten. Nun hofft Disney mit „Frozen” auf einen neuen Hit. Doch das Geschäft ist knallhart und so manche Idee des Unterhaltungsriesen am Broadway ist bereits gefloppt.

Einer der Hauptdarsteller des Musicals "König der Löwen" 2001 in Hamburg.
Einer der Hauptdarsteller des Musicals "König der Löwen" 2001 in Hamburg. Bild: Ulrich Perrey

Thomas Schumacher nimmt kein Blatt vor den Mund. „20 Jahre, das ist eine furchtbar lange Zeit!”, sagt er auf der Bühne des Minskoff Theatre am New Yorker Broadway, dem Ort, an dem bisher mehr als 8 300 Mal „Der König der Löwen” über die Bühne gegangen ist.

Gerade ist eine besondere Jubiläumsvorstellung zu Ende gegangen, der Applaus für den Disney-Theatermanager ist riesig. 

Viele frühere Ensemblemitglieder sitzen im Publikum, genauso wie Julie Taymor, die Theaterregisseurin, die den Animationsfilm federführend auf die Bühne übertragen und damit einen Megahit geschaffen hat. Selbst Komponist und Sänger Elton John lässt es sich für eine Zugabe nicht nehmen, selbst „The Circle of Life” am Klavier zu singen.

Das hat einen guten Grund, denn auch nach 20 Jahren ist die Show weltweit eine Gelddruckmaschine für den Disney-Konzern. Neben der Broadway-Aufführung, die am 13. November 1997 Premiere feierte, gibt es unter anderem „The Lion King” in London und „El Rey Leon” in Mexiko-Stadt, eine internationale Tour soll 2018 beispielsweise durch Singapur, Südkorea und Thailand führen. In Hamburg läuft „Der König der Löwen” seit mehr als 15 Jahren auf Deutsch in einem eigens gebauten Theater am Hafen.

In Summe ist das Stück damit die erfolgreichste Bühnenproduktion aller Zeiten: Auf 7,9 Milliarden Dollar (heutzutage: 6,8 Milliarden Euro) bezifferte die New York Times jüngst das weltweite Gesamteinspiel des Löwen-Musicals - ungefähr das Dreifache dessen, was der erfolgreichste Film aller Zeiten, „Avatar” eingespielt hat. 

Und Disney hofft nach dem „Lion King” bereits auf den nächsten Hit. Die beiden Prinzessinnen Elsa und Anna aus „Frozen”, deutscher Titel „Die Eiskönigin”, stehen in den Startlöchern und laut New York Times gilt es, bis zu 30 Millionen Dollar Produktionskosten wieder einzuspielen.

Nach einer aktuell zum Test für den New Yorker Markt laufenden Produktion in Denver - dort werden kleinere Schwächen ausgebügelt - beginnen erste Vorpremieren des Stücks am Broadway im Februar. Viele Vorstellungen im ersten halben Jahr sind bereits ausverkauft, der Megahit „Let It Go” taugt anscheinend genauso gut als Zugpferd wie 1997 „The Circle of Life”. 

Die Zeichen stehen auf Erfolg, doch das war nicht immer für Disney so. Auch wenn der Konzern mit „Die Schöne und das Biest” in den USA die bis dahin oft etwas operettenhafte Musicalwelt für immer verändert hat und mit „Aladdin” aktuell noch einen weiteren soliden Umsatzbringer am Start hat - das Unternehmen erlebte auf dem heißesten Theatermarkt der Welt auch Flops. „Tarzan” kam mit Müh und Not auf ein Jahr Spielzeit und auch für die Adaption von „Arielle, die kleine Meerjungfrau” war nach rund anderthalb Jahren Schluss.

Das Unternehmen ist damit nicht allein, Musicals sind in New York nicht nur ein riesiges, sondern auch ein hartes Geschäft. Die Einnahmen in den drei Dutzend New Yorker Broadway-Theatern belaufen sich zwar auf das 1,5-fache der gesamten deutschen Kinobranche, doch was nicht funktioniert, wird gnadenlos aussortiert und die millionenschweren Budgets sind dann verloren.

Mehr als 700 weitere Musicals seien nach dem „Lion King” bereits gestartet, sagte Schumacher bei der Jubiläumsshow am Sonntag, den 6. November. Die allermeisten davon sind bereits wieder verschwunden und die Liste der Misserfolge ist lang. Zuletzt hob sich beispielsweise für „Die fabelhafte Welt der Amélie” schon nach zwei Monaten zum letzten Mal der Vorhang. Und „Holler if ya hear me” über das Leben des Rappers Tupac Shakur kam trotz acht Millionen Dollar Budget gerade einmal auf 38 reguläre Vorstellungen. 

(Von Christian Fahrenbach, dpa)

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