12.09.2017 09:16 | Von Nada Weigelt, dpa

Art Cologne setzt auf Standbein in Berlin

Berlin Kooperation statt Konkurrenz: Die Art Cologne arbeitet bei der diesjährigen Berlin Art Week erstmals mit der früheren abc zusammen. Das soll den Kunststandort Deutschland stärken.

„Delights of an Undirected Mind” von Nathalie Djurberg & Hans Berg. Das schwedische Künstlerduo ist durch seine Trickfilme bekanntgeworden. Bilder >
„Delights of an Undirected Mind” von Nathalie Djurberg & Hans Berg. Das schwedische Künstlerduo ist durch seine Trickfilme bekanntgeworden. Bild: Jörg Carstensen

„Arm, aber sexy” - der legendäre Berlin-Spruch stimmt für keinen anderen Bereich so sehr wie für die Kunst. Die Hauptstadt gilt international als Hotspot der Szene. Nirgends sonst leben so viele Künstler wie hier, aber es fehlt an potenten Käufern.

Das soll sich jetzt ändern. Erstmals mischt bei der am Mittwoch beginnenden Art Week (13. bis 17. September) der Veranstalter der erfolgreichen Art Cologne mit.

Die Koelnmesse hat die zuletzt arg angeschlagene abc (art berlin contemporary) übernommen und mit ihr die Art Berlin gegründet. „Wir haben jetzt erstmals die Möglichkeit, langfristig zu denken und das Projekt mehrjährig zu entwickeln”, sagt die frühere abc-Chefin und Direktorin der neuen Messe, Maike Cruse.

2008 von führenden Berliner Galerien gegründet, hatte sich die abc mehr als eine Ausstellungsplattform verstanden, bei der ausgewählte Galerien jeweils einen Künstler vorstellen. Das neue Format dagegen ist laut Cruse eine klassische Verkaufsmesse, die für Sammler attraktiver ist. 110 Aussteller präsentieren in zwei großen Hallen des früheren Postbahnhofs Station Berlin unterschiedlichste Positionen - über das Zeitgenössische hinaus nun auch Kunst der Moderne.

Die Koelnmesse setzt eigenen Angaben zufolge darauf, die neue Art Berlin langfristig neben der Art Cologne zu einer führenden Kunstmesse zu entwickeln. Gerald Böse, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Koelnmesse, sagt, bei intensiven Gesprächen mit Berlin sei klargeworden, „dass eine Zusammenführung der wichtigsten Player in Deutschland der richtige Weg ist, um sich den Herausforderungen des deutschen Kunstmarkts zu stellen”.

In der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft hält man sich mit einer Beurteilung der Entwicklung vorerst zurück. Mit besonderer Aufmerksamkeit schaut aber Kristian Jarmuschek auf das Projekt. Der Vorsitzende des Bundesverbands Deutscher Galerien und Kunsthändler (BVDG) ist zugleich Geschäftsführer der Positions Berlin, die seit vier Jahren das zweite Standbein der Berliner Kunstwoche ist.

„Ich hoffe, dass wir zu einer friedlichen Koexistenz kommen und vielleicht sogar über Kooperationsmöglichkeiten nachdenken, statt uns zu kannibalisieren”, sagte der Galerist. „Die Koelnmesse hat zugesagt, nicht gegen, sondern ergänzend zu uns anzutreten. Da nehme ich sie gern beim Wort.” Jarmuschek und sein Co-Direktor Heinrich Carstens präsentieren dieses Mal in der Arena Berlin 84 ausgewählte Galerien aus 15 Ländern - ebenfalls mit zeitgenössischer und moderner Kunst.

Daneben gibt es bei der sechsten Ausgabe der Art Week erneut zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen, eine Retrospektive zu Harun Farocki, in Zusammenarbeit mit Olafur Eliasson ein „Festival of Future Nows”, Talks, Preise und Führungen. Der me Collectors Room des Sammlers Thomas Olbricht gibt mit der Schau „Portrait of a Nation” einen ungewöhnlichen Einblick in das Schaffen von 50 zeitgenössischen Künstlern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Wirtschaftsenatorin Ramona Pop (Grüne) spricht von einem „attraktiven Schaufenster” der zeitgenössichen Kunst. „Mit über 150 Veranstaltungen im Programm und zahlreichen Höhepunkten wollen wir auch dieses Mal die Besuchermarke von 100 000 knacken.”

(Von Nada Weigelt, dpa)

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