20.04.2017 03:30 | Thomas Ungeheuer

Im Kino: Bei Rassenhass hilft so schnell kein Doktor

Auch die französische Komödie „Ein Dorf sieht schwarz“ kreist um Flüchtlinge. Hier lässt sich ein afrikanischer Arzt samt Familie in Frankreich nieder.

Auf den erfolgreichen Abschluss eines Studiums muss man stolz sein. Genau das ist Seyolo Zantoko (Marc Zinga) auch. Hat doch der aus Zaire (heute die Demokratische Republik Kongo) stammende Mann an der Universität von Lille (Nordfrankreich) Medizin studiert. Bloß zurückkehren in seine Heimat, um dort Leibarzt des Präsidenten Mobutu zu werden, das will Seyolo nicht. Ihm erscheint dessen Politik zu korrupt. In Frankreich hingegen würde der junge Mediziner gerne praktizieren. Nur fehlt ihm eine Arbeitserlaubnis. Er könnte aber eine bekommen. Schließlich sucht der Bürgermeister Ramollu (Jean-Benoît Ugeux) seit Jahren einen Arzt, der sich in seiner kleinen Gemeinde Marly-Gomont niederlassen würde.

Voller Zuversicht nimmt Seyolo das Angebot an. Schnell holt er seine Frau Anne (Aissa Maiga) und die gemeinsamen Kinder Sivi (Medina Diarra) und Kamini (Bayron Lebili) nach Frankreich. Doch in dem Dorf nördlich von Paris ist die Familie nicht willkommen. Zunächst bleibt die Praxis von Seyolo deshalb leer.

Noch zu seinen Lebzeiten hatte der 2009 verstorbene Seyolo Zantoko die Idee, seine Geschichte zu verfilmen. Beim Schreiben des Drehbuchs half sein Sohn Kamini dem Autor Benoît Graffin und dem Regisseur Julien Rambaldi. So entstand eine Komödie, die in einer unaufdringlichen, ja klugen Weise auf ganz alltäglichen Rassismus aufmerksam macht. Einen, der heute nicht weniger existent ist als in der Mitte der 70er Jahre, in denen das Geschehen um die Familie Zantoko spielt. Denn Sätze wie „Der riecht wie Kacke“ bekommen Kinder mit Migrationshintergrund auch heute noch von Mitschülern zu hören.

Das Besondere an „Ein Dorf sieht schwarz“ ist jedoch, dass der Regisseur und seine Autoren all die Figuren, die den Fremden mit verschieden starkem Argwohn begegnen, recht differenziert zeichnen. Somit wirkt der stimmig ausgestattete Film zu keiner Zeit belehrend. Er macht lediglich nachdenklich. Das dies gelingt, liegt freilich auch an dem reizvollen Schauspiel der Darsteller und Darstellerinnen, die den leisen und mitunter ironischen Humor der Geschichte erfrischend interpretieren. Sehenswert

 

Frankfurt: Cinema (D+OmU), Mal seh’n

 

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