19.04.2017 03:00 |

Mezzosopranistin Elina Garanca mit neuer CD: Ein Bauernmädchen hat gewaltigen Rachedurst

Mit ihrer CD „Revive“ wechselt der lettische Mezzostar Elina Garanca das Fach. Statt lyrischer Knabenpartien singt sie veristische und romantische Arien.

Wie eigenwillig die Mezzokönigin aus Riga ist, lässt sich anhand ihrer neuesten Einspielung beobachten. Mit 40 Jahren im Zenit, stellt Elina Garanca sich die Frage, was sie in den nächsten 10 bis 15 Jahren singen möchte. Vor allem weg von den jugendlichen „Hosenrollen“ à la Strauss und Mozart und hin zur betrogenen Santuzza aus Mascagnis Verismo-Oper „Cavalleria Rusticana“.

Wer hört, wie gewaltig sie den Rachedurst des Bauernmädchens als Eröffnungsarie auf „Revive“ präsentiert, kann kaum glauben, dass Elina Garancas Stimme anfänglich von ihrer ebenfalls singenden Mutter als „zu klein“ befunden wurde.

Dass die oft als „unnahbar“ beschriebene Mezzosopranistin die Themen ihrer Alben quasi eins zu eins biografisch anlegt, sollte nicht überraschen. Schließlich zeichnet sich die Garanca neben strahlender Höhe, klarer Diktion und edler Fokussierung auch durch überraschende Direktheit aus. Speziell ihre letzten drei CDs waren bereits autobiografisch gefärbt und lassen mit den klaren Bekenntnissen der Sängerin mehr vermuten als eine gute PR.

Mit „Habanera“ reagierte sie auf den neuen Wohnsitz in Spanien an der Seite ihres dirigierenden Mannes Karel Mark Chichon, mit „Romantique“ besang sie ihre erste Schwangerschaft, während „Meditation“ zweifach für die Verarbeitung großer Ereignisse sorgte: die Geburt der zweiten Tochter und die fast gleichzeitig beginnende Krebserkrankung ihrer Mutter.

„Revive“ versammelt Arien starker Frauen, die nach schwachen Momenten wieder Mut fassen und ins Leben zurückkehren. Auch dies Phasen, die Elina Garanca selbst in den letzten anderthalb Jahren durchlebte. Bis zum Schluss an der Seite ihrer sterbenden Mutter, blieb der großen Sängerin nach deren Tod für eine Weile die Stimme weg. Der große Wille, sich nach angemessener Trauerzeit wieder neu auf Bühne und Konzertpodium zurück zu kämpfen, klingt in vielen der Arien an. Ob sie als Verdis Prinzessin Eboli auftrumpft, als hochdramatische Laura in Ponchiellis „La Gioconda“ himmlischen Beistand erfleht oder die praktisch nie auf der Opernbühne zu hörende Rarität der Anne aus Saint-Saëns’ „Henry VIII“ mit beachtlicher Zielstrebigkeit intoniert: Immer präsentiert sich La Garanca klug gestaltend, wunderbar farbintensiv und an entscheidender Stelle mit einer frei flutenden Emphase, die den Zuhörer nach Luft schnappen lässt.

Besonders wirksam setzt sie das im „Acerba volutta“ ihrer Fürstin von Bouillon aus Cileas „Adriana Lecouvreur“ und in Didos horizonterweiterndem „Adieu, fiere cité“ aus Berlioz’ „Les Troyens“ ein. Mignons selten gehörte, tief verträumte Arie vom Land der Goldorangen (Ambroise Thomas) beweist, dass Elina Garanca dem französisch-lyrischen Repertoire auch weiter treu bleiben will.

Für „Revive“ hat die berühmte Lettin Claudio Abbados Neffen Roberto zu ihrem Dirigenten auserkoren, samt dem Orquestra de la Comunitat Valenciana. Obwohl die spanischen Musiker La Garanca bei jeder gestalterischen Wendung auf Händen tragen, spürt man doch im Gegensatz zu ihren Bühnenkonzerten eine gewisse Reserviertheit. Mehr noch als andere Sängerinnen braucht die große Interpretin die Energie des Publikums. Keine ihrer wiederauferstandenen, starken Frauen auf CD klingt so überzeugend wie bei ihrem Live-Auftritt. Hat sie doch nach eigenem Bekenntnis Schwierigkeiten, zu einem „Metallobjekt wie dem Mikrofon“ eine ebenso tiefe Beziehung aufzubauen wie zu Menschen in Konzertsälen. Wer will ihr das verdenken?

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