14.11.2017 03:30 | Joachim Schreiner

Konzert: Mal der große Emotionsvulkan, mal nicht: Glen Hansard in der Alten Oper

Frankfurt Sänger und Songschreiber Glen Hansard verzauberte den Mozartsaal von Frankfurts Alter Oper mit irischen Balladen und urwüchsigen Rocksongs.

Will offenbar viele Seelen retten, vielleicht sogar seine eigene: Glen Hansard.
Will offenbar viele Seelen retten, vielleicht sogar seine eigene: Glen Hansard. Bild: Sven-Sebastian Sajak

„High Hope“ und „Time Will Be The Healer“ sind in ihrer inhaltlichen Aussage als erste Songs des Hansard-Konzerts im restlos ausverkauften kleinen Saal ebenso prägnant wie die „Save-A-Soul-Mission“ als Aufdruck auf einer Trommel im Bühnenhintergrund. Glen Hansard befindet sich in der Alten Oper auf selbsterklärter Mission, eine Seele zu retten. Und die Zeit wird schon alles gut machen, ist er optimistisch. Was erstmal klingt wie die naiven Ausführungen eines Baptistenpredigers, wird durch die charismatische, leicht bärbeißige Stimme des bärtigen Iren und dessen entschlossenes Auftreten zur überzeugenden Reise in seine Seelenlandschaft.

Es sind tiefe Emotionalität, ungebrochene Leidenschaft, ja vielleicht sogar religiöser Impetus, die die Musik des 47 Jahre alten Glen Hansard auszeichnen. Und immer wieder nimmt er sich in langen Anmoderationen Zeit, die Ursprünge seiner textreichen Songs zu erklären.

Mundharmonika

Mit zunehmender Dauer hat das Konzert Session-Charakter, denn zum Teil wirkt sein Kollege Rob Bochnik, wie Hansard selbst früheres Mitglied von „The Frames“, als Vorprogramm mit, später gesellen sich zwei junge Musiker aus dem Publikum spontan dazu und spielen Gitarren und gekonnt Mundharmonika.

Der Stil des gespielten Materials bewegt sich souverän und gekonnt zwischen Folk, Rock, reichlich Soul und traditionellen irischen Einflüssen. Bei „Grace Beneath The Pines“ von seinem jüngsten Soloalbum „Didn’t He Ramble“ (2015) beispielsweise könnte Glen Hansard mit seinem Holzhocker genauso gut in einem irischen Pub sitzen, während Regen an die Scheiben schlägt und an der Bar die Guiness-Gläser klirren.

Je länger Glen Hansard singt, je intensiver der Ire seine Schmerzenssongs wie „Vigilante Man“, ein Woody Guthrie-Cover, oder „Winning Streak“ mit Inbrunst ins Mikrofon, man kann fast schon sagen: heult, desto mehr kommt man auf die Idee, dass es Hansard selbst ist, dessen Seele auf dieser liedgewordenen Mission gerettet werden soll.

Glen Hansard, der bereits mit „Boss“ Springsteen die Bühne teilte und davon im Frankfurter Konzert erzählte, benötigt kaum weniger als zwei Songs, um das Publikum hinter sich zu bringen.

Falsettpassagen

Künstler und Publikum bildeten hier über mehr als zwei Stunden eine dichte Einheit, wie Priester und Gläubige im Gottesdienst. Sowohl bei „High Hope“ vom ersten Album „Rhythm And Repose“ (2012) und insbesondere auch bei „Bird Of Sorrow“ zeigt der Ire, wozu seine Stimme fähig ist. Da ist der sanfte Ton in den Falsettpassagen ebenso wie die raue Unbändigkeit, wenn die Emotionen aus ihm herausbrechen.

Man merkt, dass diese Songs, darunter „Shelter Me“ und „My Little Ruin“, ihren Ursprung in den Straßen und Pubs Dublins haben, wo der Autodidakt noch in den 80ern tingelte, um sich als Musiker ein paar Pfund zu verdienen. Lange bevor er mit dem Filmhit „Falling Slowly“ über Nacht weltweite Bekanntheit erreichte. Zuvor hatte er etwa das energetische „When Your Mind’s Made Up“ interpretiert.

Dass er nicht immer der ganz große Emotionsvulkan sein muss, zeigt Glen Hansard bei eher bluesigen Rocksongs wie „Paying My Way“ oder bei „Way Back In The Way Back When“. Irische Pub-Stimmung kommt dann noch einmal bei der Zugabe auf, wenn zu „Lowly Deserter“ und „McCormack’s Wall“ Rob Bochnik die Mandoline auspackt.

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