17.03.2017 13:14 | Von Katja Schwemmers, dpa

Roger Ciceros letzte Aufnahme erscheint

Hamburg Bald jährt sich der Todestag von Pop- und Jazz-Künstler Roger Cicero zum ersten Mal. In Gedenken an den Musiker mit der Ausnahmestimme erscheint ein Best-of-Album - es enthält auch seine letzte Aufnahme.

Roger Cicero 2015 bei der Verleihung des „Echo Jazz” in Hamburg. Foto: Daniel Reinhardt
Roger Cicero 2015 bei der Verleihung des „Echo Jazz” in Hamburg. Foto: Daniel Reinhardt

Die Nachricht vom Tod Roger Ciceros war für alle ein Schock - der in Berlin geborene Künstler wurde plötzlich aus dem Leben gerissen.

Mit nur 45 Jahren erlitt der Wahl-Hamburger einen Hirnschlag, fiel ins Koma und starb am 24. März vergangenen Jahres. Dabei lebte der Sohn des Jazz-Pianisten Eugen Cicero (1940-1997) sehr gesundheitsbewusst: keine Zigaretten, kein Alkohol; als Ausgleich zu seinem stressigen Alltag machte er Yoga.

In seinen Liedern schwang der Tod jedoch oft mit - man denke nur an das nachdenkliche „In diesem Moment”, das nach seinem Ableben mit zweieinhalb Millionen Youtube-Klicks zum viralen Hit wurde. Als es 2011 erschien, klang es wie eine späte Hommage: Schon sein Vater war im Alter von 57 Jahren an einem Schlaganfall gestorben. Roger Cicero hatte ihn damals leblos in dessen Schlafzimmer gefunden.

„Ich glaube, dass er immer damit gerechnet hat, dass ihn das gleiche Schicksal ereilen könnte”, erklärt sein Produzent und Freund Roland Spremberg im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Gerade auf dem letzten Studioalbum gibt es mehrere Texte, die das Thema aufgreifen: „Wenn es morgen schon zu Ende wär' ” ist ja fast schon eine selbsterfüllende Prophezeiung.” Das Lied geht weiter mit der Zeile „Dann leb ich vielleicht heute, nur 'n kleines bisschen mehr.”

„Genau so hat Roger gelebt: immer ganz viele Pläne, drei Platten auf einmal und das nächste Projekt schon in der Planung”, sagt Spremberg. Ciceros musikalischer Umtriebigkeit ist es zu verdanken, dass sein Schaffen auch posthum Würdigungen erfuhr: Für sein Album „The Roger Cicero Jazz Experience”, mit dem er zu seinen Wurzeln zurückgekehrt war, wurde er beim Jazz-Echo als Sänger des Jahres national ausgezeichnet. Seine 2015 live in Hamburg aufgenommene CD „Cicero Sings Sinatra” - ein Herzensprojekt, in das er all seine Energie gesteckt hatte - erreichte in Deutschland jüngst Gold-Status für 100 000 verkaufte Einheiten.

Am Freitag (17. März) erscheint nun sein musikalisches Vermächtnis in Form des Greatest-Hits-Albums „Glück ist leicht - Das Beste von 2006-2016”. Es erinnert an den Mann mit Hut, der mit Hits wie „Zieh die Schuh' aus”, „Ich atme ein” und „Murphys Gesetz” die Brücke zwischen Pop und Jazz schlug und den Bigband-Sound mit Augenzwinkern auch dank der Liedtexte von Frank Ramond salonfähig machte. Und der mit „Frauen regier'n die Welt” 2007 für Deutschland beim Eurovision Song Contest (ESC) antrat.

Fans dürften sich besonders über die zwei bisher unveröffentlichten Aufnahmen der Zusammenstellung freuen: Neben einer Bossa-Nova-Version des Sportfreunde-Stiller-Hits „Ein Kompliment” ist das die neue Single „Eine Nummer zu groß”. Cicero hatte sie Ende 2015 mit Spremberg und Tobias Röger geschrieben. „Das Stück war eigentlich schon für sein nächstes Album geplant”, sagt Spremberg. „Der Gesang, der dort zu hören ist, stammt von der Demo-Aufnahme, die Roger eingesungen hatte. Wie Roger nun mal war, klang auch die schon perfekt.”

Spremberg, dem es auch ein Jahr nach Ciceros Tod noch schwer fällt, seiner Musik zu lauschen, erinnert sich gern an die Tage in seinem Studio im Hamburger Schanzenviertel. „Was ich immer in Erinnerung behalten werde, ist sein strahlendes Lächeln und seine herzliche Art. Die gute Laune, die er ins Studio reingetragen hat, war ansteckend.”

Auch Eigenarten des Ausnahmesängers sind ihm in bester Erinnerung: „Ich habe zwei Fensterscheiben im Studio. Roger hat es geliebt, sich beim Singen in der gegenüberliegenden Scheibe zuzugucken. Er hat sich quasi die ganze Zeit selbst angesungen und fand das supertoll”, erzählt der Produzent. „Ich habe ihn damit immer aufgezogen. Im Grunde war das ja eine Kritik an seiner Eitelkeit, aber darüber konnte er herzhaft lachen.”

(Von Katja Schwemmers, dpa)

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