09.11.2017 03:30 | Martin Schwickert

Tragikomödie "Simpel": Selbstlose Bruderliebe

In Markus Gollers Kinofilm „Simpel“ spielt Frederick Lau einen jungen Mann, der aufopferungsvoll für seinen geistig behinderten Bruder sorgt.

Ben (Frederick Lau, links) wird von Aria (Emilia Schüle) verarztet. Sein Bruder Simpel (David Kross) schaut besorgt zu.
Ben (Frederick Lau, links) wird von Aria (Emilia Schüle) verarztet. Sein Bruder Simpel (David Kross) schaut besorgt zu. Bild: Gordon Timpen (Universum Film)

Fast sein ganzes Leben lang hat sich Ben (Frederik Lau) um seinen jüngeren Bruder gekümmert. Barnabas (David Kross), genannt Simpel, ist zwar mittlerweile 22 Jahre alt, wird aber auf absehbare Zeit aufgrund seiner geistigen Behinderung nicht alleine zurechtkommen. Als die Mutter stirbt, versucht Ben das Sorgerecht für seinen Bruder zu bekommen, aber der Vater, der die Familie längst im Stich gelassen hat, verfügt, dass Barnabas ins Heim kommen soll.

Als die Polizei vor der Tür steht, brennt Ben kurzerhand mit dem Bruder im Einsatzwagen durch. Vom platten Land geht es nach Hamburg, wo der Vater (Devid Striesow) mit seiner neuen Familie wohnt. Der freut sich über die Rückkehr des verlorenen Sohnes Ben, will aber von dem behinderten Bruder nichts wissen.

Als übersichtliches Bruder-Road-Movie hat Markus Goller seinen Film „Simpel“ nach dem Jugendroman der französischen Autorin Marie-Aude Murail angelegt und bleibt damit dem Genre treu, das er schon vor sieben Jahren in „Friendship!“ bedient hat. Ungeheuer rührig wird die Bruderliebe zwischen dem selbstlosen Kümmerer Ben und dem durch und durch liebenswert verrückten Barnabas in Szene gesetzt. Dass die beiden gemeinsam durch dick und dünn gehen, steht nie wirklich infrage, auch wenn Barnabas schon mal die Wohnung einer Freundin abfackelt, die von der allgegenwärtigen Emilia Schüle als coole Medizinerbraut gespielt wird. Klar, dass Ben sich in die schöne angehende Ärztin verguckt und anscheinend zum ersten Mal auf die Idee kommt, dass er auch ein eigenes Leben haben könnte.

„Simpel“ krankt erheblich an der Glaubwürdigkeit seiner Figuren, die eindimensional charakterisiert und in aufgesetzte Konflikte hineingetrieben werden, deren harmonische Auflösung sich umgehend abzeichnet. Die Probleme um Zuneigung und Verantwortung im Zusammenleben mit behinderten Menschen werden in „Simpel“ vollkommen oberflächlich behandelt, um den flauschigen Wohlfühlcharakter des Unterhaltungsprodukts nicht ernsthaft zu gefährden. Schwach

In diesen Kinos

Frankfurt: Cinema. Mainz: Cinestar

Kommentare



zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Ein neues Posting hinzufügen


Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.
Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername: *
gewünschtes Passwort: *
Wiederholung Passwort: *
E-Mail: *
Kundennummer falls vorhanden:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage: Wie lautet der erste Buchstabe im Alphabet?: 

Weitere Artikel aus Kultur

Weitere Artikel aus Kultur

Rubrikenübersicht