13.11.2017 03:00 | Katja Sturm

Der Böse in dir: Theater „Jekyll & Hyde“ sorgt im English Theatre für Grusel

Regisseur Tom Littler inszeniert erstmals ein Musical und macht aus der Vorlage von Robert Louis Stevenson in Frankfurt einen düsteren Traum.

Die Verwandlung: Aus dem Wissenschaftler Dr. Jekyll wird der gewalttätige Mr. Hyde (John Addison).
Die Verwandlung: Aus dem Wissenschaftler Dr. Jekyll wird der gewalttätige Mr. Hyde (John Addison). Bild: martinkaufhold.de

Robert Louis Stevensons „Seltsamer Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ ist eine Horrorgeschichte vom Feinsten. Nur allmählich enthüllt sich dem Leser der 1886 erschienenen Novelle des schottischen Autors das tiefgründige Geheimnis des angesehenen Wissenschaftlers, der damit experimentiert, das Böse in sich vom Guten zu trennen, und sich so immer öfter in ein Wesen verwandelt, das andere missachtend und schließlich sogar mordend durch die dunklen Straßen Londons zieht.

Das 1990 entstandene Musical von Frank Wildhorn mit Texten von Leslie Bricusse, das in der Inszenierung von Tom Littler am Samstag seine Premiere im English Theatre Frankfurt gefeiert hat, erzählt die Gruselstory auf andere Art. Jekyll tritt von Beginn an als Forscher auf, dessen Wissensdurst von der Gesellschaft gebremst wird. Getrieben vom Gedanken an die Heilung seines psychisch erkrankten Vaters, nimmt er die fatale, eine Teilung des Ichs herbeiführende Droge selbst zu sich. Seinen Kampf gegen seine Gegner und mit dem allmählich die Herrschaft übernehmenden Dämon, den er entfesselt hat, begleitet das Publikum so durch das gesamte, mehr als zwei Stunden währende Stück.

Hang zum Unheimlichen

Seinen Hang zum Unheimlichen hat Regisseur Littler an gleicher Stelle schon in der vergangenen Saison mit seiner Interpretation von Oscar Wildes „Bildnis des Dorian Gray“ bewiesen. Nun hat sich der Brite an ein neues Genre gewagt. Und zieht damit vom ersten Moment an in den Bann. Das beeindruckende Bühnenbild und die Kostüme von Neil Irish versetzen die Zuschauer direkt ins 19. Jahrhundert. In einem Halbrund ist ein Chemielabor mit allerlei mysteriösen Behältern in den hohen Regalen eingerichtet, das sich mittels Vorhängen schnell in einen Salon oder einen Nachtclub verwandeln lässt. Außerhalb führen rechts und links stetig von Schattengestalten umlagerte Holztreppen auf eine Empore, auf der – mit sauberem Klang – ein kleines Ensemble unter der Leitung von Ed Hewlett die musikalische Grundlage für das Geschehen schafft.

Obwohl sie stellenweise etwas rockiger als das Original geraten ist, stört das die dichte Atmosphäre nicht, steigert vielmehr noch die Dramatik in entscheidenden Momenten. Etwa wenn Hauptakteur John Addison, der für seine Verwandlung des attraktiven Dr. Jekyll in den missgestalteten Mr. Hyde keinerlei Maske, nur einer anderen Körpersprache bedarf, sich in Qualen windet. Oder wenn er aus der Dunkelheit heraus voller Rachelust zähnefletschend auf diejenigen losgeht, die ihm im Wege stehen.

Die Mittel der Bühnentechnik wie wabernder Nebel, Gewittergeräusche oder Blitze (Lichtdesign: Richard G. Jones) sind so geschickt eingesetzt, dass manche Szene nicht minder schaudern lässt als in einem guten Film. Und dort, wo der Darstellung auf kleinstem Raum Grenzen gesetzt sind, werden überraschend kreative Wege beschritten. Da zudem jede Rolle ihrem Charakter entsprechend und auch gesanglich überzeugend besetzt ist, entfaltet sich so ein düsterer Traum, der tiefe Spuren hinterlässt.

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