Kommentar zur Eintracht: Eine Sorge weniger

Von Markus Katzenbach
Kevin Trapp (l) und Cheftrainer Adi Hütter stehen während einer Pressekonferenz von Eintracht Frankfurt zusammen.
Arne Dedert (dpa)/FNP

Für Überraschungen im Sommerverschlussverkauf war die Frankfurter Eintracht in den vergangenen Jahren immer wieder gut, diesmal verblüffte sie an den letzten Öffnungstagen des Fußballer-Basars gleich auf doppelte Weise: Erstens ist die Verpflichtung eines Kalibers wie Kevin Trapp ein Paukenschlag, mit dem wohl die wenigstens gerechnet hätten. Und zweitens war bislang eher unbekannt, dass die Stelle zwischen den Pfosten überhaupt ausgeschrieben war – als sich Trainer Adi Hütter unlängst noch einen „Qualitätsspieler“ gewünscht hatte, dürfte er eine andere Position als die des Torhüters im Kopf gehabt haben.

Im Grunde ist das noch eine weitere Überraschung: Dass die Frankfurter Verantwortlichen in den offenkundigen Problemzonen eben nicht mehr nachgelegt haben, Trapp hin oder her. Nach Chandlers Knieschaden ist die rechte Seite arg dünn besetzt, und im von Boateng und Mascarell verlassenen Mittelfeld schien der Bedarf größer zu sein. Dem Herzstück des Eintracht-Spiels hätte noch ein Schrittmacher gewiss gut getan, mehr Tempo ebenso – ein flotter Draufgänger wie Sebastian Rode in seinen besten Frankfurter Zeiten, der jetzt nach vielen Verletzungen auf der Dortmunder Tribüne zu versauern droht.

Freilich hat die Saison gerade erst angefangen, da kann aus dem Vorhandenen viel entstehen und zusammenwachsen. Der Transfermarkt aber ist zu Ende, nach ungewohnt zähen Wochen, in denen gewiss nicht alle Frankfurter Pläne aufgegangen sind. Fast eine Handvoll Pokalhelden ist weitergezogen, ohne viel Geld zu hinterlassen, und so mancher angeheuerte Nachfolger tut sich schwer. Obendrein ist man die meisten Spieler, die man ausgemustert ins Schaufenster gestellt hat, vorerst nicht losgeworden. Stendera und Co. lassen grüßen. Vielleicht zeigen sie ja jetzt, dass sie doch besser sind als der eine oder andere Neue?

Der Trapp-Transfer wiederum ist da einerseits nachvollziehbar, damit bei den vielen Unwägbarkeiten des großen Umbruchs nicht auch im Tor noch eine Baustelle entsteht. Andererseits ist er nicht ganz untypisch für die Schwierigkeiten bei den Personalplanungen dieses Sommers: Zweifelte man nur am Knie Rönnows oder doch an den Fertigkeiten des eigentlichen Hradecky-Erben insgesamt, war die Rückhol-Aktion des einstigen Kapitäns Trapp einfach nur eine zu günstige Gelegenheit oder all das zusammen? Wie auch immer: Gedacht war das erstmal anders. Während im Mittelfeld eine Leerstelle bleibt, drängeln sich nun insgesamt vier Schlussmänner zwischen den Pfosten. So oder so: Das Wiedersehen mit Kevin Trapp macht in Frankfurt Freude. Und: Eine Sorge weniger, immerhin.

Markus Katzenbach