09.11.2017 03:00 |

Brauchtum: Lieber Herr Nikolaus . . .

St Nikolaus Der Nikolaus ist weltweit gefragt. Aus Dutzenden Länder bekommt er jedes Jahr Post: Die größte Fangemeinde im Ausland ist mittlerweile in Taiwan. Der antwortet der Saarländer sogar auf Chinesisch.

Ein Darsteller im Nikolauskostüm hält in St. Nikolaus (Saarland) einen der vielen eingegangenen Luftpostbriefe in der Hand.
Ein Darsteller im Nikolauskostüm hält in St. Nikolaus (Saarland) einen der vielen eingegangenen Luftpostbriefe in der Hand. Bild: Oliver Dietze (dpa)

Der Nikolaus muss immer öfter auf Chinesisch antworten. Denn die Zahl der Briefe, die im Weihnachtspostamt im saarländischen St. Nikolaus aus Fernost ankommt, steigt Jahr für Jahr. „Die größte ausländische Fangemeinde vom Nikolaus sitzt mittlerweile in Taiwan“, sagt Bianca Wagner, die bei der Kinderbriefaktion für Post aus dem Ausland zuständig ist. Fast 1000 Briefe seien dort im letzten Jahr für den Nikolaus aufgegeben worden, plus mehrere 100 in der Volksrepublik China und Hongkong. Auch dieses Jahr zeichne sich ab: „Die Tendenz ist steigend.“

Stolz darauf

Aber warum? „Ich glaube, das ist, weil es hier um den richtigen Bischof von Myra geht und nicht um den Weihnachtsmann“, sagt Rudolf Langer als Nikolaus im violetten Bischofsmantel. Es spreche sich einfach rum. Und außerdem: „So viele Nikolause gibt es ja nicht, die Kinderbriefe beantworten“, sagt der 65-Jährige. Er jedenfalls sei sehr stolz, dass er Kinder in der ganzen Welt anspreche – und im vergangenen Jahr rund 21 000 Briefe aus gut 40 Ländern bekommen habe. Da er kein Chinesisch spreche, habe die Post ihm ein Antwortschreiben in Mandarin zur Hand gegeben.

Gut sechs Wochen vor Weihnachten stapelt sich in St. Nikolaus wieder reichlich Post. Knapp 2000 Briefe seien bereits eingegangen, sagt die Leiterin der Kinderbriefaktion, Sabine Gerecke. Und zwar nicht nur kürzlich: Denn das mit rund 50 Jahren älteste Nikolauspostamt wird das ganze Jahr über von Kindern angeschrieben. „Es gibt welche, die schreiben dem Nikolaus Ansichtskarten aus dem Urlaub, andere wünschen ihm Frohe Ostern oder fragen ihn, was er im Sommer macht.“

Ab dem 5. und bis zum 24. Dezember werden die Briefe im Namen des Nikolauses dank seiner rund 35 fleißigen Helfern beantwortet. „Ich schaffe das ja nicht allein“, sagt Langer als Nikolaus. Insgesamt acht Antwortbriefe haben die Ehrenamtler vorbereitet – je nachdem, ob Kinder eine Wunschliste, ein Bild oder etwas anderes geschickt haben.

Es gebe auch viele Briefe, in denen Kinder ihr Herz öffneten: Sie schrieben, dass sich ihre Eltern getrennt hätten oder dass die Oma gestorben sei. Diese Kummer- oder Sorgenbriefe beantwortet unter anderem Waltraut Schaumlöffel. „Es greift einen schon an. Und man muss beim Antworten gut überlegen“, sagt sie. Letztes Jahr habe sie einen Brief eines zwölfjährigen Kindes gehabt, das in der Klinik in Homburg gelegen habe und zum vierten Mal an einem Hirntumor operiert worden sei. „Es bat den Nikolaus, wieder gesund zu werden.“

Die Nikolauspostamts-Tradition in dem Ort mit 840 Einwohnern zeige, dass für viele Kinder trotz Instagram, E-Mails, WhatsApp & Co. Briefe noch etwas Besonderes sind, sagt Langer. „Es ist eben doch etwas anderes, einen Brief in der Hand zu halten, den man vorher aus dem Briefkasten geholt hat.“

Sieben Postämter

In Deutschland gibt es insgesamt sieben Weihnachtspostämter, sagt der Sprecher der Deutschen Post, Heinz-Jürgen Thomeczek. Das im Saarland sei wegen der Arbeit des ehrenamtlichen Festauschusses „etwas ganz Besonderes“. Auch er meint, dass Briefe wieder mehr wertgeschätzt würden. Die Zahl der pro Werktag zugestellten Briefe der Post sei in den vergangenen sieben, acht Jahren in Deutschland von 65 auf 57 Millionen gesunken. Seit sechs Wochen etwa sei die Briefmenge aber konstant geblieben. „Es scheint sich jetzt zu halten.“

Bei der Post an den Nikolaus im Saarland gibt es noch einen besonderen Reiz: Viele sammeln auch die jährlich wechselnden Briefe mit Sonderstempel und Spezial-Briefmarke.

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