19.04.2017 03:30 |

Autor Roman Koidl im Interview: Warum Frauen so oft an die falschen Männer geraten

„Eigentlich ist er ganz anders“, sagen viele verliebte Frauen, wenn sie über den Mann ihres Herzens reden. Doch das ist ein verhängnisvoller Irrtum, meint Roman Koidl, Unternehmer und Autor der Bücher „Scheißkerle“ und „Der letzte Scheißkerl“. Im Gespräch mit Redakteurin Pia Rolfs erklärt er, welche Typen von Männern es wirklich gibt, von welchen Ängsten sie getrieben werden. Und er gibt beiden Geschlechtern den wichtigsten Tipp für die Partnersuche.

Roman Maria Koidl gründete in den 90er Jahren mehrere Unternehmen – etwa „World Coffee“ in Frankfurt. Heute ist er Autor.
Roman Maria Koidl gründete in den 90er Jahren mehrere Unternehmen – etwa „World Coffee“ in Frankfurt. Heute ist er Autor. Bild: Karlheinz Schindler (dpa-Zentralbild)

Warum schreiben Sie als Mann über „Scheißkerle“? Sind Sie da nicht auf der falschen Seite?

KOIDL: Das kam durch einen Zufall, bei einem Mädelsabend meiner früheren Freundin in meiner Wohnung. Ich wurde an diesem Abend einziger männlicher Zeuge von Problemen, die Frauen offenbar mit Männern haben. Es war kurios: Alle waren attraktiv und interessant, hatten aber Probleme, einen adäquaten Mann fürs Leben zu finden. Das fand ich interessant. Außerdem ist die Perspektive eines Mannes in diesem Fall hilfreich. Wenn eine Frau über „Scheißkerle“ schreibt, könnte es larmoyant wirken. Allerdings halten mich manche Leser für eine Frau – sie denken, „Roman Maria Koidl“, das sei ein Roman von Maria Koidl. Ich schreibe aber Sachbücher.

Die sogenannten „Scheißkerle“ haben nach Ihrer Interpretation hauptsächlich Ängste. Wovor?

KOIDL: Ich orientiere mich am Modell „Grundformen der Angst“ von Fritz Riemann und unterscheide vier Typen. Der erste ist der General, der Angst vor Nähe und der Preisgabe seiner Individualität hat. Er strahlt oft Dominanz aus, das wirkt evolutionär sehr attraktiv. Der zweite Typ ist der narzisstische Blender, der permanent das Neue sucht und die Vergänglichkeit fürchtet – oft eine sehr schillernde Persönlichkeit. Der dritte Typ ist der überakkurate Buchhalter oder Analyst, der in Angst vor der Veränderung lebt. Und der vierte Typ schließlich ist der melancholische Diener, der das Verlassenwerden fürchtet und klammert.

Die klingen alle nach schwierigen Partnern...

KOIDL: Die ersten beiden, die ich auch „Haie“ nenne, machen auf den ersten Blick mehr Kummer. Die letzten beiden, die ich als „Delfine“ bezeichnen möchte, sind eher auf längere Sicht problematisch. Ein passiv-aggressiver Mann ist manchmal schlimmer als einer, dem mal die Zündung durchbrennt. Natürlich sind alle Menschen Mischformen, aber eine der Charaktereigenschaften sticht meist heraus.

Kann sich ein Typ als ein anderer tarnen?

KOIDL: Ja, er kann sich ein Verhalten zulegen, das seine Ängste verschleiert. Ich nenne das „Maskierung“. Meist kommt die Sache dann exakt in ihr Gegenteil verkehrt daher und ist deswegen schwer zu erkennen, insbesondere, wenn man verliebt ist. Das betrifft aber natürlich nicht nur Männer. Selbstverständlich kann auch eine Frau, die sich für das Opfer hält, in Wirklichkeit die Täterin sein. Bei Frauen sind die Charaktertypen entsprechend. Sie treten nur anders in Erscheinung.

Warum gibt es dann keinen Begriff für weibliche „Scheißkerle“?

KOIDL: Vermutlich weil Männer darüber nicht so offen untereinander reden wie Frauen. Frauen sprechen recht viel über ihre Kerle – und finden dann für sie pointierte Worte. Männer hingegen reden nicht wirklich über Frauen, das Äußere einmal außer Acht gelassen, sondern stellen sich hauptsächlich selbst dar. Diese Selbstbezüglichkeit ändert sich oft erst in Scheidungssituationen, nachdem die Frau sie verlassen hat. Dann fragen sich Männer: Was muss ich eigentlich tun, um Liebe zu bekommen?

Kann sich dann etwa ein gescheiterter General noch ändern?

KOIDL: Ja, wenn er sich mit sich selbst und seinen Ängsten auseinandersetzt.

Aber Frauen können Männer nicht ändern?

KOIDL: Nein, jeder stets nur sich selbst. Wenn man aber an sich selbst arbeitet, sich auseinandersetzt, sich mit den Themen des eigenen Lebens konfrontiert, dann entsteht eine Art Sog – dann muss sich das Gegenüber ebenfalls ändern, oder die Beziehung endet.

Warum fallen Frauen überhaupt auf die falschen Männer herein?

KOIDL: In der Verliebtheit haben Menschen sehr wenig Angst. Da wirkt die Droge perfekt. Deswegen ist das leider gerade die schlechteste Phase, um zu erkennen, ob jemand zu uns passt. Und die Hoffnung, endlich den Richtigen gefunden zu haben, ist oft ein irreführendes Gift. So wie Hoffnung überhaupt selten zum Besten einer Beziehung ist. Dann verschließen Frauen schnell mal die Augen vor der Realität. Man könnte es auch temporäre Verblödungsphase nennen. Man denke nur daran, wie viele Ehen zum wirtschaftlichen Nachteil der Ehefrau eingegangen werden. Ich rate dazu, sich selbst zuzuhören. Wenn sie sich im Gespräch mit der besten Freundin sagen hören: „Das klingt jetzt blöd, aber eigentlich ist dieser Mann ganz anders“, dann sitzen sie schon drin, in der Falle. Denn es ist immer genau so blöd, wie es klingt.

Gibt es denn auch Männer, die immer an die falschen Frauen geraten?

KOIDL: Ja, natürlich. Und genau aus den gleichen Motiven.

Sie sagen, dass sich Gegensätze bei Affären anziehen, aber Ähnlichkeit langfristig wichtiger ist. Können es denn etwa zwei melancholische Diener miteinander aushalten?

KOIDL: Ja, weil sie einander verstehen. Man akzeptiert eher das, was man von sich selbst kennt. Und Akzeptanz ist ein wichtiges Element in einer langfristigen Beziehung.

Was ist Ihr wichtigster Tipp für Männer und Frauen?

KOIDL: Ich glaube nicht an Tipps. Die Dinge sitzen tiefer. Aber Frauen können mit einem Kerl sehr gut zurechtkommen, wenn sie ihn oft für seine Fähigkeiten loben – auch wenn sie das jetzt lächerlich finden mögen. Etwa: „Keiner kann so gut einparken wie du.“

Und was wollen Frauen hören?

KOIDL: Männer sollten ihrer Frau regelmäßig sagen, dass sie die Schönste auf der Welt ist. Sie weiß zwar, dass das nicht stimmen kann. Aber sie hört es trotzdem gern.

Roman Maria Koidl: Der letzte Scheißkerl. Wie aus dem Falschen der Richtige wird. Ullstein Verlag, Berlin 2017, 240 Seiten, 16,99 Euro.

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