11.10.2017 03:30 | Pia Rolfs

Frankfurter Buchmesse: Welten schaffen: Für diese Frankfurter Autorin stand immer fest, dass sie Schriftstellerin werden will

Lange recherchieren, sich zurückziehen - und dann vielleicht doch noch mal alles umwerfen. Das macht für die Schriftstellerin Sonja Rudorf den Reiz ihres Berufes aus. Im Gespräch mit Redakteurin Pia Rolfs verrät sie aber auch ihren wichtigsten Tipp für angehende Autoren.

Lesungen gehören dazu – hier präsentierte Sonja Rudorf ihr Buch „Alleingang“ im Theater Alte Brücke in Frankfurt-Sachsenhausen. Bei der Veranstaltung in der Reihe „Frankfurter Auslese“ trat sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Rosa Ribas auf.
Lesungen gehören dazu – hier präsentierte Sonja Rudorf ihr Buch „Alleingang“ im Theater Alte Brücke in Frankfurt-Sachsenhausen. Bei der Veranstaltung in der Reihe „Frankfurter Auslese“ trat sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Rosa Ribas auf. Bild: Holger Menzel

In welchem Alter haben Sie angefangen zu schreiben?

SONJA RUDORF: Ich habe immer Tagebuch geschrieben – und dann etwa ab 17, 18 Jahren Gedichte. Schon als Kind habe ich immer gesagt, dass ich Schriftstellerin werden will, und zu Beginn meines Germanistikstudiums war der Wunsch dann ganz deutlich.

Hat Ihnen die finanzielle Unsicherheit keine Angst gemacht?

RUDORF: Doch, aber der Wunsch war größer. Ich habe viele Aushilfsjobs angenommen, damit ich mir das Schreiben leisten konnte.

Wie schwer war es für Sie, Ihr erstes Buch zu veröffentlichen?

RUDORF: Ich hatte Glück, dass damals gerade junge Frauen als Autorinnen gefragt waren und ich darunter fiel. So habe ich sofort einen Agenten und einen Verlag gefunden. Heute ist es aber sehr schwer für Neueinsteiger, ein Buch zu veröffentlichen.

Was reizt Sie am Genre Krimi?

RUDORF: Eigentlich sehe ich meine Romane nicht als Krimis, eher als Spannungsromane. Es geht immer darum, dass jemand etwas aufdeckt, oft um ein Doppelleben. Das fasziniert mich. Mich interessiert die Wahrheit, die man nicht gleich fassen, sondern aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten kann.

Wie diszipliniert sind Sie beim Schreiben?

RUDORF: Ich versuche, täglich vier bis fünf Stunden zu schreiben, am besten gelingt es mir frühmorgens.

Fühlen Sie sich manchmal einsam, wenn Sie ganz in Ihrem Roman versinken?

RUDORF. Nein, ich liebe es, mich in meinem Kopf auszubreiten, mich in meine eigene Welt zurückzuziehen.

Welche Figuren interessieren Sie?

RUDORF: Menschen, die etwas gewagt haben und gescheitert sind, aber dennoch einen Weg finden, neu zu beginnen.

Konstruieren Sie erst ganz genau einen Plot, oder entwickelt sich der Roman aus den Figuren heraus?

RUDORF: Bei mir ist es eine Mischform. Manchmal habe ich erst eine Idee, manchmal erst eine Figur. Dann recherchiere ich viel, aber ich plane nicht alles durch. Die Personen müssen auch Raum haben, sich zu entwickeln.

Wie lange recherchieren Sie für ein Buch?

RUDORF: Für mein Buch „Alleingang“ habe ich zum Beispiel ein halbes Jahr recherchiert, mich mit zwei Therapeuten und mit Polizisten zusammengesetzt, um deren Arbeit zu verstehen. Dann habe ich zwei Jahre lang geschrieben, aber noch mal alles überarbeitet, weil ich die erste Version nicht gut fand.

Gibt es einen Punkt, an dem Sie das Gefühl haben, dass das Überarbeiten zu Ende und das Buch fertig ist?

RUDORF: Nicht wirklich. Man kann es natürlich immer noch mal umschreiben. Aber an einem bestimmten Punkt muss die Vernunft siegen, sonst wird es irgendwann schlechter statt besser.

In welchem Stadium teilen Sie Ihre Ideen mit anderen oder zeigen sogar Ihren Roman?

RUDORF: Schon ziemlich früh. Aber ich wähle mir natürlich Menschen aus, die behutsam damit umgehen. Ich erzähle meinen Schriftsteller-Kollegen meine Ideen, und wir klopfen Sie gemeinsam ab. Und meine Frau darf schon früh meine Romane lesen.

Sie haben fünf Bücher geschrieben. Mussten Sie auf Wunsch eines Lektors schon einmal viel ändern?

RUDORF: O ja, ich habe einmal sogar überlegt, ob ich das überhaupt mache. Aber generell bin ich natürlich dankbar für Kritik – wenn das Buch dadurch besser wird.

Wie wichtig ist heute die Selbstvermarktung für einen Autor?

RUDORF: Ziemlich wichtig. Man kann nicht nur schreiben, sondern muss auch Lesungen organisieren und sich Netzwerke aufbauen.

Sie lehren auch kreatives Schreiben. Was ist Ihr wichtigster Tipp für angehende Schriftsteller? 

RUDORF: Sie sollten sich gut überlegen, welches Thema sie wählen. Denn es kann sein, dass sie sich damit mehrere Jahre beschäftigen.

Ist nach all Ihren Erfahrungen Schriftstellerin immer noch Ihr Traumberuf?

RUDORF: Ja, auf jeden Fall. Ich sitze auch schon wieder am nächsten Buch. Man kann sich beim Schreiben sehr gut mit sich selbst auseinandersetzen. Es gibt einfach nichts Vergleichbares.

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