16.03.2017 11:34 | dpa

Zahl der Badetoten erneut gestiegen

Berlin Traurige Bilanz: Die DLRG verzeichnete 2016 einen Rekord an tödlichen Wasserunfällen. Vizepräsident Achim Haag sieht den Staat in der Pflicht. Flüsse und Seen müssten besser gesichert werden, fordert er. An Nord- und Ostsee funktioniere dieses Konzept.

Ein Rettungsschwimmer der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) beobachtet Schwimmer an einem Strandbad am Bodensee. Foto: Patrick Seeger/Archiv
Ein Rettungsschwimmer der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) beobachtet Schwimmer an einem Strandbad am Bodensee. Foto: Patrick Seeger/Archiv

Ungeübte Schwimmer, viel schönes Wetter und unbewachte Flüsse: Die Zahl der Badetoten in Deutschland ist erneut gestiegen. 2016 sind so viele Menschen ertrunken wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Die Zahl der Toten sei um 49 auf mindestens 537 Menschen angewachsen, teilte die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) heute in Berlin mit. Schon 2015 hatten die Lebensretter deutlich mehr Todesopfer verzeichnet als im Vorjahr.

Hintergrund war auch der schöne Sommer, der viele Menschen ans Wasser lockte. Gut drei Viertel aller Opfer kamen in unbewachten Flüssen, Bächen, Seen und Teichen ums Leben. Hier müssten Staat, Länder und Gemeinden bessere Regelungen für die Sicherheit treffen, forderte DLRG-Vizepräsident Achim Haag.

Darüber hinaus plädierte Haag für eine konsequente Umsetzung von Schwimmunterricht schon in der Grundschule sowie den Erhalt von kommunalen Schwimmbädern. Im vergangenen Jahr ertranken 46 Kinder bis 15 Jahren, das waren 21 mehr als im Vorjahr. Auch die hohe Zahl an Flüchtlingen unter den Opfern bereitet den Lebensrettern Sorgen. 2016 zählten sie 64 ertrunkene Asylbewerber, 2015 waren es 27. „Wir haben die Baderegeln in über 25 Sprachen übersetzt, um den Menschen aus anderen Ländern die Gefahren im Wasser zu verdeutlichen”, sagte Haag. Außerdem stelle die DLRG Kommunen Piktogramme zum Nachdruck zur Verfügung.

Während 406 Menschen in unbewachten Binnengewässern ums Leben kamen, ertranken lediglich 20 in der Ostsee und 6 in der Nordsee. „Es zahlt sich aus, dass in fast allen Badeorten an den Küsten unsere Rettungsschwimmer für mehr Sicherheit im und am Wasser sorgen”, betonte der DLRG-Vizepräsident. 19 Menschen ertranken in einem Schwimmbad, 86 weitere verloren in einem Hafenbecken, Graben oder an anderen Orten ihr Leben.

Besonders gefährdet sind nach wie vor ältere Menschen - so ertranken 108 Männer und Frauen im Alter zwischen 71 und 85 Jahren. Wie schon in der Vergangenheit waren die Opfer 2016 zu knapp 77 Prozent Männer. Die meisten Badetoten - nämlich 91 - verzeichnete Bayern, gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit 76, Niedersachsen mit 58 sowie Baden-Württemberg mit 54 tödlichen Wasserunfällen.

Nach Angaben der DLRG sind von 2010 bis 2016 insgesamt mindestens 3094 Menschen im Wasser ums Leben gekommen. „Für eine moderne, hoch entwickelte Gesellschaft ist diese Bilanz nicht akzeptabel”, betonte DLRG-Vizepräsident Haag. Um die Opferzahlen nachhaltig zu senken, seien Staat, Länder und Gemeinden gefordert. „Wir brauchen mehr Sicherheit, vor allem an den Binnengewässern, und eine verbesserte Schwimmfähigkeit speziell bei der nachwachsenden Generation.”

(dpa)

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