14.11.2017 14:08 | dpa

Deutliches Rentenplus und sinkende Beiträge

Würzburg Die brummende Konjunktur bringt den Rentnern 2018 noch einmal ein deutliches Plus. Doch dann kommen Belastungen auf die Rentenkasse zu. Die Debatte über die Reaktionen darauf hat längst begonnen.

In diesem Jahr rechnet die Rentenversicherung mit einer schwarzen Null.
In diesem Jahr rechnet die Rentenversicherung mit einer schwarzen Null. Bild: Julian Stratenschulte

Die rund 21 Millionen Rentner können im kommenden Juli mit einer spürbaren Erhöhung ihrer Bezüge um rund drei Prozent rechnen.

Voraussetzung sei, dass sich Löhne und Gehälter wie derzeit prognostiziert entwickelten, sagte der Vorstandsvorsitzende der Rentenversicherung Bund, Alexander Gunkel, in Würzburg. Letztlich werde es darüber erst Anfang kommenden Jahres Klarheit geben. 

Der Beitragssatz für die gesetzliche Rente sinkt Anfang kommenden Jahres voraussichtlich leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 18,6 Prozent. Die Bundesregierung dürfte diesen Schritt per Verordnung vollziehen.

Grund für die positiven Rentenfinanzen seien die gute Konjunktur mit gestiegenen Löhnen und die erfreuliche Beschäftigungslage, sagte Gunkel. Doch dann kommen immer mehr starke Babyboomer-Jahrgänge in Rente, was die Rentenkasse belastet. 

Bis zum Jahr 2022 könnten die Rentenbeiträge voraussichtlich stabil bleiben. 2023 dürfte der Beitragssatz wieder auf 18,7 Prozent steigen. 2024 wird eine Steigerung auf 19,8 Prozent vorausgesagt. Dann dürfte der Beitragssatz schrittweise weiter steigen, bis er im Jahr 2030 bei 21,6 Prozent liegen dürfte.

In diesem Jahr waren die Renten um 1,9 Prozent im Westen und 3,59 Prozent im Osten gestiegen, im Jahr zuvor um 4,25 beziehungsweise 5,95 Prozent. In den Jahren zuvor hatten es kleinere Erhöhungen der Bezüge gegeben. Im Zeitraum von 2018 bis 2024 werden aufgrund eines im laufenden Jahr verabschiedeten Gesetzes die Ost- an die Westrenten in sieben Schritten komplett angeglichen. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland hatte unter Berufung auf den neuen Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung vorab über die Rentenerhöhung 2018 berichtet.

In den kommenden gut fünf Jahren dürfte das Rentenniveau bei rund 48 Prozent stabil bleiben, sagte Gunkel. Dieses Verhältnis von Einkommen zur Rente liegt derzeit vor Steuern bei 48,2 Prozent und dürfte noch bis 48,3 Prozent steigen und dann absinken. Bis 2030 dürfte das Rentenniveau auf 45 Prozent und bis 2045 auf 42,2 Prozent fallen, wenn die Politik nicht gegensteuert. 

Die Co-Vorstandsvorsitzende der Rentenversicherung, Annelie Buntenbach, rief die Jamaika-Partner deshalb auf, Schritte zur Stabilisierung der Rentenfinanzen zu ergreifen. Eine Entwicklung „höhere Beiträge für sinkendes Rentenniveau” dürfe nicht Wirklichkeit werden. Sonst drohe die Rentenversicherung ihre Legitimität in der Bevölkerung zu verlieren. „Wichtig ist, dass bereits in dieser Legislatur die Entscheidungen getroffen werden”, sagte Buntenbach.

Gunkel, der die Arbeitgeber vertritt, forderte, sich längerfristig mit dem Renteneintrittsalter auseinanderzusetzen: „Es spricht aus meiner Sicht viel dafür, dass es längerfristig weiter angehoben werden soll.” Buntenbach, die die Arbeitnehmer vertritt, entgegnete, sie lehne dies „mit Nachdruck” ab. Gunkel und Buntenbach warnten davor, eine erweiterte Mütterrente aus Beiträgen zu finanzieren.

In diesem Jahr rechnet die Rentenversicherung mit einer schwarzen Null: Einnahmen und Ausgaben dürften sich auf 293,2 Milliarden Euro belaufen. Die Rentenrücklage dürfte 32,9 Milliarden betragen.

(dpa)

Kommentare

  • Deutschland finanziert mit den höchsten Beiträgen
    geschrieben von ellenwild (331 Beiträge) am

    die EU, die Flüchtlingsflutung Europas, verdeckte
    Reparationen ohne Friedensvertrag, kostenlose Mitversicherung von türkischen Familienangehörigen in der Türkei nach türkischem Recht in der deutschen Krankenversicherung usw.. Dafür liegen die deutschen Beitragsversicherten in der deutschen Rentenversicherung BfA, die seit Jahrzehnten von den deutschen Politikern für politisch begründete Renten geplündert wird, 2017 laut OECD Bericht nur auf Platz 12 unter 15 EU-Staaten. https://www.bundestag.de/blob/501062/e375a6645ad9cc39288e2cf232179132/wd-6-013-17-pdf-data.pdf
    Die Beiträge der deutschen Rentenversicherten der gesetzlich vorgeschriebenen Rentenversicherung werden seit Jahrzehnten von der Politik für alle möglichen aus allgemeinen Steuermitteln zu zahlende
    politisch gewollte, beitragsfreie Renten und Sozialaufgaben geplündert. Trotzdem wählen Michel und Micheline die dafür verantwortlichen Parteien immer wieder? Und sie scheinen auch immer noch nichts gemerkelt zu haben!

  • Deutliches Rentenplus und sinkende Beiträge
    geschrieben von sieglinde_lackner (100 Beiträge) am

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    dass die Renten sich angeblich etwas erhöhen sollen - gut und schön! Jedoch wird schon wieder auf mögliche Belastungen der Rentenkasse hingewiesen! Warum!? Sind alle Rentner dem Staat zu teuer, dass man ständig an dem Rentenproblem herum nestelt?! Nichts scheint dem Staat so schwer zu fallen, wie Einkommenserhöhungen! Rentner sind und bleiben stets ein Problem! Am besten wäre es für die Politik, dass es keine Pensionsempfänger gäbe! Frage: Wofür haben diese Leute ein Leben lang hart, ja sehr hart gearbeitet, dass man ihnen heutzutage das Leben so schwer macht! Jeder Pfennig mehr schmerzt die Politiker! Dass aber Steuergelder verschwendet werden - da schweigt des Sängers Höflichkeit! Wo bitte bleibt der Respekt vor den ergrauten; ehemaligen Arbeitnehmern?! Offenbar ein Fremdwort im heutigen, so sozialen Deutschland!
    Sieglinde Lackner Bad Soden Taunus
    14.11.17



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