09.11.2017 16:38 | dpa

Deutschland gedenkt Opfer der Pogromnacht von 1938

Berlin Der 9. November ist in Deutschland ein Tag zum Nachdenken und Gedenken. In der Pogromnacht vor 79 Jahren wurden Synagogen und andere jüdische Einrichtungen in Brand gesteckt. Vertreter aus Politik und Gesellschaft warnen vor dem Vergessen und neuem Hass.

Kerzen und eine weiße Rose liegen im Hamburger Grindelviertel neben Stolpersteinen, die vor den Häusern an die ehemaligen jüdischen Bewohner erinnern. Foto: Axel Heimken Bilder >
Kerzen und eine weiße Rose liegen im Hamburger Grindelviertel neben Stolpersteinen, die vor den Häusern an die ehemaligen jüdischen Bewohner erinnern. Foto: Axel Heimken Bild: dpa

Bei zahlreichen Gedenkveranstaltungen haben Menschen in ganz Deutschland an die Opfer der Pogromnacht vom 9. November 1938 erinnert.

Bei einem Gespräch mit Holocaust-Überlebenden rief Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu Wachsamkeit gegenüber antisemitischen und rechtsextremen Strömungen auf. Die besondere historische Verantwortung Deutschlands müsse auch von Zuwandern akzeptiert werden, betonte er.

Zum 79. Jahrestag der Pogromnacht empfing Steinmeier das Präsidium des Internationalen Auschwitz-Komitees in seinem Amtssitz Schloss Bellevue. In der Nacht des 9. November 1938 waren in ganz Deutschland Synagogen und andere jüdische Einrichtungen in Brand gesteckt und zahlreiche Juden ermordet oder misshandelt worden.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) erklärte, das Vermächtnis der Opfer sei eine dauerhafte Verpflichtung für Deutschland: „Antisemitismus und Rassismus haben in unserem Land keinen Platz.”

In München wurden bei einer Veranstaltung mit Oberbürgermeister Dieter Reiter die Namen von Opfern verlesen. Die bayerische Hauptstadt soll zukünftig ein wichtiges europäisches Zentrum der Holocaustforschung werden. Am Zentrum für Holocaust-Studien ist unter anderem ein Masterstudiengang zur Zeitgeschichte geplant.

Gleichzeitig wurde an zahlreichen Orten an den Fall der Mauer am 9. November 1989 erinnert. „Das Glück des 9. November 1989 ist nicht ohne das Leid des 9. November 1938 zu denken”, sagte die baden-württembergische Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne). „Beide Daten prägen unser Land dauerhaft. Umso wichtiger ist eine Erinnerungskultur, die die historischen Pfade für die folgenden Generationen sichtbar hält.”

Der Leiter der Anne-Frank-Bildungsstätte in Frankfurt, Meron Mendel, forderte weiterhin eine aktive Auseinandersetzung mit Nationalsozialismus und Holocaust in Deutschland. „Gedenken allein reicht nicht”, sagte er. Auch die unterschiedlichen Symbole und Formen der Erinnerung und des Gedenkens an zahlreichen Orten in Deutschland könnten nicht darüber hinwegtäuschen, „dass Antisemitismus in Deutschland ein beständiges Problem ist”.

(dpa)

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