12.11.2017 16:08 | dpa

Evangelische Kirche will junge Gläubige gewinnen

Bonn Das Glockengeläut zum Sonntagsgottesdienst lockt immer weniger junge Menschen. Für sie will die evangelische Kirche alternative Angebote schaffen. Insbesondere im „digitalen Raum” hofft sie auf Nachwuchs für die schrumpfende Zahl an Gläubigen.

Die Vorsitzende der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, Irmgard Schwaetzer, der EKD-Ratsvorsitzende Bischof Heinrich Bedford-Strohm (M) und Gesundheitsminister Hermann Gröhe bei der EKD-Jahrestagung in Bonn.
Die Vorsitzende der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, Irmgard Schwaetzer, der EKD-Ratsvorsitzende Bischof Heinrich Bedford-Strohm (M) und Gesundheitsminister Hermann Gröhe bei der EKD-Jahrestagung in Bonn. Bild: Bernd Thissen

Mit neuen Gottesdienstformen für junge Leute will die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) dem anhaltenden Mitgliederschwund entgegentreten.

Statt morgens könnten Gottesdienste nachmittags oder abends in modernen Räumen mit Lichteffekten und Bands organisiert werden, sagte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm zum Start der Jahrestagung der Kirche in Bonn. Angesichts der heutigen Individualisierung, Schnelllebigkeit und Unverbindlichkeit sei es Aufgabe der Kirche, Formen von Gemeinschaft anzubieten, die der Lebenswirklichkeit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen entsprechen.

Auch Internetgemeinden und die digitale Kommunikation spielten eine wachsende Rolle, sagte der EKD-Chef. „Erschließt sich die Kirche den digitalen Raum nicht, verpasst sie einen entscheidenden Lebensraum junger Menschen.” Kirche werde künftig weniger als Ort, sondern vielmehr als ein Netzwerk gesehen, in welchem das Gemeindehaus nicht mehr der einzige Knotenpunkt für Gemeinschaftlichkeit ist, sondern einer unter vielen. „Hier wird die Herausforderung für die Kirche sein, ob und wie sie den digitalen Raum mitgestalten will.”

Alleine 2016 sank die Zahl der zur EKD gehörenden Protestanten in Deutschland um 350 000 auf 21,92 Millionen. Binnen zehn Jahren verlor die evangelische Kirche mehr als zehn Millionen Gläubige. Zur Erklärung verweist die Kirche vor allem auf den demografischen Wandel. Dass deutlich mehr evangelische Christen sterben als neu in die Kirche eintreten, hängt aber auch damit zusammen, dass weniger Neugeborene getauft werden als früher. Das Kirchenparlament berät bis Mittwoch unter anderem über Zukunftsperspektiven in einer zunehmend kirchenfernen Gesellschaft.

„Kirche ist für junge Menschen weithin nicht mehr relevant”, konstatierte Bedford-Strohm in seiner Rede vor dem Kirchenparlament. „Sie haben nichts gegen die Kirche, sie finden ihr Engagement für soziale Gerechtigkeit und Frieden in aller Regel sogar gut und richtig.” Beides sei aber nicht spezifisch für die Kirche und für junge Leute auch kein ausreichender Grund, sich selber in der Kirche zu engagieren. Die Suche nach Sinn, Glück und Identität verbänden junge Leute oft nicht mehr mit Religion. Gleichzeitig hätten sie einen Bedarf an Spiritualität, da könne die Kirche ansetzen.

Dem Parlament, der sogenannten Synode, gehören 120 Kirchenparlamentarier aus den 20 evangelischen Landeskirchen an. Als Dachorganisation vertritt die EKD die knapp 22 Millionen evangelischen Christen in Deutschland.

(dpa)

Kommentare

  • Gläubige gewinnen?
    geschrieben von peterriegel (134 Beiträge) am

    Seht in die Bibel und lebt entsprechende Werte/Vorgaben!!!

    Nur einige:

    Abschaffung von Zölibat! (für Katholiken) Wird in der Bibel nirgends vorgeschrieben, aber seit dem 12/o. 13/Jahrhundert angewendet!

    Keine Ehe für alle!
    (Steht nirgends in der Bibel, aber einige/viele/immer mehr Pfarrer trauen Mann/Mann bzw. Frau/Frau!

    Keine Taufe vornehmen! (steht nirgends in der Bibel)

    Rückgrat zeigen und keine Kreuze abnehmen.....

    Wo sind die täglichen Aufschreie der Kirche, weil Christen in der islamischen Welt bedroht, verfolgt und getötet werden? Warum schweigen die oberen Herrschaften immerzu?
    Warum schweigen sie immerzu bei Kirchenschändungen von bestimmten Tätergruppen? Und und und.......

    @ ellenwild Ihr letzter Satz triftt es zu 100%!

  • Grün, grüner, EKD
    geschrieben von Xela77 (142 Beiträge) am

    Die EKD ist seit vielen Jahren nur noch eine Abteilung der Grünen. Das ist nicht gerade das, was die Mehrheit der evangelischen Christen will. Insofern ist der Mitgliederschwund erklärbar. Mehr Gott und weniger Gender wäre die Lösung. Aber dafür ist es vermutlich schon zu spät.

  • Die Kirchen sollten sich besser um ihre Schäfchen kümmern,
    geschrieben von ellenwild (331 Beiträge) am

    anstatt jedem Zeitgeist hinterherzulaufen. Als meine Familie vor über 20 Jahren aus der evangelischen Kirche ausgetreten ist, weil diese sich mit ihren Sozialdiensten auf dem Frankfurter Flughafen als Schleuser für abenteuerlustige Afrikaner betätigt haben, hat sich niemand bei der evangelischen Kirche darum gekümmert. Und schon damals traten viele aus den Kirchen aus.
    Solange die Kirchen weiter dem Verfall von Sitte, Moral und Anstand zusehen, dem Verfall der christlichen Familien- und Gesellschaftsstrukturen
    und nach wie vor die Migrations- und Schleuserindustrie unterstützen, ja befördern, solange wird es um die Zukunftsperspektiven der
    Amtskirchen als Institution düster aussehen. Es ist nicht der Glaube an Gott, der den Menschen fehlt, sondern der Glaube an den Machtapparat "Amtskirchen", der die steuerzahlenden Christen aus den satten Amtskirchen aussteigen läßt. Eine Kirche, die sich um alles mögliche kümmert, aber am wenigsten um die Christen in diesem Land, braucht niemand.



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