21.03.2017 07:02 | dpa

In der ambulanten Pflege sind 87 Prozent Frauen beschäftigt

Berlin Seit langem wird beklagt, dass Pflege ein klassischer Frauenberuf ist - auch weil es in der Branche viele schlecht bezahlte Teilzeitjobs gibt. Das Statistische Bundesamt belegt dies nun mit neueren Zahlen.

Medizinische Betreuung in einer Seniorenwohnanlage. Foto: Marijan Murat/Illustration
Medizinische Betreuung in einer Seniorenwohnanlage. Foto: Marijan Murat/Illustration

Pflege ist ein Teilzeit- und Frauenjob. Die Linken-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann beklagte denn auch einen überproportional starken Zuwachs an Teilzeitstellen in der ambulanten Pflege. Dieser Pflegebereich sei eine der großen Wachstumsbranchen.

„Aber von den über 170 000 Stellen, die in den letzten Jahren geschaffen wurden, waren fast 130 000 Teilzeitjobs”, sagte Zimmermann der Deutschen Presse-Agentur. Nur knapp 40 000 waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) Vollzeitstellen.

Die Teilzeitquote in der ambulanten Pflege liege damit bei fast 70 Prozent, wobei an die 20 Prozent aller Beschäftigten in Minijobs arbeiteten. Rund 87 Prozent der Beschäftigten in der ambulanten Pflege waren Ende 2015 denn auch Frauen. Seit 1999 ist die Quote laut Bundesamt leicht um 2,0 Prozentpunkte gestiegen. In diesem Zeitraum nahm die Zahl der Beschäftigten in der ambulanten Pflege um knapp 172 000 auf mehr als 355 000 zu. Das ist ein Plus von 93 Prozent.

Zimmermann sagte weiter: „Die Arbeit in der Pflege ist anstrengend und bedeutet oft Schicht- und Wochenenddienste. In der ambulanten (Pflege) kommen Fahrtzeiten hinzu, die oft nicht entlohnt werden.” Und der Deutsche Pflegerat kritisiert, in der Pflege werde immer noch deutlich weniger bezahlt als in anderen Branchen. Auch innerhalb der eigenen Branche sei man vom Ziel gleicher Lohn für gleiche Arbeit noch weit entfernt. Zwischen der Kranken- und Altenpflege gebe es Lohnunterschiede von 30 Prozent in ostdeutschen und rund 18 Prozent in westdeutschen Ländern.

Das Finanzierungssystem in der Pflege ist nach den Worten Zimmermanns auf Wettbewerb ausgerichtet, und der werde allzu oft auf Kosten der Arbeitsbedingungen der Beschäftigten ausgetragen. Nötig sei eine Pflegevollversicherung, die alle anfallenden Kosten in realistischer Höhe übernimmt. Die Linke setze sich für eine solidarische Gesundheitsversicherung ein, in die alle entsprechend ihrem gesamten Einkommen aus Löhnen, Honoraren sowie Miet-, Pacht- und Kapitalerträgen einzahlen.

In dieser Woche (23. bis 25. März) findet der Deutsche Pflegetag in Berlin statt. Es ist die zentrale Branchenveranstaltung rund um das Thema Pflege. Mitte Dezember 2015 gab es laut Statistik bundesweit gut 13 300 ambulante Pflegedienste als Arbeitgeber, davon waren 65 Prozent private, 33,5 Prozent freigemeinnützige Träger und 1,4 Prozent in öffentlicher Trägerschaft.

Wie das Statistische Bundesamt, das diese Zahlen auch auf Landesebene herunterbricht, weiter berichtete, waren 38,5 Prozent der Beschäftigten in den ambulanten Pflegediensten 50 Jahre oder älter. Nur 15,2 Prozent waren 30 Jahre und jünger. Berechnungen gehen davon aus, dass bis 2050 bis zu 1,5 Millionen Vollzeitkräfte zusätzlich in der Pflege benötigt werden.

(dpa)

Kommentare
  • Pflegerat: In der Pflege wird immer noch zu wenig bezahlt
    geschrieben von sieglinde_lackner (163 Beiträge) am 20.03.2017 18:33

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    stimmt; völlig richtig! Auch in den Pflegeberufen hinken die Löhne/Gehälter massiv hinter her! Nicht nur erheblicher Personalmangel ist festzustellen, sondern - wie gesagt - auch die Bezahlung! Natürlich fehlt die Bereitschaft zur völligen Hingabe an die Pflegebedürftigen; ganz zu schweigen mit "Herz"! Fazit: Pflegetätigkeit ist eines der wichtigsten Aufgaben der Gesellschaft überhaupt! Wo bleibt die "Würde des Menschen ist unantastbar"?! Im Alter - wie mir scheint - fehlt diese Auffassung gänzlich! Nur Worthülsen - mehr auch nicht! Senioren, die ein Leben hart arbeiteten usw. haben es mehr als verdient - im Alter sorgsam gepflegt zu werden! Auch diese Personengruppe - und gerade diese - ist ein nicht wegzudenkender Teil der Bevölkerung! Man denke hierbei an die immensen Lebenserfahrungen, die diese Menschen haben! Zählt das alles nicht mehr in unserem jetzigen Deutschland?! Trauerspiel, wie es im Buche steht!
    Sieglinde Lackner Bad Soden Taunus
    20.3.2017



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