14.11.2017 03:00 | Klaus Späne

Klimawandel: Riskantes Spiel mit dem Klima - auch in Hessen

Wiesbaden/Bonn Auf dem Klimagipfel von Bonn wollen die Staaten der Welt diese Woche einen Fahrplan aufsetzen, um das ehrgeizige Klimaabkommen von Paris praktisch umzusetzen. In Hessen müssen sich die Praktiker schon jetzt mit den Folgen der Erderwärmung auseinandersetzen.

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Wie Klimawandel aussieht, davon kann Günter Busch ein Lied singen. Tagtäglich hat ihn der Revierförster vor Augen, wenn er im Bad Homburger Stadtwald unterwegs ist. Genauer gesagt ist es die Struktur des 1200 Hektar großen Forsts der Hochtaunuskommune, die sich in den letzten Jahren verändert hat. Eine der markantesten Entwicklungen dabei: der Niedergang der Fichte. „Wir verzichten ganz auf den Anbau in tieferen Lagen“, sagt Busch. „Schon weil sie sich von selbst verabschiedet.“ Es sei zu warm und zu trocken geworden für den Nadelbaum, der einst im großen Stil gepflanzt wurde und der es lieber ein bisschen kälter und feuchter hat.

Dabei wird der Baum gleich von zwei Seiten in die Zange genommen. Einerseits wird er durch die Trockenheit geschwächt, erläutert Busch. Hinzu kommt der Borkenkäfer, der ihm den Rest gibt. Der Schädling wiederum ist ein Profiteur des Klimawandels, kann er sich im geänderten Klima besser vermehren denn je. Aber damit nicht genug, denn auch bei Buchen und Eichen hat Busch in den vergangen fünf Jahren Probleme ausgemacht. „150- bis 200-jährige Eichen sterben vermehrt ab“, sagt der Förster. Die genauen Ursachen kenne man zwar noch nicht, aber Busch glaubt dennoch, dass es mit dem Anstieg der Temperaturen und der Trockenheit zu tun hat. Probleme, die auch Hessen-Forst erkannt hat. „Die Folgen des Klimawandels sind für unseren Wald eine echte Herausforderung“, sagt Petra Westphal, Sprecherin der Landesbehörde.

Den Wald fit machen

Man habe bereits vor 15 Jahren begonnen, mit wissenschaftlicher Unterstützung Modelle zu entwickeln, um den Wald fit zu machen für die geänderten Klimabedingungen in 100 Jahren. Nicht nur das. Anhand einer sogenannten Fichten-Risiko-Karte zeigt man den Forstleuten an, wo sich der Anbau überhaupt noch lohnt. Übergeordnetes Ziel ist es, in den Wäldern eine klimastabilere Baumartenmischung zu bekommen und gezielt darauf zu achten, welche Baumart sich auf welchem Standort voraussichtlich wohlfühlen wird.

Hessen im November 2017, in der Woche, in der sich die Staaten der Welt – bis auf die USA – auf dem Bonner Klimagipfel nach dem epochalen Abkommen von Paris im Jahr 2015 Regeln für die Umsetzung geben möchten. In der Politpromis wie Angela Merkel, Emmanuel Macron oder der ehemalige kalifornische Gouverneur und Schauspieler Arnold Schwarzenegger durch ihr Auftreten zusätzlichen Schwung verleihen sollen. Dass es dazu längst mehr als die berühmten fünf vor Zwölf ist, zeigt sich bereits, wenn man sich vor Ort im Rhein-Main-Gebiet bei Menschen umhört, die von stabilen Umweltbedingungen besonders abhängig sind.

Willi Muth, Vorsitzender des Hessischen Landesverbandes für Erwerbsobstbau, etwa skizziert ein besorgniserregendes Szenario. Er spricht von der Apfelblüte, die immer früher beginnt, von Spätfrösten im Frühjahr, die sich häuften, von krassen Temperaturwechseln und Sonnenbrand gerade bei alten Apfelsorten oder von den enormen Schäden, die auch Schädlinge wie die Kirschessigfliege anrichteten. „Klimawandel bedeutet nicht nur, dass es wärmer wird. Da kommt in den nächsten Jahren noch einiges auf uns zu“, befürchtet Muth.

Auch bei Hessens Bauern ist der Klimawandel angekommen. Vor allem die zunehmende Winter- und Frühjahrstrockenheit, einhergehend mit Frösten mache den Landwirten zu schaffen, berichtet Peter Voss-Fels, Generalsekretär des Hessischen Bauernverbandes. Gerade 2017 sei dies sehr ausgeprägt gewesen. Ein großes Problem sei auch Extremwetter, etwa in Form von Hagel. „Die Intensität und Häufigkeit hat sich geändert, das merken die Bauern“, sagt Voss-Fels.

„Der Klimawandel findet bereits statt, auch in Hessen können wir Änderungen im Klima beobachten“, stellt das Umweltbundesamt in einem Bericht zu den Klimafolgen fest. In Hessen habe die mittlere Jahrestemperatur seit Anfang des 20. Jahrhunderts um 0,8° Celsius zugenommen.

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