10.11.2017 03:00 |

#neinheisstnein: Rosina Sfyridou berichtet, wie Frauen im Alltag belästigt werden

Frankfurt Wo hört ein Kompliment auf und wo fängt sexuelle Belästigung an? Unsere Autorin, Studentin der Germanistik und der Philosophie in Frankfurt, berichtet sehr persönlich aus ihrem eigenen Erleben.

Rosina Sphyridou (29) studiert Germanistik und Philosophie in Frankfurt.
Rosina Sphyridou (29) studiert Germanistik und Philosophie in Frankfurt.

Die obszönste Szene aus meinem Alltag, an die ich mich erinnern kann, fand in einer Frankfurter U-Bahn statt. Es war an einem späten Nachmittag. Und nein, schlimme Dinge passieren nicht nur bei Nacht. Ein Mann, deutscher Abstammung (heutzutage ist das ja so wichtig zu erwähnen), mittleren Alters, setzt sich mir in einem Vierer-Abteil gegenüber. Ich schaue mich um und bleibe an seinem Blick hängen. Er schaut mir direkt in die Augen, als er sagt: „Dir würde ich auch gerne mal in die Möse spritzen!“ Ich bin dermaßen geschockt, dass ich nicht reagieren kann. Ich steige sofort aus und frage mich: Was ist da gerade passiert? Habe ich irgendwelche missverständlichen Signale gesendet? Habe ich etwas Anzügliches an?

U-Bahn fahren hat im Allgemeinen aber auch keinen guten Ruf. Da trifft man auf die sonderbarsten Gestalten. Das verhält sich ähnlich wie nachts im Wald zu spazieren. Macht man am besten nicht. Und schon gar nicht alleine.

Bus fahren ist sicherer. Mit Begleitung noch mehr. Vermeintlich. Ich fahre eines Vormittags mit meiner Mitbewohnerin von Sachsenhausen Richtung Konstablerwache. Wir setzen uns zu einem deutschen, älteren Herrn, der ein Gespräch mit uns anfängt. Offen und freundlich hören wir ihm zu. Er erzählt von seiner Krankheit (Parkinson) und was ihm geholfen hätte – Masturbation. Er beschreibt, wie er ejakulierte und dann alles ablecke. Dabei schaut er mir in die Augen und wiederholt dreimal: „Und ich lecke und lecke und lecke.“ Wir sind geschockt und sagen nichts. Auch die anderen Businsassen sagen nichts. Einer kichert. Wir steigen aus und fragen uns: Was ist da gerade passiert? Hätten wir vielleicht nicht so offen sein sollen?

Auf dem Rad begrabscht

Ich fahre jetzt Fahrrad. Ist sowieso gesünder und auch gut für die Umwelt. Anfangs war es ein schickes Hollandrad. Wenn ich damit über die Zeil gedüst bin, wurde ich dauernd beim Vorbeifahren angemacht, was ich einfach nur als sehr unangenehm empfand. Davon wollte ich schnell weg. Aber auch auf der Straße kriegte ich ständig Zurufe aus vorbeifahrenden Autos. Schlimmer war es jedoch, als ich eines Abends merkte, dass mir jemand hinterherfährt. Ich versuche ihn abzuhängen, biege ruckartig ab. Er scheint weg zu sein und ich fahre weiter, bis er aus der nächsten Ecke wieder auftaucht. Ich radle so schnell ich kann, aber er holt mich ein. Er grabscht mir an den Hintern und fährt davon. Ich bin geschockt und rühre mich nicht. Was ist gerade passiert?, frage ich mich einmal mehr. Mittlerweile fahre ich ein Rennrad und habe dabei Kopfhörer auf.

Belästigung fängt dann an, wenn es für den Gegenüber unangenehm wird. Und es wird dann unangenehm, wenn man mit dem, was passiert, nicht einverstanden ist. Ich habe in allen drei beschriebenen Situationen geschockt und ratlos reagiert. Will mir jedoch vornehmen, laut zu sagen, womit ich nicht einverstanden bin. Und möchte damit auch andere Frauen dazu ermutigen. Die Verantwortung, Grenzen zu wahren, liegt jedoch nicht nur bei einer einzelnen Person. Menschen, die so eine Situation miterleben, sollten sich solidarisieren und trauen, etwas dazu zu sagen. Damit wirklich alle ein Bewusstsein dafür bekommen, wo die Grenzen sind und diese achten und respektieren. Und Männer sollten natürlich lernen, ihr Verhalten gegenüber Frauen mehr zu hinterfragen. Denn dass ein Gesetz wie „Nein heißt Nein“ erst 2016 verabschiedet wird, zeigt, wie viel noch hinsichtlich der Frauenrechte getan werden muss.

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