29.10.2017 09:23 | Ulrich Feld

TV-Kritik: "Bella Block – Stille Wasser": Von der Lust, einfach wegzugehen

Die Kommissarin außer Dienst strandet in ihrem vorletzten Fall in der brandenburgischen Provinz und deckt dort einen tragischen Todesfall auf.

Bella Block (Hannelore Hoger, r.) trifft auf dem Friedhof die trauernde Lilo Schulz (Lina Wendel, l.)
Bella Block (Hannelore Hoger, r.) trifft auf dem Friedhof die trauernde Lilo Schulz (Lina Wendel, l.) Bild: Hans-Joachim Pfeiffer

Seit 23 Jahren ermittelt Bella Block im ZDF, und bald ist Schluss: Noch ein Film, dann nimmt Hannelore Hoger endgültig Abschied von ihrer TV-Kommissarin. Wobei Bella Block ja ohnehin schon in den Ruhestand gegangen ist, was den Autoren der Serie die Arbeit an den letzten Folgen nicht eben einfacher gemacht hat: Sie mussten sich immer wieder neue Varianten ausdenken, warum Bella Block eben trotzdem noch ermittelt.
 
Ein Hauch von Abschied durchzieht die vorletzte Folge. Bella Block sorgt sich um ihren Rücken und zeigt sich ebenso als Oldtimer wie ihr Käfer-Cabriolet, mit dem sie durch die Brandenburgische Provinz tuckert. Eine Autopanne zwingt sie, ihre Fahrt zu unterbrechen. Kfz-Mechaniker Jens Johannsen (Henrik Birch) bittet sie, ihm dabei zu helfen, den Tod seines Bruders Lars (ebenfalls Henrik Birch) aufzuklären. Er zweifelt am behaupteten Herztod seines Bruders.
 

Charaktere, die Interesse wecken

 
Schon bemerkenswert, wie gut der Krimi angesichts seiner ruhigen, fast ein wenig verschlafenen Erzählweise funktioniert. Beate Langmaack (Drehbuch) hat eine Reihe vielschichtiger Figuren mit unterschiedlichen Ambitionen in ihre Geschichte eingebaut. Da ist Jens Johannsen, der einst wie sein Bruder wegen einer Frau in die tiefste Provinz gezogen ist: Sabrina Johannsen (Katja Weitzenböck) ist nicht nur die Witwe seineas Bruders, sondern auch die Bürgermeisterin des Ortes und eine Frau mit weitreichendem Ehrgeiz – darunter hochfliegenden Plänen für die touristische Entwicklung.
 
Was dabei ihre Pläne stört, ist das Chérie, ein Erotik-Lokal im Ort. Und in dem, so stellt Bella Block bald fest, ist auch der Verstorbene Lars Johannsen verkehrt, wobei ihn mit der Chefin Lilo Schulz (Lina Wendel) nicht nur eine geschäftliche Beziehung verband. Und Mischa (Tim Kalkhofe, der Sohn der Chefin, steuert neuerdings einen teuren Sportwagen vom Typ Corvette C3. Wie konnte er sich den Oldtimer leisten?
 

Aufbruch und zur Ruhe finden

 
Während im klassischen Krimi die Fronten zwischen Gut und Böse meist klar geteilt sind, verzichtet die Geschichte hier auf eine klassische Täterfigur im engeren Sinn. Der Film erzählt durch seine einfühlsamen Charakterportraits vielmehr kleine Geschichten vom Ankommen und zur Ruhe finden – etwa in Gestalt von Jens Johannsen, der Bella Block zum Fischen mitnimmt. Aber auch vom Ausbruch aus einer Enge, der Lust auf Neubeginn wie bei Jens‘ Bruder Lars, der sich verliebt hat und mit Lilo Schulz zusammen weggehen will.
 
Eine treffende musikalische Untermalung finden diese Motive außerdem durch John Denvers Klassiker "Take me home,  Country Roads". Das Geheimnis, dass Jens Johannsen und seine Schwägerin miteinander teilen, verleiht der Geschichte dabei noch eine pikante Note. Die schuldhaften Verstrickungen, denen Bella Block auf die Spur kommt, haben etwas Alltägliches und wecken deswegen echtes Interesse.
 
Bella Block zeigt sich deswegen auch weniger als Ermittlerin, sondern als aufmerksame Beobachterin, was Hannelore Hoger durch geschicktes Agieren zwischen Altersmilde, Abgeklärtheit und Empathie zielgenau zum Ausdruck bringt.  
 

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