04.11.2017 11:50 | Ulrich Feld

TV-Kritik: "Schwarzbrot in Thailand": Thai-Exotik gegen "Tatort"

Ein deutsches Rentnerpaar versucht in Thailand einen Neuanfang. Doch das scheinbare Paradies hat einige böse Tücken.

Das Lachen wird Tanja (Marie Gruber) und Ottmar (Veit Stübner) in Thailand schon bald vergehen.
Das Lachen wird Tanja (Marie Gruber) und Ottmar (Veit Stübner) in Thailand schon bald vergehen. Bild: NDR/Achim Poulheim

Das Rentenalter hat schon seine Tücken – auch für Ottmar (Veit Stübner) und Tanja Berger (Marie Gruber). $0 Jahre lang haben die beiden in der Nähe von Hamburg eine Bäckerei geführt. Dann alles an die Tochter abgegeben und nach Thailand gedüst, dort den Lebensabend zu verbringen. Und natürlich gehrt dort alles schief, was man sich nur vorstellen kann. Unter anderem deswegen, weil Ottmar vom Berufsleben nicht wirklich lassen kann und will.

Männer im Rentenalter, spätestens seit Loriots "Papa ante Portas" ein beliebtes Komödienmotiv, das der Film mit einigen netten Gags auf neuesten Stand bringt. Sie ist Land und Leuten gegenüber aufgeschlossen, er ist erleichtert, auch künftig den "Tatort" gucken zu können. Sie kann es kaum erwarten, sich in die flimmernde Exotik zu stürzen, sie sehnt sich nach Buddhas und Tempeln. ihm ist es durchweg zu heiß und zu feucht.

Sehnsucht nach deutscher Kälte

Der Film erzählt das mit sympathischer Beiläufigkeit, wenn etwa Ottmar vor dem Fernseher sitzt und mit sehnsüchtiger Miene deutsche Nachrichten sieht, in denen von Kälte und überfrierender Nässe die Rede ist. Die Geschichte begnügt sich aber nicht mit den Elementen der Komödie. Schnell kommen tragische Untertöne hinzu durch Dr. Burkhard Lobinger (Peter Franke), einen ehemaligen Richter, dem seine zunehmende Demenz zu schaffen macht.

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Und dann platzt der Traum vom geruhsamen Lebensabend in der Fremde vollständig, als Ottmar sich von dem hilfsbereiten Max (Rolf Kanies) zu einem gemeinsamen Geschäft überreden lässt. Max will mit Ottmar eine gemeinsame Bäckerei eröffnen und überlässt ihm seine Ersparnisse, mit katastrophalen Folgen. Als seine Frau Reißaus nimmt, macht sich Max zusammen mit dem gealterten Rockstar-Groupie Becky (Leslie Malton) auf die Suche nach ihr.

Interessante Figuren gut gespielt

Der Genre-Mix aus Komödie und Drama funktioniert ziemlich ordentlich, gerade weil sich viele Zuschauer zumindest teilweise mit Ottmar und Tanja Berger identifizieren können. Lust an der Fremde und Heimweh, Spießbürgerlichkeit gegen Aufbruch-Stimmung angesichts der neuen Freiheit im Rentenalter, "Tatort" gegen Thailand – in wem erkennt man sich mehr? Der Film setzt immer wieder wirkungsvoll auf diese Gegensätze, um damit die Zuschauer in seine Geschichte hineinzuziehen.

Die Regie weiß, was sie an den Figuren der Geschichte hat. Die thailändische Exotik spielt deswegen auch nur eine Nebenrolle, es sind die Gesichter von Veit Stübner und Marie Gruber, die einen Großteil der Geschichte erzählen. Es gibt einige unglaubwürdige Stellen und gegen Ende zerfasert die Geschichte ein wenig. Und dennoch, wie der Film Lebenswelten aufeinanderprallen und Illusionen sich in Rauch auflösen lässt, das entwickelt doch eine gewissen Sog.

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