26.10.2017 20:57 | Ulrich Feld

TV-Kritik: "The bigger Picture": Ein Versuch in Selbstironie

"Notruf Hafenkante" bekommt diesmal Besuch von Tim Schneider, einem Actionstar. Der daraus beabsichtigte Witz will aber nicht zünden.

Der Action-Darsteller Tim Schneider (Stephan Luca, l.), der Melanie (Sanna Englund, r.) und Mattes auf ihren Einsätzen begleitet, mischt sich mehr in deren Arbeit ein, als den Polizisten lieb ist.
Der Action-Darsteller Tim Schneider (Stephan Luca, l.), der Melanie (Sanna Englund, r.) und Mattes auf ihren Einsätzen begleitet, mischt sich mehr in deren Arbeit ein, als den Polizisten lieb ist. Bild: Boris Laewen

Wenn ein Kinostar bei echten Polizisten hospitieren will, ist das US-Vorbild klar: "Auf die harte Tour" heißt der Film von John Badham, in dem Michael J. Fox sich zwischen seiner Rolle als Schauspieler und Polizei-Hospitant hin und her bewegt. Hier in "The bigger Picture" Ist Stephan Luca als Actionstar Tim Schneider in Fox‘ Fußstapfen getreten: Er begleitet Melanie Hansen (Sanna Englund) und Mattes Seeler (Matthias Schloo) durch ihren Dienstalltag, um sich auf einen Film vorzubereiten.

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Dabei fällt er den Polizisten schnell auf die Nerven. Die haben mit Hamburg-Triathlon, Schlagermove und Blockaden von Umweltschützern gegen Atomtransporte schon genug zu tun. Und Schneider tut sein Bestes, sich und die Gesetzeshüter zu blamieren: Er  hechtet hinter flüchtenden Umweltaktivisten her, versucht sich überflüssigerweise in verschiedenen Fremdsprachen und entwirft schließlich eine abenteuerliche Theorie zu einem möglichen islamistischen Terroranschlag.

Etliche Nummern zu groß

Was aber weder dem Filmcharakter noch der Geschichte sonderlich guttut. Während der Badham-Film immer wieder ironisch Sein und Schein im Filmgeschäft auseinandernimmt und den verwöhnten Kinostar samt allen Unzulänglichkeiten als Weichei mit dem richtigen Polizei-Alltag konfrontiert, versucht "The bigger Picture" den umgekehrten Weg zu gehen: Schneider ist körperlich in Hochform, kaum zu bremsen und pfuscht den Streifenpolizisten gerade durch seine Übermotivation ständig ins Handwerk.
 
Allerdings nervt er dadurch nicht nur die Polizisten in der Filmhandlung, sondern auch Zuschauer. Die Wortgefechte etwa, die sich mit Mattes Seeler kurz nach dem gegenseitigen Kennenlernen unterwegs im Auto ergeben, wirken schon durch die geschraubten Dialoge ziemlich dick aufgetragen. Schneiders überbordendes Selbstbewusstsein im Umgang mit den Ordnungshütern irritiert: Es fehlt ihm an Schwächen, die ihn sympathisch erscheinen lassen könnten, und erst recht an Glaubwürdigkeit.

Kleiner Pluspunkt: bunte Hamburger Impressionen

Deswegen kann auch das Ende der Geschichte nicht befriedigen, wo sich Schneider nach all der Hysterie, die er verursacht hat, noch einmal mit Erfolg nach vorne spielt. Hamburg-Fans bekommen aber immerhin viele lebhafte Impressionen aus der Hansestadt geliefert: Der World Triathlon Hamburg und der Schlagermove ergeben viele Szenen mit eindrucksvollen Menschenmassen. Allerdings haben diese Massenszenen die Regie in dieser Folge spürbar mehr interessiert als die Stammfiguren der Serie.

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