26.10.2017 07:14 | Ulrich Feld

TV-Kritik: "Und täglich stirbt das Kuscheltier": Der Heldt-Höhepunkt – Anschauen!

Toll ausgedacht: Kommissar Heldt gerät in eine tödlich gefährliche Situation – und findet sich anschließend in einer Zeitschleife wieder.

Nikolas Heldt (Kai Schumann, l.) staunt nicht schlecht, als Standesbeamtin Claudia Meisner (Katja Studt, r.) "verrät", dass Ellens (Janine Kunze, M.) zweiter Vorname Augusta ist.
Nikolas Heldt (Kai Schumann, l.) lässt sich zum Schein von Standesbeamtin Claudia Meisner (Katja Studt, r.)mit Staatsanwältin Ellen Bannenberg (Janina Kunze) trauen. Bild: © Frank Dicks

Bei einem Auftrag gerät Kommissar Nikolas Heldt (Kai Schumann) in tödliche Gefahr. Zusammen mit der Streifenpolizistin Angela Mertens (Tatjana Kästel), Hauptkommissar Detlev Grün (Timo Dierkes) und Kollege Polizeihauptmeister Mario Korthals (Steffen Will) will er eine Einbrecherbande fassen, die immer dann zuschlägt, wenn ein paar heiratet. Die Fahnder fingieren deswegen eine Hochzeit, bei der Heldt zum Schein Mertens heiraten soll.
 
Aber die Polizistin erkrankt an einer Blinddarmentzündung, weswegen die widerstrebende Staatsanwältin Ellen Bannenberg (Janina Kunze) ihre Aufgabe übernimmt. Sie fassen auch die Bande. Ihr Kopf René Schwartz (Matthias Brüggenolte) hat zum Schein die einsame Standesbeamtin Claudia Meisner (Katja Studt ) in sich verliebt gemacht, nutzt ihre Gefühle aber nur schamlos für seine kriminellen Zwecke aus.
 

Angelehnt an Hollywood-Komödie

 
Als Meisner die Situation durchschaut, schnappt sie sich die Dienstwaffe eines Beamten und schießt auf Schwartz. Heldt, der Ellen Bannenberg niederreißt, um zu verhindern, dass sie getroffen wird, erwischt dabei die Kugel. Er bricht zusammen – und gerät in eine Zeitschleife, in der er den Auftrag mit allen Situationen in verschiedenen Varianten wieder und wieder erlebt. Klar, wie auch sonst – schließlich erinnert hier schon der Titel an den Hollywood-Film "Und täglich grüßt das Murmeltier".

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Die Komödie aus dem Jahr 1993 mit Bill Murray inspirierte im deutschen TV schon den ARD-Freitagsfilm "Wer aufgibt ist tot". Wobei die Heldt-Episode die Fantasy-Elemente gegenüber der Degeto-Produktion deutlich zurücknimmt: Nichts mit Engel und Zwischenwelt, Heldt wacht nach dem Treffer immer wieder am Tresen seiner Stammkneipe bei Wirt Carlo (Felix Vörtler) auf, wo er zum Schein seinen Junggesellenabschied feierte.
 

Selbst die Musik ist bestens ausgewählt

 
Und dass dabei auch immer wieder ausgerechnet das Lied "If I could turn back time" von Cher im Hintergrund ertönt, zeigt schon, mit wie viel Liebe zum Detail diese Heldt-Episode von Gerd Lurz, Peter Ackermann-Laubenstein, Lorenz Lau-Uhle (Drehbuch) und Regisseur Christoph Eichhorn konzipiert worden ist. Witz, Spannung und Tragik ergeben dabei eine so mitreißende Mischung, dass "Und täglich stirbt das Kuscheltier" zu einem Höhepunkt der Serie und einem der besten TV-Filme des Jahres geworden ist.
 
Besonders Kai Schumann zeigt dabei eine enorme Bandbreite und enormes humoristisches Potential, wenn er Heldt in immer verzweifelteren Versuchen spielt, seinem anscheinend unabänderlichen Schicksal zu entkommen. Das bei der turbulenten Dramatik auch ein wenig Besinnlichkeit  ihren Platz hat – besonders am Ende, als Heldt endlich mehr Einfluss auf Claudia Meisner gewinnt – rundet den glänzenden Eindruck ab. Und der Schlussgag zieht auch noch einmal alle Register.
 

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