14.11.2017 03:30 |

Digitale Münzen: Die große Welt der kleinen Internet-Währungen

Frankfurt Vorreiter Bitcoin und die Nummer zwei Ethereum beherrschen etwa zwei Drittel des Marktes der Kryptowährungen. Doch es gibt insgesamt über 1000 dieser im Internet geschöpften und gehandelten virtuelle Währungen, und ständig kommen neue hinzu. Wir erklären die Chancen der neuen Herausforderer. Teil vier unserer Serie über digitales Geld.

Wie steht es um die Zukunft der digitalen Mützen wie Bitcoin?
Wie steht es um die Zukunft der digitalen Mützen wie Bitcoin? Bild: Jens Kalaene (dpa-Zentralbild)

Inzwischen wollen schon einzelne Staaten eigene Kryptowährungen herausgeben. Japan plant, bis zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio den J-Coin auf den Markt zu bringen. Und das digitale EU-Vorreiterland Estland prüft die Entwicklung des Estcoins.

„Unsere Bürger können fast alle Interaktionen mit Regierungsstellen inclusive des Wählens sicher online machen und können ihre Geschäfte abwickeln, ohne je einen Fuß in eine Behörde gesetzt zu haben“, sagte Präsidentin Kersti Kaljulaid jüngst in einem Zeitungsartikel. Da erscheint es nur logisch, eine eigene virtuelle Währung zu entwickeln. Allerdings widerspricht das eigentlich dem Geist der Kryptowährungen.

Der Bitcoin als Vorreiter wurde einst von Programmierern entwickelt, um ein freies und nicht von Staaten kontrolliertes Geld zu entwickeln. Aus dieser vor neun Jahren erstmals geäußerten Idee ist inzwischen ein riesiger Kosmos von über 1000 Kryptowährungen entstanden, die alle auf der Blockchain-Technologie basieren – also auf Datenbanken ohne zentrale Kontrollinstanzen. Bitcoin und Ethereum teilen sich etwa 100 Milliarden US-Dollar der derzeitigen Marktkapitalisierung, 50 Milliarden Dollar entfallen auf den Rest.

Darunter ist mit Bitcoin Cash als der Nummer vier (Stand 1. Oktober) noch ein Abkömmling von Bitcoin entstanden. Welche der kleineren Kryptowährungen haben also künftig die größte Chance auf einen Bedeutungs- und damit Wertzuwachs? Nummer drei in Sachen Marktkapitalisierung ist Ripple mit der dazugehörigen Währung XRP. Doch der Kryptowährungs-Experte Philipp Sandner, Professor am Frankfurt School Blockchain Center, hat andere Favoriten. „Ich finde zum Beispiel das Konzept von TenX sehr interessant. Das ist quasi die Kreditkarte für die Kryptowährungswelt und könnte das Bezahlen mit virtuellen Währungen künftig erleichtern.“

TenX ist ein Startup-Unternehmen aus Singapur, dass es ermöglicht, mit gängigen Kryptowährungen über eine dazugehörige weltweite Kreditkarte zu bezahlen. Dank einer Partnerschaft mit den Kreditkarten-Firmen Visa und Mastercard kann man so bei 36 Millionen Akzeptanzstellen weltweit mit Internet-Währungen bezahlen. So werden virtuelle und klassische Welt miteinander verbunden.

Kaum Akzeptanzstellen

TenX liegt in Sachen Marktkapitalisierung mit 271 Millionen US-Dollar (Stand 1. Oktober) nur auf Platz 23 der aktuellen Liste. Auf Rang fünf befindet sich Litecoin, das neuerdings auch bei prominenten Bitcoin-Börsen wie coinbase.com gehandelt wird.

Die virtuelle Währung Litecoin will – wie der Name schon sagt – die Bezahlung leichter machen und ist bei den Transaktionen auch wesentlich schneller als das behäbige Bitcoin-System. Allerdings gibt es genau wie bei der Kryptowährung Dash bisher kaum Akzeptanzstellen. Interessanter findet Sandner da schon Währungen wie IOTA (Nummer 8), NEO (Nummer 9) und OmiseGo (12) wegen ihrer Zusatzfunktionen. „Inhaltlich faszinierend“ seien Basic Attention Token (28) und Golem (34). Wer sich davon allerdings durchsetzen kann, ist völlig offen.

Hype überhöht Preise

Neben sinnvollen Funktionen hängt das auch von einem guten Marketing ab. Nicht zu unterschätzen ist auch der derzeitige Hype, der möglicherweise zu überhöhten Preisen führte. Das Risiko ist gerade wegen der bisher geringen Zahl von Marktteilnehmern bei den „kleineren“ Krypowährungen noch viel höher als beim wichtigsten Internet-Taler Bitcoin.

Favorit unter den Kryptowährungen ist für Sandner derzeit ohnehin die Nummer zwei Ethereum. Wer in Kryptowährungen investieren will, sollte in jedem Fall diversifizieren. Und unbedingt darauf gefasst sein, dass neben märchenhaften Gewinnen auch ein Totalverlust möglich ist.

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