20.03.2017 03:30 |

Hessischer Lohnatlas: Entgelt-Ungleichheit: 14 Prozent weniger für Frauen

Frankfurt Ein Institut der Goethe-Universität erstellt derzeit den Hessischen Lohnatlas. Dieser soll die Entgelt-Ungleichheit von Frauen und Männern dokumentieren – nach Landkreisen und kreisfreien Städten getrennt. Erste Ergebnisse wurden nun vorgestellt.

Protest: Frauen demonstrieren in Berlin für mehr Lohngleichheit.
Protest: Frauen demonstrieren in Berlin für mehr Lohngleichheit. Bild: Maurizio Gambarini (dpa)

Diese Erkenntnis ist nicht neu: Frauen werden in Hessen für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt als Männer. Der Hessische Lohnatlas offenbart aber auch, wie groß die Entgelt-Ungleichheit hierzulande wirklich ist. „Sie beträgt im Schnitt 14 Prozent“, berichtet Christa Larsen, Geschäftsführerin des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) an der Goethe-Universität, das im Auftrag des Hessischen Sozialministerium den Lohnatlas erstellt. Verdient der männliche Kollege also 100 Euro, bekommt die Frau lediglich 86 Euro. „Das ist Lohndiskriminierung. Auch wenn sie gern negiert wird“, sagt Piyali Dutta vom Hessischen Sozialministerium, Stabsstelle Frauenpolitik. „Wir wollen niemandem Schuld zuweisen“, betont Larsen. Vielmehr ziele der Lohnatlas darauf ab, die Strukturen aufzuzeigen, in denen sich Männer und Frauen beim Gehalt bewegen.

Zur Berechnung des Hessischen Lohnatlas verwendet das IWAK bewusst eine andere Methode als das statistische Bundesamt für die bundesweite Lohnlücke – der sogenannte Gender Pay Gap. „Wir beziehen die Bruttomonatsentgelte von Frauen und Männern in Vollzeit in die Berechnung ein, während das statische Bundesamt Stundensätze von Voll- und Teilzeitkräften berücksichtigt“, erklärt Larsen. Sie ist davon überzeugt, dass sich mit ihrer Methode eine bessere Vergleichbarkeit herstellen lässt. Im Sommer soll der Lohnatlas fertig sein.

Regionale Unterschiede

Die ersten Ergebnisse zeigen bereits jetzt, dass die Lohnlücke je nach Region unterschiedlich groß ausfällt. Während sie in der Mainmetropole bei (nur) acht Prozent liegt, ist sie in den ländlichen Regionen im Nordosten und Westen von Hessen deutlich größer.

Im Kreis Limburg-Weilburg beträgt die Entgelt-Ungleichheit schon 17 Prozent und im Vogelsbergkreis 20 Prozent. Das liege vor allem darin begründet, dass in den ländlichen Regionen eher kleinere und mittlere Unternehmen angesiedelt und damit weniger Führungspositionen zu besetzen seien. Außerdem falle die Mitarbeiterfluktuation geringer aus als in urbanen Zentren, erklärt Larsen.

Dialog mit Sozialpartnern

Großes Verbesserungspotenzial sieht sie wegen des demografischen Wandels. In den kommenden Jahren würden viele Stellen altersbedingt frei. „Dann könnten akademisch qualifizierte Frauen nachrücken“, hofft sie. Der Lohnatlas soll helfen, Frauen und Mädchen diese Potenziale aufzuzeigen, so dass sie möglichst gut ins Erwerbsleben eintreten und einen gerechten Lohn erhalten können.

Abgesehen davon sei geplant, den Dialog mit Sozialpartnern wie Unternehmerverbänden und Gewerkschaften zu suchen, wie Maja Weise-Georg vom Hessischen Sozialministerium betont. Dann könnten möglicherweise weitere Tarifverträge angebahnt werden, um die Lohnlücke zu schließen.

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