04.08.2017 03:30 | Panagiotis Koutoumanos

Luftfahrt: Fraport: Passagierplus bringt weniger ein

Frankfurt Größter Umsatz- und Gewinntreiber der Fraport AG war im ersten Halbjahr nicht der Heimatstandort Frankfurt. Zwar sind die Passagierzahlen an Deutschlands größtem Flughafen deutlich gestiegen. Aber die hinzukommenden Passagiere bringen der Fraport nicht mehr so viel Geld ein. Stattdessen hat Griechenland den Löwenanteil zum Ergebnis-Plus beigetragen.

So kräftig wie in den ersten sechs Monaten dieses Jahres ist die Zahl der Fluggäste am Frankfurter Flughafen schon sehr lange nicht mehr gewachsen.
So kräftig wie in den ersten sechs Monaten dieses Jahres ist die Zahl der Fluggäste am Frankfurter Flughafen schon sehr lange nicht mehr gewachsen. Bild: Boris Roessler (dpa)

Der Frankfurter Flughafen bleibt auf Wachstumskurs. Davon ist der Vorstand der Fraport AG überzeugt – und hat deshalb seine Passagierprognose für das Gesamtjahr deutlich angehoben: War das Management bislang davon ausgegangen, dass die Gästezahl an Deutschlands größtem Airport um zwei bis vier Prozent steigen wird, so rechnet es nun mit einem satten Plus von fünf Prozent. Vor allem getrieben von der guten Weltkonjunktur ist der Flughafen in den ersten sechs Monaten schon um 4,5 Prozent gewachsen Ein solch kräftiges Wachstum hat der Frankfurter Flughafen in diesem Jahrzehnt noch nicht erlebt. 2016 war die Zahl der Passagiere in Folge von Krieg, Terror und Lufthansa-Streiks sogar um 0,4 Prozent auf 60,8 Millionen gesunken.

Gewinn gestiegen

Natürlich hat das höhere Passagieraufkommen in Frankfurt im ersten Halbjahr dazu beigetragen, dass Umsatz und Gewinn des Fraport-Konzerns gestiegen sind – zumal die meisten Passagiere am Flughafen auch einkaufen und viele auch ihr Auto für die Dauer der Reise dort parken. Hinzu kommt, dass der Frankfurter Flughafen-Betreiber zum 1. Januar die Flughafen-Entgelte in Frankfurt angehobenen hatte und auch noch weitere Grundstücke auf dem Mönchshofgelände verkauft hat.

So stiegen die Gesamterlöse um 10,7 Prozent auf 1,355 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) kletterte um elf Prozent auf 420 Millionen Euro, von denen unterm Strich 136,9 Millionen Euro übrig blieben. „Damit blicken wir auf ein erfolgreiches erstes Halbjahr zurück“, sagte Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte. Allerdings hat der Heimatstandort deutlich weniger zum Umsatz- und Gewinnanstieg beigetragen, als das Passagierwachstum vermuten ließ. Und das liegt nicht nur an den höheren Tarifgehältern hierzulande oder den Abfindungen, die der Konzern derzeit zahlt, um ältere Mitarbeiter bei den verlustreichen Bodenverkehrsdiensten zum Ausstieg zu bewegen.

Zurückzuführen ist das relativ geringe Erlös- und Ergebniswachstum Frankfurts vor allem auf den Umstand, dass die zusätzlichen Passagiere weniger Geld bringen als früher. Das hat gestern Fraport-Finanzvorstand Matthias Zieschang im Gespräch mit Analysten einräumen müssen. Bislang galt für den Frankfurter Flughafen die Faustregel, wonach eine Million zusätzliche Passagiere das Ebitda um rund zwölf Millionen Euro erhöhen. Wie Zieschang ausführte, ist das nicht mehr der Fall. Demnach ist der Ergebnis-Effekt von zwölf auf rund 7,5 Millionen Euro gesunken.

Auch die Rabatte belasten

Die Gründe für diesen Rückgang sind vielfältig: So gehen die wachsenden Passagierzahlen nicht mehr mit einem Anstieg der Starts und Landungen einher – vielmehr ist es den Airlines gelungen, bei gesenkten Kapazitäten die Auslastung der Flieger zu erhöhen. Dadurch steigen die Flughafen-Entgelte nicht mehr so stark. Die gleiche Wirkung hat das sinkende Gewicht der Flugzeuge. Außerdem geben die Passagiere am Frankfurter Flughafen insgesamt weniger aus. Laut Zieschang zeigen sich zum einen zeigen sich besonders die asiatischen Fluggäste nicht mehr so spendabel; zum anderen habe der Anteil der Flüge zu den Urlaubsdestinationen am Mittelmeer zugenommen, deren Passagiere durchweg wenig Geld ausgeben. Zudem drücken die Rabatte, die der Flughafen-Betreiber seit Jahresbeginn den Airlines gewährt, damit diese neue Destinationen und damit zusätzliche Passagiere nach Frankfurt bringen, auf Erlöse und Ertragskraft. Die Rabatte, mit denen Fraport besonders Billig-Airlines wie Ryanair nach Frankfurt lockt, denen der Airport zuvor zu teuer gewesen ist.

So sind im ersten Halbjahr die 14 griechischen Flughäfen, deren Betrieb die Frankfurter im April übernommen haben, zum größten Umsatz- und Ergebnistreiber avanciert: Bei einem Umsatz von 58 Millionen Euro erwirtschafteten sie ein stolzes Ebitda von 25,2 Millionen Euro. „Die Baumaßnahmen zur Modernisierung der griechischen Airports laufen auf Hochtouren“, sagte Zieschang, „die bieten ein riesiges Potenzial.“

Gewinn-Prognose bleibt

Äußerst zufrieden zeigte sich der Finanzchef auch mit der Entwicklung im türkischen Antalya. Nach Terroranschlägen und Putschversuch hatte der Airport 2016 einen Passagierrückgang um 31 Prozent auf rund 19 Millionen Fluggäste verzeichnet. Im laufenden Jahr steht nun bis Ende Juli ein Plus von 37 Prozent zu Buche. Vor allem russische Urlauber kehren in Scharen in die Türkei zurück. Hatte Antalya den Frankfurtern 2016 noch einen Verlust eingebrockt, geht Zieschang für 2017 nun von einem Gewinn von bis zu 25 Millionen Euro aus.

Seine Konzerngewinn-Ziele für dieses Jahr setzte der Vorstand gestern aber noch nicht herauf. Zieschang begründete dies vor allem mit den Anlaufkosten von bis zu 15 Millionen Euro für die brasilianischen Flughäfen Fortaleza und Porto Alegre, deren Betrieb Fraport 2018 übernimmt. Allerdings gab der Finanzvorstand zu verstehen, dass die Gewinn-Prognosen im Herbst angehoben werden könnten.

Kommentare



zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Ein neues Posting hinzufügen


Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.
Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername: *
gewünschtes Passwort: *
Wiederholung Passwort: *
E-Mail: *
Kundennummer falls vorhanden:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage: Welche Farbe haben die Schlümpfe?: 

Weitere Artikel aus Wirtschaft

Weitere Artikel aus Wirtschaft

Rubrikenübersicht